Kampf gegen Covid-19

Schutzmasken statt Designermode

Text: Leandra Nef; Foto: Instagram/theparisianchique

  • It (Was) Fashion:

    Im Frühling 2008 inszenierte Louis Vuitton Models mit durchsichtigen Schutzmasken.
    Heute stellen Luxuslabels Hunderttausende echter her, um Spitäler damit zu beliefern. 

Wo sonst Dessous und Parfums hergestellt werden, verlassen heute Schutzbekleidung und Desinfektionsmittel die Produktionsstätten. Die Mode- und Beautyindustrie unterstützt die Behörden und Spitäler im Kampf gegen das Coronavirus. Eine Auswahl.

Die ganze Welt befindet sich im Ausnahmezustand. Nicht zuletzt die Mode-Industrie ist hart von der Corona-Krise getroffen – wenn die Warenhäuser und Geschäfte locked-down sind, ist es auch der Konsum. Gleichzeitig wurden bald Stimmen laut, die forderten, dass internationale Brands ihre Infrastruktur umnutzen sollen, um Produkte herzustellen, die in dieser Krise besonders dringend benötigt werden. 

Bereits Mitte März begann Prada damit, in seiner Fabrik im italienischen Montone Schutzmaterial herzustellen. Das Modeunternehmen belieferte die Spitäler Italiens mit 80 000 Schutzanzügen und 110 000 Atemschutzmasken. Damit ist es nicht allein: Auch Louis Vuitton gab bekannt, Hunderttausende Schutzmasken zu fertigen. Die Calzedonia-Gruppe produziert an drei Standorten anstatt Unterwäsche und Strümpfe 10 000 Masken pro Tag, Mey stellt anstatt Lingerie ebenfalls Masken für Spitäler her – waschbar bis 90 Grad und somit wiederverwendbar –, und bei Wolford waren die begehrten Produkte vorübergehend ausverkauft. Auch H&M, dessen Umsatz im März im Vergleich zum Vorjahresmonat wegen Corona um fast die Hälfte einbrach, will Schutzkleidung für das Gesundheitswesen produzieren. Und die Armani-Gruppe stellte alle italienischen Produktionsstätten auf die Herstellung von medizinischen Einweganzügen um. Ausserdem unterstützte Giorgio Armani die italienischen Spitäler mit einer Spende in Millionenhöhe. Auch Michael Kors spendet: Für Spitäler und gemeinnützige Organisationen in Amerika – und für den CFDA/Vogue Fashion Fund zur Unterstützung kleiner Unternehmen in der Modebranche.

Bernard Arnault, Vorsitzender des französischen Luxuskonglomerats LVMH, wies seine Parfum- und Kosmetikunternehmen – Christian Dior, Guerlain und Givenchy – derweil an, ihre Produktionsstätten auf die Herstellung von hydroalkoholischem Gel umzustellen. Anstatt Parfum-Flacons laufen dort nun also Desinfektionsmittel vom Band. Es soll den französischen Behörden kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Estée Lauder tut dasselbe in New York: Das Unternehmen hat sein Werk im amerikanischen Melville wiedereröffnet, um 10 000 Flaschen Handdesinfektionsmittel pro Woche für den Bundesstaat zu produzieren. Die Liste liesse sich ewig weiterführen.

Eine weniger existenzielle, aber ebenso aufmerksame Aktion zum Schluss: Der Sockenhersteller Jimmy Lion spendet seine Socken an Spitalpersonal. Die bunten Strümpfe sollen ein wenig Aufmunterung in den belastenden Alltag der Ärztinnen, Ärzte und des Pflegepersonals bringen. Ob nun Schutz oder schöne Geste: Lobenswert sind die Bestrebungen der Mode- und Beauty-Industrie im Kampf gegen das Coronavirus allemal.

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