Nick Fouquet

Nick Fouquet: Der Hutmacher von Pharrell Williams und Madonna

Text: Christina Duss, Fotos: Tommaso Mei

Nick Fouquet: Der Hutmacher von Pharell Williams und Madonna
Nick Fouquet: Der Hutmacher von Pharell Williams und Madonna
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«Es ist nicht einfach, einen Hut zu tragen, man braucht Selbstbewusstsein»: Nick Fouquet

«Ich bin ein moderner Ernest Hemingway»

Hut ab! Oder besser: Hut auf! Der Franzose Nick Fouquet macht in Los Angeles diese tollen Hüte, die Pharrell Williams und Madonna tragen. Und wow, wie der aussieht.

Der erste Gedanke: Der Mann ist zu perfekt. Dieser nachlässige Bohemian-Look, der aber sicher sehr wohl überlegt ist. Diese blauen Augen, das kantige Kinn. Oh, und sehr schöne Männer, Männer wie Nick Fouquet, finden ganz oft, dass sie ihre Cleverness ganz besonders herausstreichen müssen. Fies, dieses Schubladendenken. Doch der Schönling muss sich erst mal beweisen. Beim Interview fährt Nick Fouquet immer wieder mit den Fingern durch seine Kurt-Cobain-Haare (eine Surfermarotte), und sein Abenteuerblick gleicht jenem von Brad Pitt, als der sich hinter Thelma und Louise auf den Rücksitz schwang.

Fouquet ist der Hutmacher der Stunde. Der Designer, dem die Stars vertrauen: «Happy»-Sänger Pharrell Williams trägt seine Kreationen, Schauspieler Jared Leto und Popstar Madonna auch. «Los Angeles ist eine kleine Stadt, da sprechen sich die Dinge schnell rum.» Er schätze ihre Arbeit als Musiker ja sehr, dennoch seien das doch nur Leute wie du und ich. «Sie verbessern die Welt nicht. Geben nicht freimütig, ohne etwas zu fordern.» Lieber würde Nick Fouquet für den Dalai Lama oder den Papst einen Hut kreieren. «Oder Barack Obama – einen Zylinder, wie Lincoln ihn trug.» Er lacht. Auf seinem Tisch liegt – gut sichtbar – «Memories, Dreams, Reflections» des Psychologen C. G. Jung. Wetten, dass das Buch nicht zufällig dortliegt?

Nick Fouquet lebte, bis er acht Jahre alt war, mit seiner Familie in Frankreich. Davon geblieben ist ihm ein ästhetisches Feingefühl, das Amerikanern manchmal fehlt, wie er sagt: «Eine elegantere, etwas kultiviertere Herangehensweise.» Heute ist er 31. Dazwischen holte er sich in Florida einen Collegeabschluss in Umweltwissenschaften und nachhaltiger Entwicklung, er modelte, reiste um die Welt, nach Marokko, Neuseeland, Südamerika, Thailand, Australien, neugierig und rastlos. Als er vor ein paar Jahren in Los Angeles haltmachte, war das bloss Zufall; eine Knieverletzung zwang ihn dazu. Er blieb. «Hier lässt es sich freier leben. Der Lifestyle ist toll. Ich gehe surfen, in die Berge oder in die Wüste.»

Er begann für den Designer Christophe «Mister Freedom» Loiron zu arbeiten, einen französischen Expat mit einer Vorliebe für deftige Seemannsklamotten, Patina und Revoluzzer-Chic. Die Kollektionen heissen Les Apaches, Men of the Frontier und Viva la Revolución. Christoph Loiron wurde zu Nick Fouquets Mentor, begeisterte ihn für Mode und ehrliches Handwerk. Vor drei Jahren beschloss Fouquet, sich auf Hüte zu spezialisieren, diese «sehr persönlichen, einzigartigen Accessoires, die eine Menge Arbeit machen und deren Herstellung nicht mehr viele Leute beherrschen». Ein bisschen aus der Reihe tanzen, das scheint Fouquet wichtig zu sein: Auf seiner Website vergleicht er sich mit dem Mad Hatter, dem verrückten Hutmacher aus «Alice im Wunderland».

Ein Tag im Leben des schönen Handwerkers klingt wie aus einem Handbuch für kalifornische Bohemians: Er steht um sieben Uhr auf, lässt eine Stunde das Telefon abgestellt und liest. Dann meditiert er zwanzig Minuten, geht mit dem Hund spazieren, um danach auf seinem Surfboard kurz dem Horizont entgegenzupaddeln. Um zehn ist Fouquet in seinem Atelier am Abbot Kinney. Das Lifestylemagazin GQ nannte den Boulevard, mit Läden, die sich thematisch rund um Organic Food, Mode, Kunst und junge Start-ups drehen, «Amerikas coolste Gegend überhaupt». Hier empfängt der Hutmacher seine Kundschaft. Man guckt zusammen, was gewünscht wird: die Breite der Krempe, Art des Hutbands, Höhe der Kreation und Farbe.

Dann: Soll es als Fashionpiece getragen werden oder gegen die Sonne oder beides? Weiter spielen Augenfarbe, Hautfarbe, Haarfarbe und physische Proportionen eine Rolle. Die Gesichtsstruktur sei besonders wichtig, sagt Fouquet. «Es ist nicht einfach, einen Hut zu tragen, man braucht Selbstbewusstsein.» Sechs Wochen dauert so eine Auftragsarbeit. Sein Material wählt Fouquet sehr sorgfältig aus: Der Filz stammt von einem Fabrikanten aus Los Angeles, Hutstroh holt Fouquet selbst ab – «bei einem Produzenten in Ecuador». Um sieben Uhr geht Nick Fouquet nachhause und kocht für seine Freundin Kassia Meador, eine Profisurferin. Zusammen schauen sie gern Filme. «Oder hängen einfach ein bisschen ab.»

Er sei eher introvertiert, ruhig. Clubs, Partys, das sei nicht sein Ding. Gut, aber er könnte doch jetzt auch richtig auf die Pauke hauen und berühmt werden? (Er legt es doch darauf an, come on!) «Mich schaudert es beim Gedanken daran, ein Star zu sein. Anerkennung mag ich, aber nur für einen gut ausgeführten Job. Ruhm hat immer Konsequenzen.» Er beharrt in eloquenter Weise auf seiner Zurückhaltung. «Ich versuche nichts neu zu erfinden oder was Falsches vorzugaukeln, ich bin, wer ich bin, ein Renaissance-Gentleman oder ein moderner Ernest Hemingway, ich lese, schreibe Gedichte, vergöttere mein Mädchen, geh jagen und danach weine ich.» Moment, Tränen? Ganz offensichtlich: Nick Fouquet weiss genau, wie man(n)sich am besten verkauft. Vielleicht ist man aber auch einfach nur ein bisschen neidisch. In Nick Fouquets Leben scheint alles in Sepia gefärbt zu sein. Fast zu schön, um wahr zu sein.

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