Pelz

Echter Pelz oder nicht? Das umstrittene Modethema

Redaktion: Silvia Binggeli, Christina Duss, Daniella Gurtner, Martina Monti, Yolanda Pantli; Modeassistenz: Stephanie Zingg; Fotos: Imaxtree.com

Echter Pelz oder nicht? Das umstittene Modethema
Echter Pelz oder nicht? Das umstittene Modethema
Echter Pelz oder nicht? Das umstittene Modethema
Echter Pelz oder nicht? Das umstittene Modethema
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Gesehen auf den Strassen der Modemetropolen während der Fashion Weeks Herbst/Winter 2012/13

Die Chefberaterin der japanischen «Vogue», Anna Dello Russo

Die Bloggerin Hanneli Mustaparta

Model Cara Delevingne

Haariges Revival: Frau trägt wieder Pelz. Wie ist das möglich – nach Jahren der Tabuisierung?

Dieses Jahr wurde in auffallend vielen Herbst/Winter-Kollektionen Pelz verarbeitet: etwa bei Dolce & Gabbana, Louis Vuitton, Tom Ford oder Yves Saint Laurent.

Einige dieser Kollektionen sah auch Trendsetterin Kate Moss aus der Frontrow. Sie wurde in letzter Zeit oft (wieder!) in Pelz fotografiert – auch wenn Stella McCartney, die vehementeste Vegetarierin unter den Designern, zu ihren besten Freundinnen zählt.

Das Pelzlabel J. Mendel schaltet diesen Herbst erstmals seit fünf Jahren wieder Anzeigen in Modemagazinen.

«Eine Frau ist nur dann glücklich, wenn sie warm hat»

Den Pelzboom bestätigt auch Anja Essellier, Geschäftsführerin des Zürcher Pelzfachgeschäfts A. C. Bang. Im Interview mit annabelle erzählt sie, dass sich die Pelzmodelle der neuen, jungen und modeinteressierten Kundschaft angepasst haben: «Die Kreationen sind heute leichter und innovativer geschnitten.» Warum sich Pelz so gut verkauft? «Eine Frau ist nur dann glücklich, wenn sie warm hat», sagt Anja Essellier über das sinnliche Material.

Die Verkaufszahlen sind sehr gestiegen

Seit den Neunzigern, den aggressiven Anti-Pelz-Jahren, hat sich die Haltung gegenüber Pelz verändert: In den letzten zehn Jahren stiegen die Verkaufszahlen um 70 Prozent auf über 15 Milliarden Dollar.

Auch in der Schweiz (wo es seit dreissig Jahren keine Pelztierzucht mehr gibt) boomt die Branche. Der Schweizerische Pelzfachverband etwa präsentiert gerade die Pelzkollektion «Swiss Red Fox – Mode aus Schweizer Rotfuchs»: aus Fellen von den rund 30 000 – im Zuge der Bestandesregulierung – geschossenen Schweizer Rotfüchsen.

Das Ziel von Swiss Fur, in dieser Kollektion ausschliesslich Schweizer Felle zu verarbeiten, wird von den Tierschutzorganisationen gutgeheissen.

Wenn Rotfuchs, dann Swiss Red Fox

Ihre Bedenken sind andere: Zu den einheimischen Tierfellen kämen in der allgemeinen Schweizer Pelzverarbeitung in der Regel immer auch Importe von Pelztierfarmen aus dem Ausland dazu. «Und eine artgerechte Haltung von Füchsen zur Pelzproduktion ist aus Rentabilitätsgründen gar nicht möglich», sagt Andreas Rüttimann von der Stiftung für das Tier im Recht (hier gehts zum Interview: Das Märchen vom guten Pelz).

Thomas Aus der Au von Swiss Fur relativiert: Auf hundert einheimische Rotfüchse kämen in seinem Kürschnerbetrieb nur zwei ausländische Blaufüchse, die aus OA-(Origin Assured)-zertifizierten Farmen stammten. Das Gütesiegel Origin Assured steht laut Swiss Fur für eine gesicherte Herkunft aus dem deklarierten Land unter Einhaltung der dortigen Tierschutzbestimmungen.

Diese werden von den zuständigen staatlichen Veterinärbehörden regelmässig überprüft, Verstösse werden geahndet. Bei den Blaufüchsen seien das der Herkunft entsprechend die finnischen Behörden. Ausserdem unterstützten dänische, finnische und norwegische Universitäten mit ihrer Forschung im Bereich der Pelztierhaltung die Farmer.

«Wir fordern aber eine Instanz, die sich an Schweizer Tierschutzstandards orientiert», sagt Andreas Rüttimann. Solange diese unabhängige Kontrolle nicht gewährleistet sei, ist Pelztragen – ohne Ausnahme – nicht vertretbar, lassen die Organisationen gegenüber annabelle verlauten.

Zurück auf die internationalen Laufstege


Maison Martin Margiela, Marc Jacobs, Emilio Pucci und Céline (v.l.n.r)

Selbst jene Marken, die bei hippen Vegetarierinnen sehr beliebt sind, etwa das Pariser Modehaus Céline oder das New Yorker Label Theyskens’ Theory, setzen auf Pelz.

Ihre Kreationen haben aber nicht mehr viel zu tun mit jenen schweren, bodenlangen Modellen, die in alpinen Luxushotels ausgeführt werden. Leichter sind sie, die neuen Entwürfe – und nun auch für die Käuferinnen in den boomenden asiatischen Regionen oder Ländern wie der Türkei oder Brasilien gedacht.

Pelz kommt in überraschenderen Designs daher, ist bunter – und in der jungen Szene plötzlich wieder cool. Grund genug, mit unserem Dossier genauer hinzuschauen.

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