Apropos Mode

Lingerie Wars

Text: Leandra Nef; Foto: JP Yim/Getty Images
 

Lingerie Wars
  • Show von Rihannas Wäschelabel Savage x Fenty im September in New York

Frauen aller Proportionen und Ethnien zeigen Wäsche auf dem Laufsteg – Body Positivity ist gut, aber soll nicht nur aus reiner Marketingbestrebung passieren, findet Lifestyle-Redaktorin Leandra Nef.

Noch letzten Herbst hatte sich Ed Razek, jahrelang für die Topmodelbesetzung der Show von Victoria’s Secret verantwortlich, gegen transsexuelle Models ausgesprochen – die Show sei schliesslich eine Fantasie. Auch an einem TV-Special für Übergrössen hätte niemand Interesse, so Razek. Nun ist der Modelübervater in Rente, und der Unterwäschegigant hat sein erstes transsexuelles Model unter Vertrag. Die Einsicht kommt spät. Victoria’s Secret hat nicht einfach einen Trend verpasst, der Konzern hat selbstgefällig einen gesellschaftlichen Wandel verschlafen. Den von der 90-60-90-Doktrin zu umfassender Diversität. Von der Push-up-Ära zur Bralette-Ästhetik.

Andere Wäschehersteller haben Inklusion schon vor Jahren zum Verkaufsargument ihrer Marke erklärt. Bei Chromat defilieren Models mit Beinprothesen über den Laufsteg, American Eagles Kampagne #AerieReal zeigte ein Model mit Kolostomiebeutel. Und Rihanna, 2012 selbst noch Showact bei Victoria’s Secret, engagierte für die Show ihres eigenen Lingerielabels Savage x Fenty Frauen aller Proportionen und Ethnien, die dreissig spektakuläre Minuten lang zu den Liveauftritten von DJ Khaled und Halsey tanzten. Victoria’s Secret in Bodypositiv.

Natürlich kann man einwenden, Chromat, Aerie und Savage x Fenty übertreiben es, zeigen schlicht ein anderes Extrem. Die wenigsten von uns müssen mit nur einem Bein oder einem künstlichen Darmausgang leben. Aber genau so wenige sehen sich von Engeln in Strapsen repräsentiert. Und zumindest ein angemessener Anteil kurviger oder nicht weisser Models im Cast ist bedeutend ehrlicher als das homogene Heer immer gleicher Supermodels. Natürlich entstehen auch Shows wie jene von Rihanna aus ökonomischen Überlegungen, Body Positivity lässt sich gut verkaufen. Aber es ist ein Unterschied, ob man aus reiner Marketingbestrebung ein fülliges Model zwischen zwanzig untergewichtigen zeigt oder aus Überzeugung eine Show, die Weiblichkeit in all ihren Facetten feiert. Das ist wirklich kein Secret mehr.

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