Vestiaire Collective

Hermès: Wert steigert sich mit den Jahren

Redaktion: Leandra Nef; Foto: Daniel Roché

Hermès, Tasche
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Hermès, Gucci, Prada und Co:

Fanny Moizant und Sophie Hersan (r.), zwei der Gründerinnen von Vestiaire Collective wissen, dass sich Luxus-Taschen von Hermès als Investition lohnen 

Firstclass-Mode aus zweiter Hand: Models zeigen Designerstücke aus dem Angebot von Vestiaire Collective

Vor zehn Jahren wurde er gegründet: Vestiaire Collective, Europas führender Onlinemarktplatz für Secondhandmode im Premium- und Luxussegment. Heute umfasst die Community neun Millionen Mitglieder, zu den Investoren gehört auch der namhafte Medienkonzern Condé Nast. Wir sprachen mit Co-Gründerin Sophie Hersan darüber, wie sich der Markt über die Jahre verändert hat, ob es sich in Brands wie Hermès zu investieren lohnt und wie man gefälschte Designerstücke enttarnt.

annabelle: Der Wiederverkaufspreis eines Birkin-Bag von Hermès ist auf Ihrer Plattform seit 2013 um 31 Prozent gestiegen. Ist es ein gutes Investment, eine Luxushandtasche zu erwerben?
Sophie Hersan: Es ist immer sinnvoll, in eine Birkin zu investieren. Wir stellen fest, dass dank der Attraktivität von Streetwear im Luxusbereich Marken wie Gucci oder Balenciaga noch schneller wachsen.
 
Womit könnte ich momentan besonders viel Geld verdienen?
Ikonische und seltene Stücke behalten ihren Wert. Viele Designer bilden zurzeit die ikonischen Taschen ihrer Modehäuser nach, was die originalen Vintage-Stücke pusht, wie die Bamboo von Gucci, die Baguette von Fendi oder die Modelle von Céline.
 
Was boomt denn sonst noch?
Die Pouches von Bottega Veneta. Ausserdem der Puzzle Bag von Loewe, die Dior-Book-Tote, Guccis Marmont und Jacquemus’ Chiquito.
 
Abgesehen von Taschen: In welche Stücke lohnt es sich zu investieren?
In Luxusschmuck. Etwa in eine Vintage-Uhr wie die Lady-Datejust 26 Millimeter von Rolex oder die Panthère von Cartier. Auch in YSL- oder Dior-Ohrringe, J’Adior-Accessoires und Juste un clou von Cartier.
 
Was würden Sie persönlich nie secondhand kaufen?
Sag niemals nie. Aber ich würde mehr in Basics und weniger in reine Trendstücke investieren.
 
Hat sich Vintage-Shopping im Luxussegment über die vergangenen Jahre verändert?
Als wir Vestiaire Collective 2009 gegründet haben, gab es nicht viele Möglichkeiten, Mode im Luxussegment online zu kaufen oder zu verkaufen. Alles begann mit der Frage: Warum sollten so viele grossartige Modeartikel tot in den Garderoben der Leute liegen? Wir wollten die Menschen aufklären, weniger, aber dafür besser zu konsumieren. Heute ist speziell die junge Generation stark sensibilisiert, wenn es um Recycling geht.
 
Designerstücke gebraucht zu kaufen, ist nachhaltig, klar. Aber einer Konsumentin geht es wohl weniger um Nachhaltigkeit, wenn sie sich eine Luxushandtasche aus zweiter Hand kauft.
In Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group haben wir kürzlich eine Umfrage durchgeführt, die zeigt, dass 96 Prozent der Vintage-Käuferinnen unter anderem secondhand einkaufen, weil sie nach guten Angeboten und Artikeln suchen, die sie sich zum vollen Preis nicht leisten könnten. Aber auch Nachhaltigkeit wird immer wichtiger: siebzig Prozent versuchen ethisch einzukaufen, mehr als der Hälfte ist eine geringe Umweltbelastung wichtig. Besonders Millennials und die Generation Z ziehen Vintage der Wegwerfmode vor, da sie sich ihres Kaufverhaltens sehr bewusst sind.
 
