Heft 14/15

Boomtown: Das Wunder von Singapur

Text: Stefanie Rigutto; Fotos: Darren Soh

Boomtown: Das Wunder von Singapur
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Der Bishan Park: Obwohl über 10'000 Menschen auf einem Quadratkilometer leben, ist Singapur erstaunlich grün

Jahrestreffen des Singapore Porsche Club im Fullerton Hotel. Unten: Little India, das lebendigste Quartier der Metropole

Demokratie wird in Singapur nicht ganz so demokratisch definiert wie bei uns

Sabine Silberstein

«Singapur ist geführt wie eine grosse Firma»

Kweelin Gan & Urs Gerber

«Den Ehrgeiz der Singapurer können Schweizer nicht verstehen»

Emilija Georgieva

«Das Thema Work-Life-Balance existiert nicht»

Gillian Koh

«Die Frage ist: Wie können wir Dichte in etwas Positives umwandeln?»

Happy Birthday! Ein Streifzug durch den 50-jährigen, einst mausarmen Stadtstaat, der sein Schweizer Vorbild in vielem eingeholt und überholt hat.

Die Strassen sind eng und kurvig, in den Hauseingängen stehen Velos, in den Kronen der knorrigen Bäume zwitschern Vögel. Ein Plakat lädt zum «Multiracial gathering – Multirassenversammlung» ein (seltsam, wie man in Singapur mit dem Begriff Rasse umgeht – aber dazu später mehr). Hier, im Quartier Tiong Bahru, wurden in den Dreissigerjahren die ersten staatlichen Wohnbauten errichtet. «Veeery old», sagt ein Passant zu mir und zeigt auf die vierstöckigen Gebäude, die winzig wirken im Vergleich zu den Wolkenkratzern, die sich dahinter erheben. Über achtzig Jahre alt – das ist für Singapur fast schon prähistorisch. Jedenfalls alt genug, dass man einen Heritage Trail, einen Geschichtsspaziergang, entwickelt hat. 

Das tönt lächerlich aus Schweizer Sicht, für Singapur ist es revolutionär. Es ist ein Wunder, dass überhaupt so alte Gebäude existieren – das meiste musste Hochhäusern weichen. Nicht nur, weil man Platz brauchte für die 5.4 Millionen Menschen, die sich auf einer Fläche so gross wie der Kanton Glarus zusammenpferchen. Nein, die Häuser von früher interessierten schlicht keinen: Singapur dachte jahrzehntelang nur vorwärts. In der Schule gab es nicht einmal das Fach Geschichte. Dafür wurde Nation Building unterrichtet: Man klärte die Kinder über Singapurs verschiedene Ethnien auf, Chinesen, Malaien, Inder und Westler – das schien dem Staat wichtiger für ein harmonisches Zusammenleben als das Auswendiglernen von Jahreszahlen.

Doch jetzt, am 9. August, feiert Singapur sein 50-jähriges Bestehen. Und plötzlich ist Geschichte sexy! Plötzlich besinnt man sich auf die Vergangenheit. Fragt man Leute auf der Strasse, was sie vom Jubiläum halten, sagen alle, sie seien proud. Und ich? Bin ich stolz auf die jahrhundertealte Vergangenheit der Schweiz? Nicht die Bohne. Zu selbstverständlich ist sie mir. Notiz für mich: Geschichte ist eben nicht nur der Blick in die Vergangenheit, sondern auch das, was eine Gesellschaft daraus macht. Ich spaziere über die Orchard Road, die wichtigste Einkaufsstrasse der Stadt. Sie ist gesäumt von gesichtslosen Shoppingmalls und – blitzsauber. Da liegt nichts am Boden. Kein Papierschnitzel, kein Stück Gurke, das aus einem Sandwich gefallen ist. In keiner Unterführung stinkt es nach Urin. Es ist unheimlich. Ich glaube, so fühlen sich die indischen Touristen an der Bahnhofstrasse in Zürich. Auf Schritt und Tritt werde ich belehrt, etwa mit Plakaten, die mir sagen, ich solle doch ungesüsste Getränke zu mir nehmen, das sei gesünder. Beim Fussgängerstreifen erklärt mir eine Tafel: «Blinkt es grün, bleiben Sie besser stehen.» Das interessiert zum Glück niemanden: Es gibt durchaus ein gesundes Mass an zivilem Ungehorsam in Singapur.

