Reise durch die Schweiz

1. Etappe: von Stein am Rhein nach Schaffhausen

Text: Barbara Achermann; Fotos: Martin Mischkulnig

Strandgut: In Diessenhofen liegt das Glück am Wasserweg
Eine Gummiboot-Tour macht hungrig.
Da trifft es sich gut, dass das Gasthaus Schupfen am Rhein liegt.
Das Wasser zieht vorbei an alten, schönen Fassaden.
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Strandgut: In Diessenhofen liegt das Glück am Wasserweg

Eine Gummiboot-Tour macht hungrig.

Da trifft es sich gut, dass das Gasthaus Schupfen am Rhein liegt.

Das Wasser zieht vorbei an alten, schönen Fassaden.
Im Gummiboot von Stein am Rhein nach Schaffhausen: Für den Rhythmus sorgt der Paddelschlag, für die Melodie eine leise Melancholie.

Der Rhein fliesst zögernd. Als habe er endlich seine grosse Liebe gefunden und wolle den Abschied hinauszögern. Er macht sich breit, legt sich unter die Trauerweiden und spielt mit dem Totholz. Mein Mann lässt das Ruder baumeln, ich lege den Kopf auf den Rand des Gummiboots. Ich hatte fast vergessen, wie schön diese Landschaft ist. Die Wasseroberfläche spiegelt Blau und Wolken. Zwischen Himmel und Himmel lassen wir uns treiben. Das mittelalterliche Städtchen Stein am Rhein verschwindet hinter der Flussbiegung. Das Ufer zu beiden Seiten, eine Wand aus Wald. Eschen, mehr Eschen, Hagebuchen, Ahorn, Fichten, Föhren und ein paar Pappeln.

Vom weissen Kursschiff winken Frauen, wir winken zurück. Und ruhig fliesst der Rhein. Der Galgenwinkel ist ein lieblicher Badeplatz. Wo früher Leute gehängt wurden, schmust heute ein junges Pärchen. Wasserwirbelwalzen, sagt mein Mann, lacht und rudert kräftig. Das Boot schaukelt vorbei an der Kleinen Loreley. Gefährlich sind nur die Felsen weiter flussabwärts, die man nicht sieht. Sie heissen Salzfresser, Wucherstein, Mörder. «Ich weiss nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin»: Die Loreley-Verse von Heine, die gehen uns nicht aus dem Kopf.

Rechts liegt Deutschland, links die Schweiz. Wir suchen Unterschiede zwischen den beiden Ländern und finden keine. Die Bäume sind auf beiden Seiten Bäume, die alten Häuser schön. Wir wollen sie alle bewohnen. Ausser den Munot. Die unterkühlte Festung ist unser Ziel. Mein Mann schwingt dramatisch das Plastikruder und rezitiert: «Ich glaube am Ende verschlingen / die Wellen noch Schiffer und Kahn.» Diesmal nimmt die Reise einen glücklichen Ausgang. Es müssen drei oder vier Stunden vergangen sein, als wir in Schaffhausen anlegen.
 

Tipp

Gasthaus Schupfen
Diessenhofen, Tel. 052 657 10 42.
Prächtiges Riegelhaus mit Garten am Rhein. Mehrgängige Gourmetmenüs und einfache Gerichte wie Salate, Pasta oder Felchenfilets

Heimatland!

Eine Reise in acht Etappen durch die Schweiz.

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