Im Sommer wurde bekannt, dass Financiers vierzig Millionen Euro in Vestiaire Collective investieren – unter anderem, um das internationale Wachstum zu beschleunigen. Welche Märkte sind für Sie besonders interessant?
Europa ist zurzeit der stärkste Markt. In den USA und in Asien wollen wir weitere Regionen erschliessen. Pre-owned ist aufgrund der kulturellen Einstellung ein relativ neues Phänomen in Asien. Das digitale Zeitalter und die Generation Z treiben jedoch einen Wandel in Richtung Secondhand voran, weswegen Wiederverkäufe in Asien gerade zu boomen beginnen. Der Secondhandmarkt im Luxussegment wird in den nächsten drei Jahren stärker wachsen als der Firsthandmarkt.
 
Und wie läufts in der Schweiz?
Im Vergleich zu anderen Märkten, insbesondere in Europa, sind die Menschen in der Schweiz bereit, Geld für qualitativ hochwertige Mode auszugeben, da sie das eher als Investition betrachten. Das spiegelt sich in ihrem durchschnittlichen Warenkorb wider, der einen höheren Wert hat als im Rest von Europa.
 
Sie prüfen alle Artikel, die über Ihre Plattform verkauft werden, auf ihre Echtheit – täglich kommen 5500 potenzielle Verkaufsobjekte hinzu. Wie erkennen Sie Fälschungen?
Unser Modekuratorenteam überprüft eingereichte Artikel zunächst anhand von Bildern. In dieser Phase werden weniger als vier Prozent der Artikel aufgrund schlechter Qualität abgelehnt. Sobald ein Artikel dann verkauft wurde, kann die Verkäuferin ihn kostenlos an uns senden. Unsere Experten prüfen den generellen Zustand, Material und Verpackung, bevor sie den Artikel an die Käuferin senden.
 
Wie können Kunden Fälschungen entlarven, wenn sie ein Designerstück über andere Kanäle als Ihre Plattform kaufen?
Sie sollten nur bei vertrauenswürdigen Anbietern einkaufen. Ausserdem auf Details wie Nähte, Reissverschlüsse, Gravuren sowie die Qualität des Materials achten. Und überprüfen Sie Typografie und Etikett.
 
Was sollte man sonst beachten beim Kauf eines Vintagestücks?
Denken Sie an seine Lebensdauer, bevor Sie grosse Investitionen tätigen: Wird es seinen Wert halten, wenn Sie es in zwei, fünf oder zehn Jahren weiterverkaufen wollen? Der Preis von Vintage-Artikeln kann stark variieren, daher ist es wichtig, gut zu recherchieren.
 
Was muss man beim Verkauf beachten?
Hier ist die Preisgestaltung ebenso wichtig. Versetzen Sie sich in den Käufer: Wie viel ist er bereit, für meinen Artikel zu bezahlen? Achten Sie darauf, dass Sie gute, detaillierte Fotos machen und auch Flecken oder Mängel ausweisen.
 
Sie eröffnen immer wieder Pop-up-Stores, kürzlich während der Fashion Week in Mailand. Dürfen wir das als Vorbereitung auf einen eigenen Vestiaire Collective Store deuten?
Menschen mögen das physische Kauferlebnis, deshalb arbeiten wir an einer Reihe von Partnerschaften mit dem Einzelhandel – inklusive unserer ersten permanenten Pop-up-Boutique bei Selfridges in London, die Ende Oktober eröffnet hat. Pop-ups sind eine grossartige Möglichkeit, die Präferenzen der Kunden zu erforschen – die dann als Grundlage für eigene Räume dienen könnten.

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