Kommentar

«Karl Lagerfeld war eine einmalige Erscheinung»

Text: Tanja Ursoleo, Bild: Getty Images

Karl Lagerfeld in seinem Atelier

Paris-Korrespondentin Tanja Ursoleo hat Karl Lagerfeld auch persönlich getroffen. Ihr Kommentar zum Abschied.

Karl Lagerfeld ist im Alter von 85 Jahren in Paris verstorben. Er wurde gestern in das «Hôpital américain de Paris» in Neuilly-sur-Seine eingeliefert und verstarb dort heute Morgen. Seine Absenz während der letzten Haute-Couture-Show von Chanel am 22. Januar 2019 gab zu reden. Nie hatte der Designer eine Show verpasst, seit er 1983 die kreative Leitung von Chanel übernommen hatte. Aus offizieller Quelle hiess es, Karl Lagerfeld «sei müde». Seine langjährige Mitarbeiterin und rechte Hand Virginie Viard grüsste das Publikum alleine.

Mit Karl Lagerfeld geht eine Ära zu Ende. Der Designer war bis zu seinem Lebensende ständig am Arbeiten. Für Chanel entwarf er jährlich sechs Kollektionen und war zugleich für die Kollektionen von Fendi sowie für seinen eigenen Brand verantwortlich.

Während Designer der jungen Generation wir Raf Simons dem Druck dieses immer schnelleren Mode-Rhythmus nicht standhielten und ihren Job hinschmissen, bestand Karl Lagerfelds Leben aus Arbeit und aus einem hohen Arbeitsethos. Beklagt hat er sich nie. Er wusste: Stillstand ist das Ende.

Damit hat er die internationale Mode nachhaltig geprägt und war mehr als 60 Jahren aktiv im Business. Ein Status, der sonst kaum jemand erreicht hatte und halten konnte. Er war ein Freigeist, schoss immer wieder scharf gegen seine Kollegen, deren Kundinnen und sogar gegen mächtige Chefredakteurinnen und scherte sich nicht um Konventionen und schon gar nicht um «political correctness». In einer Modewelt, wo die Kommunikation bis ins letzte Detail kontrolliert wird, war er ein inspirierender Interview-Partner: kultiviert, professionell und unberechenbar.

Auch ich habe Karl Lagerfeld während Interviews hautnah erlebt, sein Charisma und seine Freundlichkeit waren bestechend. Aber Karl Lagerfeld war nicht nur in offiziellen Rahmen eine einmalige Erscheinung. Als ich ihn einmal per Zufall im Treppenhaus an der legendären Rue Cambon getroffen habe, war unser Austausch überraschend natürlich und angenehm. Karl Lagerfeld war authentisch, er musste sich nicht verstellen oder zuerst nach meiner Position fragen. Er war sich seiner Wirkung auf die Menschen bewusst und genoss die Sympathie, die ihm entgegen gebracht wurde.

Tanja Ursoleo ,
Pariskorrespondentin
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