Frisurencomeback

Also doch: Der Vokuhila ist zurück

Text: Leandra Nef, Bild: Imaxtree

Die Kultfrisur hat es vom Gucci-Runway auf die Köpfe verschiedener Celebs und Grossstädterinnen geschafft. Wir empfehlen den «Hila» bis zur Schulter.

Nena trug ihn, als sie gegen den Kalten Krieg ansang, Dieter Bohlen an der Seite von Thomas Anders und Die Ärzte widmeten ihm einen eigenen Song: dem Vokuhila. Was als haariger Stinkefinger an die Ästhetik durchaus auch Punks begeisterte, wurde spätestens in den Neunzigerjahren mit Rudi Völler und seinen Fussballkollegen Mainstream und wegen seiner Beliebtheit unter Opel-Manta-Fahrern zum Markenzeichen der Prolls.

Im Gegensatz zu seinen Trägern, die sich nach und nach verabschiedeten – Nena aus den Charts, Bohlen und Anders von einer gemeinsamen Zukunft, Völler vom Rasen – tauchte der Vokuhila immer wieder auf. Gucci schaltete schon unter Tom Ford eine Anzeigenkampagne mit prominent inszenierter Nackenmatte. Ihre Präsenz aber war so flüchtig, dass wir sie getrost als Nischenphänomen belächeln durften.

Beim jüngsten Besuch in Berlin schlug der Haartrend-Seismograf der Stadt, der etwas präziser misst als jener in Bern und Buttisholz, jedoch deutlich in zwei Richtungen aus: vorne kurz, hinten lang. Der Barkeeper im «Café Luzia» trug die Statement-Frisur ähnlich furchtlos wie die junge Frau im schicken Hinterhof-Café, deren shrimpfarbene Haare hervorragend mit dem grünen Matcha Latte in ihrer Hand korrespondierten.

It’s a thing. Gerade in Berlin, wo alles geht, Trash ganz besonders. Aber natürlich auch drüben bei den Stars: Miley Cyrus liess sich ihren Mullet (englisch für Vokuhila, wobei der Ausdruck «Mullet Head» früher für Personen von zweifelhafter Intelligenz stand) von ihrer Mutter schneiden, Rihanna kokettiert damit in einem Video für ihr Label Savage x Fenty. Im Gegensatz zu den Achtzigern fällt auf: Diesmal tragen vor allem Frauen Vokuhila.

Ihnen kräuseln sich die Nackenhaare bei der Vorstellung, Ihren Coiffeur um diesen Schnitt zu bitten? Grundlos. Wenn wir eines gelernt haben in den letzten Monaten, dann, dass kaum etwas sakrosankt ist – weder unsere Bewegungsfreiheit noch die Meinung der Chefin zum Homeoffice. Warum sollte es jene der Gesellschaft zum Vokuhila sein?

Wir empfehlen den «Hila» bis zur Schulter. Damit sang schon Rod Stewart – sich die Frage gleich selbst beantwortend, so überzeugt wie wir – «Da Ya Think I’m Sexy?».

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