Schweizer Athletinnen

Backstage: Schweizer Athletinnen präsentieren sportliche und feminine Mode

Text: Barbara Loop; Fotos: Goran Basic

 Turnerin Giulia Steingruber: Das T-Shirt wird zurechtgezupft und die Haare in Position gebracht
Das Bronze- Girl zeigt auch in der Disziplin Modeln eine perfekte Performance
 Turnerin Giulia Steingruber schlägt die Brücke in gelben Hotpants und mörderischen Highheels
Kick it like Manuela: Taekwondokämpferin Manuela Bezzola
Manuela Bezzolas Outfit für das Fotoshooting
Die Teakwondokämpferin lässt sich von der Niederlage bei der Olympiaqualifikation die Freude nicht nehmen
Uuund … Action! Die Beachvolleyballerinnen Nina Betschart und Nicole Eiholzer (l.)
Hat ein Faible für Mode: Tennisspielerin Stefanie Vögele
Stefanie Vögele offenbart ihr Talent als Model vor der Kamera
Fechterin Anina Hochstrasser wird geschminkt
Das Shooting ist für alle ein grosser Spass
Für annabelle ohne Zöpfchen: Siebenkämpferin Linda Züblin posiert vor der Berner Felsenau-Brauerei
Die Turnerinnen sehen beim Shooting aus wie britische Vorstadtmädchen
«Darf ich?» Carole Rohatsch und ihre Kolleginnen vom Nationalteam der Rhythmischen Sportgymnastik sind fasziniert vom Koffer mit den Schuhen
Die Athletinnen sind begeistert von der grossen Schuhauswahl
Die kleinen Badegäste im Berner Hallenbad Hirschengraben kicherten über die Showeinlage der Synchronschwimmerinnen Romina Lauper und Sara Nyffeler (l.)
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Turnerin Giulia Steingruber: Das T-Shirt wird zurechtgezupft und die Haare in Position gebracht

Das Bronze- Girl zeigt auch in der Disziplin Modeln eine perfekte Performance

Turnerin Giulia Steingruber schlägt die Brücke in gelben Hotpants und mörderischen Highheels

Kick it like Manuela: Taekwondokämpferin Manuela Bezzola

Manuela Bezzolas Outfit für das Fotoshooting

Die Teakwondokämpferin lässt sich von der Niederlage bei der Olympiaqualifikation die Freude nicht nehmen

Uuund … Action! Die Beachvolleyballerinnen Nina Betschart und Nicole Eiholzer (l.)

Hat ein Faible für Mode: Tennisspielerin Stefanie Vögele

Stefanie Vögele offenbart ihr Talent als Model vor der Kamera

Fechterin Anina Hochstrasser wird geschminkt

Das Shooting ist für alle ein grosser Spass

Für annabelle ohne Zöpfchen: Siebenkämpferin Linda Züblin posiert vor der Berner Felsenau-Brauerei

Die Turnerinnen sehen beim Shooting aus wie britische Vorstadtmädchen

«Darf ich?» Carole Rohatsch und ihre Kolleginnen vom Nationalteam der Rhythmischen Sportgymnastik sind fasziniert vom Koffer mit den Schuhen

Die Athletinnen sind begeistert von der grossen Schuhauswahl

Die kleinen Badegäste im Berner Hallenbad Hirschengraben kicherten über die Showeinlage der Synchronschwimmerinnen Romina Lauper und Sara Nyffeler (l.)

«Das ist der Traum jeder Frau»: Gemeint war für einmal nicht Olympia, sondern das Modeshooting von annabelle. Schweizer Athletinnen haben dafür Turnschuhe mit Higheels  getauscht – und verborgenes Talent offenbart.

Wir erreichen den Schweizer Olymp locker mithilfe der Standseilbahn. Andere, die es bis hier hinaufgeschafft haben, kostete der Aufstieg Blut, Schweiss und Tränen. In Magglingen, auf dem Hügel hoch über Biel, trainieren die Auserwählten. Die Leistungsträger der Nation. Doch von ihnen fehlt an diesem frühen Montagmorgen jede Spur. Dichter Nebel liegt auf den Tartanbahnen. Statt Läuferinnen flitzen Mäuse über die Waldwege. Mystisch wirkt der Ort, gespenstig die Ruhe. Fast bedrohlich hängt in einer Baumkrone vor dem Kampfsportpavillon ein an den Schnürsenkeln zusammengeknotetes Paar Turnschuhe; als markierte es fremdes Territorium.

