Reise durch die Schweiz

8. Etappe: von La Chaux-des-Breuleux nach Saignelégier

Text: Helene Aecherli; Fotos: Martin Mischkulnig

8. Etappe: von La Chaux-des-Breuleux nach Saignelégier
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Hoch zu Ross von La Chaux-des-Breuleux nach Saignelégier: Das Glücksgefühl von Freiheit wächst, je schneller die Hufe der Freiberger Pferde hämmern.

We ein gelbgrün schimmernder Teppich breitet sich die Wattweide vor uns aus, umgeben von dichten Tannen, die leise im Wind rauschen. Die Luft riecht würzig, und hinten, am Horizont, laben sich Kühe und Pferde am dichten Gras, Seite an Seite, in kameradschaftlicher Koexistenz. Ziemlich kitschig diese Worte, denke ich, während Paprika, meine Freiberger Stute, unruhig mit den Hufen scharrt. Wären sie ein Gemälde, würde ich es wohl naserümpfend zurückstellen. Doch so sieht die Welt bei La Chaux-des-Breuleux nun mal aus, einem winzigen Dorf zwischen Tramelan und Saignelégier im Kanton Jura, so winzig, dass der Zug nur anhält, wenn man rechtzeitig auf den Stoppknopf drückt.

Ein paar Häuser, einige weiss getünchte Farmen, eine Beiz, die Würste anbietet und Käsespezialitäten, sonst gibt es hier nicht viel, nur Weiden, Pferdeherden und eben die Tannenwälder, die so unglaublich an Kanada erinnern. Warum bin ich früher nie hierhergekommen, in den Wilden Westen der Schweiz? In das Gebiet der eigenwilligen Jurassier? Vielleicht, weil ich es als zu weit empfand, als zu abgelegen, obwohl es bloss gut zwei Stunden von Zürich entfernt ist, dreimal umsteigen inklusive.

Ich setze mich im Westernsattel zurecht, schiebe die Füsse in den schweren Steigbügeln nach vorn. Dann preschen wir los, in einem für mich atemberaubenden Tempo, die Hufe hämmern, mein Pferd wird immer schneller, die Mähne flattert. «Paprika ist besonders scharf heute», ruft mir der Chef der Gruppe zu. Das Tier ist fit, ich wünschte, ich wäre es auch. Nach ein paar Stunden machen wir Rast, sitzen ab in einer Waldlichtung, federnd antwortet der moosige Boden auf unsere Schritte. Es gibt Raclette, über dem Feuer vom Käselaib geschabt, Kartoffeln und Weisswein. Die Kartoffeln werden von den Kerlen verschmäht, die machen dumm – und treu, sagen sie und lachen kehlig, während die Pferde vor sich hindösen und die Sonnenstrahlen mit den Tannen spielen. Bienvenue au Jura.
 

Informationen

Mehrstündige Ritte, Tagestouren und mehrtägige Trekkings für geübte Reiter: www.ecuriedoublec.ch
Fahren im Planwagen: Tagesausflüge und mehrtägige Trips: www.fm-d.ch
Verzeichnis der Reitwege in den Freibergen und Umgebung: www.aref.ch
Allgemeine Informationen: www.juratourisme.ch

Heimatland!

Eine Reise in acht Etappen durch die Schweiz.

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