Apropos Mode

Camou-Blamage

Redaktion: Barbara Loop; Foto: Getty Images

Camou-Blamage
  • So ging Destination Dressing 1965, fotografiert von Henry Clarke für Vogue 

Die Zwischenkollektionen warten zurzeit mit Prints auf, die sich nahtlos in die Umgebung einfügen. Destination Dressing nennt sich das dann. Redaktorin Barbara Loop kann damit gar nichts anfangen. 

Nach der Eröffnung eines Safari-Parks im britischen Chessington sahen sich die Zoowärter genötigt, einen Dresscode einzuführen: Denn wer im Leoparden-Pulli durchs Gehege fahre, würde die Giraffen in die Flucht treiben. Wer in Zebra-Print dem Löwen zu nah komme, würde sich in Gefahr bringen. Auf jeden Fall würden Animalprints die Parkbewohner irritieren, weswegen sie im Park kurzerhand verboten wurden.

Der Dresscode ist inzwischen zwar wieder aufgehoben, die Tiere haben sich offenbar beruhigt. Aber anders als die Giraffen in England werde ich mich wohl nie an Outfits gewöhnen können, die sich allzu nahtlos in ihre Umgebung einfügen. Besonders gern wird das Camouflage-Spiel mit den Precollections der aktuellen Modesaison, auch Cruise-Kollektionen genannt, betrieben. In dieser Zwischensaison entwerfen die Designer traditionell für die illustre Kundschaft, die die kalten Wintermonate in Südafrika oder Griechenland, in der toskanischen Villa oder auf dem Sonnendeck verbringt. Und um das Reiseziel, das zur aktuellen Kollektion inspiriert hat, unmissverständlich zu kommunizieren, reicht es of- fenbar nicht aus, Mode-Experten um die halbe Welt zur entsprechenden Show-Location zu fliegen. Nein, auch die Entwürfe müssen eine eindeutige Sprache sprechen: So kommt etwa der Print einer toskanischen Villa auf das Altuzarra-Kleid und die Wüste New Mexicos auf die Strickjacke von Coach 1941. Destination Dressing nennt sich das dann.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich ziehe die stilvolle Reise grundsätzlich dem Rucksack-Trip vor und würde nur unter zwingenden klimatischen oder topografischen Bedingungen zur universellen Funktionskleidung greifen. Aber warum eine Reise nach Athen wie eine Mottoparty im Olymp daherkommen muss, leuchtet mir beim besten Willen nicht ein. Es muss doch merkwürdig anmuten, wenn man plötzlich mit den Ruinen von Pompeji auf dem Kleid in den Ruinen von Pompeji steht. Und auch das dezentere Matrosenkleid oder die Tracht wirken eher lächerlich, wenn das Segelschiff sich als Kreuzfahrtdampfer entpuppt oder der Alpwirt einem im Outdoor-Jäckli bedient.

Also seien Sie kein Chamäleon, setzen Sie Akzente. Schliesslich wollen Sie doch höchstens für die Daheimgebliebenen von der Bildfläche verschwinden.

Empfehlungen der Redaktion

Apropos Mode

Die sexy Santa-Lüge

Von Jacqueline Krause-Blouin

Digitale Post

Das Beste aus unserer Redaktion jede Woche in Ihrer Mailbox

Mehr aus der Rubrik

Fab Five

Die fünf Lieblingsshows der Modechefin aus Paris

Von Cati Soldani