Die Kampferprobte grüsst freundlich. Manuela Bezzola zückt den Badge, öffnet die Tür, schlüpft aus den Schuhen und stellt sich auf die Matte, auf der sie fast täglich trainiert – oder «trainieren darf», wie die Taekwondokämpferin sagt. So viel Wohlbehagen überrascht angesichts der Niederlage, die Bezzola eben erst ein- und wegzustecken hatte. Manuela Bezzola wird nicht nach London fahren, weil sie den für die Olympiaqualifikation entscheidenden Kampf verloren hat. Die Niederlage gegen die Zypriotin Despina Pilavaki sei wie ein «Brätsch» gewesen, ein Schlag ins Gesicht. Vor vier Jahren in Peking war sie die erste und einzige Schweizerin, die je im Taekwondo bei Olympischen Spielen antreten durfte. Olympia bleibt ihr grösster Traum. Aber das Leben geht weiter. «Mein Leben ist super», sagt die Frau, die ihr Hobby zum Beruf machen konnte.
 

80 Millionen Franken pro Jahr werden investiert

Wer von Magglingen spricht, meint selten das beschauliche Dorf. Magglingen ist Sportzentrum. Brutstätte von Nationalheiligen. Die Quelle, aus der wir Melodie und Wortlaut unserer Landeshymne schöpfen, wenn wieder einmal eine von uns zuoberst auf dem Podest steht. Magglingen ist der Kitt, der unsere Föderation zusammenhält. Rund 80 Millionen Franken investiert der Bund jedes Jahr in das Sport- und Kurszentrum. Den Spitzensportlerinnen aus 35 Verbänden stehen sechs Trainingshallen, 12 500 Meter Langlaufloipe, 1000 Meter Finnenbahn, ein Schwimmbad und ein medizinisches Zentrum zur Verfügung.

Viermal so viele Menschen wie in Biel wohnen besuchen das Zentrum jedes Jahr. In Magglingen wird Isostar gebechert wie andernorts Wasser. Hier oben verbrennen die Athletinnen jedes Jahr Berge von Pasta, 123 Badewannen voll Milch und 260 Schweine. Kurzum, Magglingen ist kein gewöhnlicher Ort. Und die Frauen, die hier trainieren, führen kein normales Leben: Bei ihnen klingelt nicht nur der Pöstler, sondern gelegentlich auch die Dopingkontrolle an der Tür. Sie ziehen früh von zuhause weg und werden schnell erwachsen. Sie träumen nicht nur, sondern müssen glauben, dass diese Träume auch in Erfüllung gehen. Sie wissen, wie es sich anfühlt zu gewinnen. Aber sie lernen auch, wie es ist zu verlieren – und wie es danach wieder aufwärtsgeht. Oder zumindest irgendwie weiter. Sie sind «Stehaufweibchen», wie sich die Siebenkämpferin Linda Züblin mit Blick zurück auf eine lange, verletzungsbedingte Trainingspause selbst bezeichnet.

Nur einen Katzensprung vom Kampfsportpavillon entfernt trainiert die derzeit beste Schweizer Kunstturnerin. Wenn Giulia Steingruber anläuft, abspringt und sich mit beiden Händen vom «Pferderücken» in die Höhe katapultiert, kann sie in einem gestreckten Salto durch die Luft wirbeln und sich dabei noch eineinhalbmal um die eigene Achse drehen. Damit erkämpfte sie sich ihren Platz in der Weltspitze. Mitte Mai gewann sie an den Europameisterschaften in Brüssel die Bronzemedaille.

«Grüezi», sagt Giulia Steingruber schüchtern, aber freundlich und lässt uns damit etwas alt aussehen – oder sich sehr jung wirken. Steingruber wurde eben 18 Jahre alt. Ihr Lieblingsessen ist Pizza, ihr Lieblingsgetränk Cola; steht so auf ihrer Homepage. Als sie im November 2011 den Swiss Sports Award für die Newcomerin des Jahres erhielt, sagte sie «Wow» und dankte leise ihrem Umfeld. «Wow» sagt Giulia Steingruber auch, wenn sie an die Eröffnungszeremonie in London denkt. Ob sie keine Angst habe, dass sie dem Druck an den Olympischen Spielen nicht standhalten könnte? «Nein», sagt sie. Ihre grösste Sorge? Nach einer langen Pause meint sie: «Dass ich etwas anderes machen muss als das, was ich am liebsten tue: turnen.»

Irgendwo springt immer auch die Angst vor einer Verletzung und dem vorzeitigen Ende ihrer Karriere mit. Dieses kommt ohnehin früh genug. Das Rentenalter einer Kunstturnerin liegt bei etwa 24, zu gross ist die Belastung für die Gelenke. Ohne Schmerzen könne man auf diesem Niveau nicht turnen, sagt Steingruber. «Etwas tut mir immer weh, im Moment sind es die Füsse.» Mit sieben Jahren begann sie zu turnen, mit dreizehn zog sie zu einer Gastfamilie nach Biel. Die persönliche Schmerzgrenze auszuloten und immer aufs Neue auszudehnen, das hat Steingruber von klein auf gelernt. Und von klein auf hat sie für die Zeit nach der Turnkarriere einen Berufswunsch: medizinische Praxisassistentin. 