Höheres Wohlstandsniveau als die Schweiz

Ein orangefarbener Maserati dröhnt vorbei. Wenig später folgt ein Ferrari. Farbe: giftgrün. Singapur hat sich in wenigen Jahrzehnten vom Entwicklungsland zu einem der reichsten Orte der Welt gemausert. Das Land weist ein höheres Wohlstandsniveau als die Schweiz auf. Voller Freude schreiben die Zeitungen, dass Singapur die teuerste Stadt der Welt sei. Da denkt man nicht: Scheisse, bei uns ist alles viel zu teuer. Sondern: Wow, was wir uns alles leisten können! Jeder Superlativ ist ein Kompliment (was nicht heisst, dass man zum Einkaufen nicht ins günstigere Malaysia fährt …).

Im Raffles Hotel, einem der prächtigsten verbliebenen Bauten aus der britischen Kolonialzeit, treffe ich Sabine Silberstein. Sie wohnt seit Mitte der Neunziger in Singapur, sitzt im Vorstand des Auslandschweizerrats und führt Kunstinteressierte durch die Museen der Stadt. Sie sagt: «So etwas wie das Drama um den Bau des Zürcher Fussballstadions – das ist hier undenkbar.» Vor ein paar Jahren beschloss die Regierung, man brauche ein neues Stadion. Wenig später war es gebaut. «Es herrscht eine unglaubliche Dynamik.» Schattenwurf? Darüber kann man hier nur lachen. «Singapur ist geführt wie eine grosse Firma», sagt Sabine Silberstein. Das geht, weil man in Singapur Demokratie nicht ganz so demokratisch definiert wie bei uns. Konsens ist nicht sonderlich von Bedeutung in einem Einparteiensystem. Kritiker bezeichnen Singapur als Demokratur: eine als Demokratie getarnte Diktatur. Die Bürger dürfen zwar wählen, aber seit fünfzig Jahren regiert dieselbe Elite. Der amtierende Premierminister ist der Sohn des Gründungsvaters Lee Kuan Yew, der Ende März 91-jährig starb.

In der Metro. Alle dösen oder tippen auf dem Handy herum. Ich trinke meinen Starbucks-Cappuccino. Bis ich das Schild bemerke: 350 Franken Busse, wer in der Metro trinkt oder isst. Hilfe! Die Gesetzgebung ist – nun ja – sehr rigide. Homosexualität ist illegal, und wer mit 15 Gramm Heroin erwischt wird, dem droht die Todesstrafe. Ein Schweizer Graffiti-Sprayer, der Bahnwaggons verunstaltet hatte, wurde vor ein paar Jahren zu fünf Monaten Haft und drei Stockschlägen verurteilt. So modern Singapur daherkommt, so unglaublich archaisch kann es doch sein.

Ich bin auf meinem Streifzug beim «Marina Bay Sands» angelangt, diesem Riesenhotel mit dem Pool in Form eines Schiffs auf dem Dach. XXL-Projekte sind in Singapur die Normalität (in der Schweiz würde man von Grössenwahn sprechen). Singapur hat seit seiner Gründung kapiert, dass ein Land mit so wenig Platz einen Masterplan braucht. Derzeit baut man neben dem «Marina Bay Sands» ein ganz neues Quartier: Marina South. Dort müssen dereinst zwei (!) Millionen Menschen unterkommen. Die Regierung rechnet damit, dass die Dichte in Singapur bis 2030 um 3000 Leute pro Quadratkilometer zunimmt: auf 13 700 Leute. Zum Vergleich: Die Dichte im Schweizer Mittelland beträgt 426 Personen pro Quadratkilometer.

