Heirat

Wie ist es eigentlich, 26-mal den gleichen Mann zu heiraten?

Aufgezeichnet von Franziska K. Müller; Foto: SXC

Wie ist es eigentlich, 26-mal den gleichen Mann zu heiraten?

Lisa Gant (32), Kauffrau aus England, erzählt wie es ist, 26-mal den gleichen Mann zu heiraten.

Soeben gaben wir uns in New York zum sechsundzwanzigsten Mal das Ja-Wort. Ich trug mein crèmefarbenes Hochzeitskleid, das ich in England gekauft hatte und das ich in den vergangenen zwei Jahren bereits bei unzähligen Ehezeremonien trug. Man könnte meinen, die Aufregung werde kleiner, wenn man bereits über zwei Dutzend Mal geheiratet hat, aber so ist es nicht. Auch nicht für Alex, meinen Mann. Wir bekommen jedes Mal nasse Hände, und ich bin jeweils so nervös, dass ich vor dem Event zu zittern beginne.

Die Location in einem fremden Land, die exotischen Gerüche, die unbekannten Stimmen und Hochzeitsbräuche machen aus jeder Trauung ein einmaliges Ereignis. Wir heirateten bereits in einem abgestürzten Flugzeugwrack, auch unter Wasser zusammen mit Delfinen, in einem Swimmingpool, auf einem Blumenmarkt, am Strand, auf einem Pferderücken, in einem Spielcasino. In den Anden trugen wir farbenprächtige Ponchos, in Panama die Körperbemalungen der Embera, auf Hawaii Blütengirlanden, in Las Vegas ein Halloweenkostüm und in Mexiko die traditionellen Gewänder der Maya. Schamanen und die höchsten Angehörigen verschiedener Stämme führten unsere Trauungen durch. Und in Ecuador traute uns ein national bekannter Künstler.

Pannen blieben nicht aus: Einmal blieben wir mit Peggy, unserem quasi zum Lovemobile umgebauten Van, stundenlang im Morast stecken, während die Gäste warteten. Ein anderes Mal beteiligten sich Tausende von aggressiven und hochgiftigen Bananenspinnen an der Feier. Die Bestätigung unserer Liebe vor Menschen, die wir eigentlich gar nicht kennen, die uns aber helfend zur Seite stehen, ist sehr beglückend. Die wunderbaren Momente im Leben möchte man natürlich teilen, aus diesem Grund laden wir unsere neuen Freunde und die vielen im Hintergrund wirkenden Heinzelmännchen jeweils zu einer kleinen Party ein. Dies hat den schönen Nebeneffekt, dass wir uns nie allein fühlen, auch wenn unsere Familien Tausende von Kilometern weit weg sind.

Vor zwei Jahren kam der Antrag

Das Abenteuer startete in England. Wir lernten uns vor zwölf Jahren kennen und sind seit sechs Jahren zusammen. Vor zwei Jahren machte mir Alex einen Antrag, und wir begannen nach einem geeigneten Ort zu suchen, um den denkwürdigen Tag so romantisch wie möglich zu feiern. Es war schwierig, und auch die Heiratstraditionen in unserem Land gefielen uns nicht. Alles war so konventionell, und der erste Testlauf in Manchester – das Hochzeitsfoto zeigt uns bei Regenwetter vor einem roten Backsteingebäude – war enttäuschend. Wir wollten mehr! Mehr Romantik und mehr Zauber, aber auch mehr Bedeutung und Inhalt. So entstand der Plan einer Auszeit der speziellen Art.

Bald darauf verkaufte Alex seine Autowerkstatt, und ich kündigte meinen Job als Kauffrau. Wir begannen Peggy, den zwanzigjährigen Van, so einzurichten, dass wir darin schlafen und essen können. Dann packten wir Ersatzteile und Hochzeitskleidung in einen Koffer und fuhren los. Wir starteten in Kanada und landeten auf Hawaii, reisten die Westküste Amerikas entlang nach Mexiko, sahen ganz Südamerika und legten mit Peggy über 60 000 Kilometer zurück.

Wann immer wir einen interessanten Hochzeitsbrauch, spezielle Zeremonien oder eine wunderbare Ortschaft entdeckten, legten wir einen Zwischenstopp ein und begannen mit der Organisation, die zwischen zwei Tagen und mehreren Wochen Zeit beanspruchte. Die vergangenen zwei Jahre drehten sich ausschliesslich um unsere gegenseitigen Liebesschwüre. In dieser Mission sind wir rund um die Uhr zusammen. Es wäre naheliegend, dass es manchmal Streit oder zumindest Spannungen gibt, aber in unserem Fall schmiedeten uns die vielen Ja-Worte nur noch enger zusammen.

Bald ist Schluss

Zurzeit sind eine Voodoo-Trauung und eine Zeremonie auf Tahiti in Vorbereitung. Nach dem dreissigsten Ja-Wort soll dann Schluss sein. Arm, aber glücklich werden unsere dreijährigen Recherchen dann beendet sein – und wir heiraten noch ein einziges Mal: Wo, wissen wir noch nicht, jedoch mit den notwendigen Papieren, die uns offiziell zu Mann und Frau machen.

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