«Pass auf deine Füsse auf», ruft Renate Ried. Die Medienchefin des Schweizerischen Turnverbandes weicht während des Modeshootings nicht von Steingrubers Seite. Der Fotograf steht auf einem Schwedenkasten, vor ihm schlägt die fünffache Schweizer Meisterin die Brücke: in einem gelben T-Shirt, gelben Hotpants und mörderischen Highheels. Ried wirft die Hände vors  Gesicht, Steingruber versichert, ihre Füsse hielten das aus.

In Magglingen ist der Weg vom Olymp zum Ende der Welt nicht weit. End der Welt, so heisst die Turnhalle, in der das Nationalteam der Rhythmischen Sportgymnastik monatelang alles gegeben hat für sein Ziel: Olympische Spiele 2012 in London. Hier treffen wir Carol Rohatsch, Nathanya Köhn, Lisa Tacchelli und Stephanie Kälin, jede Einzelne gehört zu den Besten ihres Fachs weltweit. Carol Rohatsch kreischt, als sie den Koffer voller Schuhe entdeckt. «Darf ich?», fragt sie höflich, zupft das Paar mit den höchsten Absätzen heraus, schlüpft hinein – und balanciert einwandfrei. Sie ist es sich gewohnt, auf den Fussballen zu gehen, auch ohne stützenden Absatz.


Der Traum von Olympia ist geplatzt

In ihren Kleidern und mit den toupierten Haaren sehen die vier Turnerinnen aus wie britische Vorstadtmädchen auf dem Weg zum Beatles-Konzert. Der Fotograf lässt die vier Groupies am Telefon im Foyer der Halle posieren: Eine soll den Hörer halten, die anderen lauschen, kichern, neugierig tun. Und sie lauschen, kichern und tun so neugierig, als wäre Paul McCartney persönlich am anderen Ende der Leitung. «So ein Modeshooting ist doch der Traum jeder Frau», sagt Nathanya Köhn. Ein Traum, der in Erfüllung ging. Der grosse Traum von Olympia hingegen ist für das Nationalteam der Rhythmischen Sportgymnastik geplatzt. Vierzig Stunden pro Woche haben sie trainiert, dafür Schule und Studium auf Eis gelegt, Freunde und Familie vertröstet.

Mittlerweile sind drei der sieben Teammitglieder zurückgetreten. Zu gross war der Frust über das Scheitern bei der Qualifikation. Auch Rohatsch und Tacchelli werden ihre Karriere diesen  Sommer beenden. Teamcaptain Nathanya Köhn redet viel, auch mit Gott. Das tut sie vor den Wettkämpfen, das tut sie aber auch nach Niederlagen. Tausende Male fangen sie den Ball,  tauschen die Ringe, tanzen exakt und synchron. Aber im entscheidenden Moment rollt der Ball weg, fällt der Ring zu Boden oder tanzt eine Gymnastin aus der Reihe. Darüber könnte man  verzweifeln. Ungerecht, grausam, im besten Fall willkürlich sind solche Entscheidungen über Sieg und Niederlage. Sie wegzustecken, verlangt Sportgeist – oder eben Gottvertrauen. «Ich bin  mir sicher, dass Gott einen guten Grund dafür hatte», sagt Nathanya Köhn.

Wir verlassen Magglingen, um in Nyon, Bern, Einsiedeln und Zürich andere Sportlerinnen mit ihrer je eigenen Geschichte zu treffen, sie einzukleiden und zu fotografieren. Fechterin Anina Hochstrasser etwa, die gerade für die Matur lernt und in vier Jahren an die Olympischen Spiele in Rio fahren will,  «denn Rio ist doch wirklich schöner als London, oder?». Oder Nina Betschart und Nicole Eiholzer, die fliegenden Beachvolleyballerinnen, die schon als Kinder zusammen im Sand spielten – im  Sandkasten zuhause in Steinhausen. Oder die beste Schweizer Tennisspielerin, Stefanie Vögele, die Schüchterne, die ihr Talent als Model vor der Kamera offenbarte – und ihr Interesse für Mode.

Alle Athletinnen haben viel Spass gehabt und in der ihnen fremden Disziplin alles gegeben. «Ich arbeite gern mit real People zusammen», sagt der Fotograf auf der Autobahn irgendwo  zwischen Nyon und Bern. Normale Menschen? Hatten wir nicht 15 aussergewöhnliche Sporttalente getroffen, deren Leben alles andere als gewöhnlich ist? Doch Dan Cermak meint damit, dass er lieber mit Menschen zusammenarbeitet, die wenig Erfahrung vor der Kamera haben, als mit professionellen Models. «Weil dann eben auch mal etwas nicht so läuft wie geplant», sagt er. Es dann aber trotzdem irgendwie weitergeht. Weitergehen muss. Wie im Sport eben. Und wie im normalen Leben.
Olympische Sommerspiele: 27. Juli bis 12. August in London
 

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