«Dichte», sagt Gillian Koh, «ist etwas, womit wir in so einem kleinen Land unweigerlich leben müssen. Aber die Frage ist doch: Wie können wir Dichte in etwas Positives umwandeln?» Gillian Koh ist Forscherin am Institute of Policy Studies. Ich treffe sie in ihrem eiskalten Büro in der Rechtsuniversität mitten im Botanischen Garten. Sie offeriert Tee. Gillian Koh sagt: «Die besten Partys sind immer diejenigen, an denen alle eng aufeinandersitzen.» Dichte müsse nicht zwingend bedeuten, dass man Abstriche machen muss – man könne auch etwas gewinnen. «Die Satellitenstädte innerhalb Singapurs haben Pool, Tenniscenter, Schule, Ärzte.» Kein Einfamilienhaus könne das bieten.

Das ist wohl wahr – doch vom Einfamilienhaus träumt in Singapur eh keiner. Oder anders gesagt: Falls man davon träumt, wird es immer ein Traum bleiben – zu teuer ist der knappe Platz. Man hat sich damit abgefunden, dass es viele Menschen auf der Welt gibt, dass es enger wird. Was nicht heisst, dass in Singapur nicht über die Zuwanderung gemotzt wird: Die Metro sei zu voll, die Strassen zu verstopft. Die Ankündigung der Regierung, in den nächsten Jahren zwei Millionen Arbeitskräfte kommen zu lassen, um das Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten, sorgte für einen Aufschrei. Was wiederum die Regierung beunruhigte: Sie will zufriedene Bürger; Aufstände wie in Hongkong fürchtet man. Und so hat man von einem Tag auf den anderen die Arbeitsbewilligungen limitiert. Allerdings gibt es jetzt ein neues Problem: Der Service in den Restaurants ist schlechter geworden, weil nun statt fleissiger Filipinos gelangweilte Studenten angestellt sind. Und in einigen Hotels werden die Zimmer nicht mehr geputzt, weil man die Putzfrauen in ihre Heimat zurückschicken musste.

Grünes Singapur

Obwohl voller Wolkenkratzer, ist Singapur erstaunlich grün. Bäume säumen die Strassen, riesige Pärke durchziehen die Stadt. Wer verdichtet lebt, hat eben mehr Platz für Grünflächen. Klar, alles ist künstlich angelegt – so what? Grün ist grün. Notiz für mich: Nur weil etwas auf dem Reissbrett geplant wurde und nicht über Jahrhunderte gewachsen ist, muss es nicht zwingend schlecht sein. Während wir in der Schweiz darüber diskutieren, wie wir die wenigen unverbauten Flächen schützen wollen, ringt Singapur dem Meer Platz ab, um grüner zu werden. Die Gardens by the Bay – ein 54 Hektar grosser botanischer Garten – wurden auf aufgeschüttetem Land gebaut.

«Es ist eindrücklich, was Singapur mit smarten strategischen Entscheiden alles erreicht hat», sagt Emilija Georgieva. Sie ist stellvertretende Botschafterin der Schweiz. Ich treffe sie im Swiss Club, dem grössten privaten Landbesitzer in Singapur. Auf der Wiese stehen Plastikkühe, das Restaurant verkauft Mövenpick-Glace. Emilija Georgieva sagt, es gebe nur deshalb so wenig Opposition gegen die herrschende Elite, weil die Regierung viele gute Entscheide getroffen und weltweite Trends frühzeitig erkannt hat. «Singapur hatte immer schon klare Visionen.» In den Siebzigern waren es die Erhöhung des Lebensstandards und die Beseitigung der Armut, heute steht die Alterung der Gesellschaft im Zentrum. «Man bündelt seine Kräfte auf wenige Themen – den Rest lässt man vorerst links liegen», sagt Emilija Georgieva. Also genau das Gegenteil unseres Giesskannenprinzips.

Singapur beschäftigt sich gern mit der Arbeit. «What’s your next career step?» ist eine Frage, die man oft hört. Über die Hälfte der Erwerbstätigen sind Frauen, Teilzeitjobs gibt es nicht. Zwar ist im Schnitt das Einkommen pro Kopf kaufkraftbereinigt höher als in der Schweiz, aber die grosse Mehrheit verdient nicht mehr als 3000 Singapur-Dollar, also etwa 2100 Franken. «Die Leute arbeiten sehr viel, die Präsenzzeit ist hoch», sagt Emilija Georgieva. «Und das Thema Work-Life-Balance existiert noch nicht einmal.» Trotzdem wirken die Leute auf der Orchard Road nicht gestresster als jene auf der Bahnhofstrasse in Zürich. Auch sie haben ein klares Ziel: Geld, Erfolg, Karriere.

