Fashion Weeks

Sehen so die Modewochen der Zukunft aus?

Text: Leandra Nef; Foto: Getty Images

  • Geht in diesen Ähren eine Ära zu Ende? Grosse Labels wie Jacquemus bleiben den offiziellen Fashion Weeks fern – und überraschen für ihre Frühling/Sommer-Kollektionen 2021 mit kreativen Alternativen.

Es gibt vieles, worüber sich die Entscheidungsträgerinnen der Modeindustrie zurzeit ihre kreativen Köpfe zerbrechen müssen. Besonders in zwei Fragen sollten sie sich möglichst bald einig werden.

Spätestens jetzt wäre unsere Agenda durchgetaktet, die Outfits ready, Tische in angesagten Restaurants reserviert. Doch so richtig Vorfreude auf die Fashion Weeks in Mailand und Paris mag diesmal nicht aufkommen. Zu ungemütlich die Virenlage, zu unsicher der Fashionshow-Kalender – überhaupt: Zu gross der Zweifel am Sinn der Modewochen und der Meute, die dafür von Metropole zu Metropole jettet, um ein System anzuheizen, das im Sommer Mäntel verkauft, im Winter Bikinis und am Ende der Saison Berge von Kleidern wegwirft.

Radikales Umdenken

Ein Kollektiv um Designer Dries Van Noten forderte im Mai, radikal umzudenken. Und gewichtige Marken stimmten zu: Gucci reduziert von fünf auf zwei Fashionshows pro Jahr, spart sich fortan die Cruise Show – jene Zwischensaison-Extravaganza, für deren Präsentation die illustren Geladenen so gern in ferne Länder fliegen. Mehr noch: Das Label verzichtet gar komplett auf seinen Platz im offiziellen Showkalender, genau wie Saint Laurent und Michael Kors.

Auch Simon Porte Jacquemus beschränkt sich auf zwei Shows und zeigte seine neuste einmal mehr ausserhalb des Kalenders – in einem Kornfeld bei Paris, wo seine Models über einen 600 Meter langen Holz-Runway defilierten; aus aktuellem Anlass mit einem Stück Marseille-Seife um den Hals.

Viele Brands halten an der Agenda fest

Viele einflussreiche Brands aber halten an der Agenda fest. So starteten Mitte September in New York die Schauen fürs Frühjahr – wegen Corona mehrheitlich digital. Mailand (23. bis 28. September) und Paris (29. September bis 6. Oktober) planen neben digitalen Shows nicht wenige mit Models vor Publikum.

Fraglich ist, ob das Publikum aus dem lukrativen asiatischen Markt ihnen dieses Jahr beiwohnen wird. Laut der US-Unternehmensberatung Bain & Company sollen die chinesischen Kunden 2019 für neunzig Prozent des Wachstums der Luxusgüterindustrie verantwortlich gewesen sein. Wenn sie nicht nach Europa reisen können, müssen die europäischen Brands dann ihre Kollektionen in Asien zeigen? Ja, meint Virgil Abloh. Seine Menswear-Show für Louis Vuitton veranstaltete er im August erstmals in Shanghai.

Dries Van Noten dürfte sich freuen, dass einige Designer die Quantität ihrer Shows reflektieren. Über Zeitpunkt und Ort aber müssen sich die Entscheidungsträgerinnen noch einmal ihre kreativen Köpfe zerbrechen. Je unkoordinierter die Brands agieren, desto unübersichtlicher wird es – und desto öfter wird die Fashion Crowd eben doch für Schauen um die halbe Welt fliegen.

Empfehlungen der Redaktion

London Fashion Week

Sind digitale Modewochen die Zukunft?

Von Leandra Nef

Mehr aus der Rubrik

Fab Five

5 digitale Fashionshows, die nicht unterschiedlicher sein könnten