Darauf wird man schon als Kind getrimmt. Jeder will, jeder muss der Beste sein. Kürzlich gab es eine Studie, bei der man Kinder auf der ganzen Welt fragte, was ihre grösste Angst ist. Die meisten antworteten: «Dass mein Mami oder mein Papi stirbt.» In Singapur sagten sie: «Dass ich bei einer Prüfung versage.» Das sorgte für Wirbel. Geändert hat sich – nichts. Die University Town zum Beispiel ist eine Ansammlung von Strebern. Die Cafés sind fast leer, die Studenten sitzen in der Bibliothek. Mein Gott, wenn ich da an meine Uni-Zeit zurückdenke!

«Den Ehrgeiz der Singapurer können wir Schweizer gar nicht verstehen», sagt Urs Gerber. Er ist vor vier Jahren nach Singapur gezogen. Ich treffe ihn und seine Frau Kweelin Gan – eine Singapurerin – im Finanzviertel, wo sie beide arbeiten. Urs Gerber sagt: «Für einen Schweizer Gymischüler ist es selbstverständlich, dass er an die Uni kann. In Singapur dagegen musst du dafür kämpfen.» Wie unterschiedlich harte Arbeit wahrgenommen wird, sieht das Paar an seinen Eltern. Urs Gerber sagt: «Meine Mutter macht sich Sorgen, dass wir zu viel arbeiten. Der Vater meiner Frau macht sich Sorgen, dass wir zu viele Ferientage beziehen.»

Familienplanung unterliegt staatlicher Kontrolle

Urs Gerber und Kweelin Gan nehmen mich mit ins arabische Viertel, wo wir Murtabak essen, gefülltes Fladenbrot. Aus einer Moschee erklingt der Ruf des Muezzins. Kweelin Gan erzählt, sie habe kürzlich im Fernsehen eine Werbung gesehen, die eine glückliche Familie zeigte. Wofür ist die Werbung?, fragte sich Kweelin Gan. Eine Versicherung? Eine Bank? Am Schluss kam der Slogan: «Babies – think about it.» Es war eine staatliche Werbung, um die niedrige Geburtenrate anzuheben. Vor zwanzig Jahren, erinnert sich Kweelin Gan, als man Grossfamilien verhindern wollte, tönte der Werbeslogan noch ganz anders: «Stop at two», hiess es damals. Bitte nicht mehr als zwei Kinder! Das ist Singapur: Auch die Familienplanung unterliegt der staatlichen Kontrolle.

Vom arabischen Viertel spaziere ich nach Little India. Hier wird mir klar: Was wir in der Schweiz unter Multikulti verstehen, kann Singapur nicht annähernd beschreiben. Der Anteil der Menschen, die nicht in Singapur geboren sind, beträgt 43 Prozent. In der Schweiz sind es 29 Prozent. Allerdings wird Integration ganz anders definiert als bei uns: Ziel ist nicht die Anpassung der Zugezogenen an die einheimischen Sitten, sondern das harmonische Nebeneinander. Damit sich keiner benachteiligt fühlt, sind alle Schilder in den vier Landessprachen angeschrieben – Chinesisch, Englisch, Malaiisch und Tamil. Und auch die staatlichen Wohnblöcke sind peinlich genau auf die vier Ethnien Singapurs aufgeteilt.

Little India ist vielleicht der einzige Ort der Stadt, wo aus den Läden romantische Schnulzen aufs Trottoir plätschern, wo Abfall herumliegt und es manchmal nach Käsefüssen stinkt. Das einzige Viertel, wo mir ein Mann frech hinterherzischt. Anders gesagt, Little India ist einer der wenigen Orte in diesem sonst eher sterilen Staat, die eine Seele haben. Notiz für mich: Vieles, aber nicht alles lässt sich auf dem Reissbrett planen. Manchmal ist in Singapur die Grenze zum Disneyland einfach zu dünn.

Was nicht heisst, dass uns der erfolgreiche Stadtstaat nicht inspirieren kann. Singapur ist bestens aufgestellt für die Zukunft, wahrscheinlich besser als die Schweiz, die sich viel zu gut darin gefällt, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen: So war es schon immer, so soll es auch bleiben. Singapur ist das Gegenteil davon. Singapur weiss genau, wo es hinwill, wo es in zwanzig Jahren stehen soll – wir wissen noch nicht einmal, wie wir nach der Masseneinwanderungsinitiative die Beziehungen zur EU gestalten wollen. Singapur freut sich auf die Zukunft – wir haben Angst vor ihr. Singapur will Neues schaffen – wir wollen möglichst den Status quo konservieren. Ich wünsche uns eine Scheibe dieser unbändigen Lust, sich für die Zukunft zu entscheiden – und voller Elan darauf los zu rennen.

BEST OF SWISS

«Singapur muss so werden wie die Schweiz», sagte Staatsgründer Lee Kuan Yew 1967 nach seinem Besuch in der Schweiz, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit des bitterarmen Staats. Damals beklagte Singapur eine hohe Arbeitslosigkeit, Slums, eine desolate Infrastruktur und schlecht ausgebildete Arbeitskräfte. Warum wurde die Schweiz zum Vorbild erklärt? Der Grund sind die vielen Ähnlichkeiten: Singapur ist wie die Schweiz eine Willensnation, das Land ist klein, der Platz begrenzt, man ist umgeben von mächtigen Ländern, und die Gesellschaft spricht verschiedene Sprachen.

So wurde die Swissair zum Vorbild für die Singapore Airlines, von der Schweizer Armee übernahm man die Idee der WKs, und das Bankgeheimnis wurde praktisch 1:1 kopiert. Aus Mangel an Rohstoffen konzentrierte sich Singapur auf einen grossen Dienstleistungssektor mit Fokus Finanzen. Mit einem attraktiven Steuersystem lockte man Konzerne ins Land, fünfzig Grossbanken haben heute ihren Asien-Hauptsitz in Singapur. Die Zuwanderung sah man als Chance: Mit ausländischen Arbeitskräften glich man den Mangel im Inland aus – genau wie die Schweiz. Auch in der Diplomatie kopierte man: Singapur übernimmt gern Vermittlerrollen und ist eines der wenigen Länder, das sowohl zu China als auch zu den USA enge Beziehungen pflegt. Bis heute guckt sich Singapur die guten Ideen von der Schweiz ab: So ist der Stadtstaat dabei, sich als Drehscheibe für den Rohstoffhandel zu etablieren.

Allerdings gibt es eine Menge Dinge, die Lee Kuan Yew nicht für kopierwürdig hielt. Zwar übernahm man die Idee der WKs, ansonsten aber unterscheidet sich die Bedeutung des Militärs massiv. Singapur hat sehr hohe Militärausgaben – 2013 war es ein Fünftel der Staatsausgaben (die Militärausgaben der Schweiz betragen 2.4 Prozent). Ein anderes Beispiel ist die Bürokratie: Es gibt nichts Einfacheres, als in Singapur eine Firma zu gründen. Das Land nimmt den Spitzenplatz im Doing-Business-Index der Weltbank ein, während die Schweiz 2014 auf Rang 29. zurück fiel. Und zum Schluss: Englisch. Bei der Staatsgründung entschied Lee Kuan Yew, dass in der Schule alle Englisch lernen müssen, damit sich die verschiedenen Ethnien verstehen.

— Der Think Tank Avenir Suisse veröffentlichte 2014 ein Spezialheft zu Singapur. Lesenswert! www.avenir-suisse.ch

Stadt der Zukunft

Der Stadtstaat Singapur, teils nach Schweizer Vorbild aufgebaut, feiert im August seinen 50. Geburtstag. Die Fotos zur Reportage stammen von Darren Soh. Vor 39 Jahren ist er in Singapur geboren und zusammen mit dem Land erwachsen geworden. «Der Fortschritt unserer Nation ist in jeder Hinsicht erstaunlich. Um unseren Weg zu einer nationalen Identität abzuschliessen, müssen wir uns aber auch mit unserer Vergangenheit und dem zu schnellen Wachstum der Stadt beschäftigen.»

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