Marokko

Dem König sei Dank - Frauen in Marokko

Text: Judith Wyder; Fotos: Flurina Rothenberger; Erstellt: 2. März 2010

Die Chefredaktorin des Wirtschaftsmagazins «Économie/Entreprises»: Nadia Lamlili
Eine Marokkanerin in der Tracht der wilden Fantasia-Reiterinnen
Filmstudentin an der École Supérieure des Arts Visuels in Marrakesch: Rim
Ärztin und Korankennerin: Asma Lamrabet
Lehrerin: Hakima Bajaja
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Die Chefredaktorin des Wirtschaftsmagazins «Économie/Entreprises»: Nadia Lamlili

Eine Marokkanerin in der Tracht der wilden Fantasia-Reiterinnen

Filmstudentin an der École Supérieure des Arts Visuels in Marrakesch: Rim

Ärztin und Korankennerin: Asma Lamrabet

Lehrerin: Hakima Bajaja

Marokkos Frauen haben vor sechs Jahren von ihrem König ein modernes Familienrecht erhalten. Seither können sie sich zum Beispiel scheiden lassen. Ein grosser Fortschritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Ein Weg, der allerdings noch lang ist.

Über dem belebten Vorplatz der Hassan-II.-Moschee hängt der salzige Geruch des Meeres. Es ist Samstag, ein milder Morgen in Casablanca. Das imposante Gotteshaus, 1993 fertig gebaut, thront auf den Klippen, die in den Atlantik hinausragen. Der Muezzin hat schon zweimal vom höchsten Minarett der Welt zum Gebet gerufen. Das Dach über dem Gebetssaal lässt sich innerhalb von fünf Minuten automatisch öffnen. Nachts zeigt ein Laserstrahl an, in welcher Richtung Mekka liegt. Über eine halbe Milliarde Dollar soll das phänomenale Bauwerk gekostet haben. Bezahlt hat die Rechnung grösstenteils das marokkanische Volk.

Zwischen den Bögen beim Eingang liefern sich zwei Buben ein Rennen. Ihre Beine stecken in gefälschten schwarzen Adidas-Hosen mit goldenen Streifen. Sie sind der neuste Hit auf den Basaren der Stadt. Liebespaare sitzen, einen Höflichkeitsabstand einhaltend, auf der Mauer und blicken auf die Wellenkämme. Ältere Frauen in weiten schwarzen Gewändern stehen palavernd im Kreis herum. In die Hassan-II.-Moschee kommen Casablancas Bewohner nicht nur, um zu Allah zu beten. Am Fuss des gewaltigen Gebäudes trifft man sich wie auf einem Dorfplatz. Die Hektik Casablancas ist kaum spürbar. Im Gegenteil, es ist seltsam friedlich hier.

Ein weitaus betriebsamerer Schauplatz der marokkanischen Wirtschaftsmetropole ist das Twin Center, die 115 Meter hohen Zwillingstürme am Boulevard Zerktouni. Weltoffen und westlich angehaucht zeigt sich die Stadt hier. Im angesagten Einkaufszentrum reiht sich eine Boutique an die andere. Die Pralinés bei Neuhaus kosten mehr als bei Sprüngli in Zürich. Shoppende Frauen sind in der Überzahl. Den sündigen Minijupe tragen sie mit der gleichen Nonchalance wie die ausladende Djellaba.

Ein paar Querstrassen vom Twin Center entfernt befindet sich die Redaktion des Wirtschaftsmagazins «Économie/Entreprises». Geleitet wird der angesehene Monatstitel von einer Frau: der 35-jährigen Nadia Lamlili. 2005 wurde sie als erste Marokkanerin mit dem afrikanischen CNN-Preis der frankofonen Presse ausgezeichnet. «Marokko», sagt Nadia Lamlili, «hat die Füsse in Europa und den Kopf in Afrika. Ich mag meine Heimat, aber nicht die Schizophrenie, mit der wir leben. Sie macht aus uns ein Volk, das sich total ver- biegen muss zwischen zwei Extremen, den konservativen gesellschaftlichen Sitten und der Moderne.»Im schicken Grossraumbüro wurden die alten marokkanischen Verhältnisse gründlich auf den Kopf gestellt. Durch die Gänge eilen ausnahmslos: Frauen. Geeignete Männer findet die Chefredaktorin zurzeit keine, auch wenn sie gern einige in ihrem Team möchte. Was die Gleichstellung betrifft, so hat sie eine gute und eine schlechte Nachricht: «Beruflich», sagt Nadia Lamlili, «hat die Frau ihren Platz gefunden. Der Anteil weiblicher Führungskräfte wächst. Zu diesem Wandel beigetragen hat auch das neue Familienrecht, die Moudwana. Die schlechte Nachricht lautet: Die Gleichberechtigung kommt trotz allem nur im Gänseschritt voran.»

Rückblende: Als Mohammed VI. 1999 den Thron bestieg, versprach er seinen Untertanen radikale Reformen. Der Monarch hielt Wort. Als Erstes löste er den Harem auf, in dem nicht nur seine Mutter, sondern auch noch zwanzig ältere Konkubinen seines Grossvaters verwahrt waren. «Wie kann eine Gesellschaft auf Fortschritt und Wohlstand hoffen», fragte Seine Majestät am 10. Oktober 2003 bei seiner freitäglichen Thronrede, «wenn die Hälfte von ihr, die Frauen, Opfer von Ungerechtigkeit, Gewalt und Marginalisierung sind, wenn ihr Recht auf Würde und Gleichheit missachtet wird?»

2004 folgte dann der Paukenschlag: Mohammed VI. setzte ein liberales Familienrecht durch, das den Frauen offiziell fast gleiche Rechte zugesteht. Zwei Jahre zuvor hatte er eine Informatikerin aus Fes geheiratet. Mit der Rolle ihrer Vorgängerinnen brach die rothaarige Prinzessin konsequent. Sie übernahm von Anfang an Repräsentationspflichten und trug dabei kein Kopftuch. Zum Vergleich: Während der strengen Regentschaft des Grossvaters, Hassans II., hat das marokkanische Volk die Ehefrau nie zu Gesicht bekommen – ein Berberstamm hatte sie ihm zum Geschenk gemacht. M6 nennen die Untertanen den neuen König. Den Namen haben sie einem französischen Privatfernsehkanal entlehnt. Schaut her, was für einen modernen König wir haben!, wollen sie damit sagen.

Doch wie modern ist M6 wirklich? Für die weibliche Bevölkerung Marokkos – das bestätigen Frauen unsono – habe er viel getan. In seinem Windschatten eroberten sie in den letzten Jahren verschiedene Männerbastionen: So verdienen Frauen in Casablanca ihr Geld als Taxifahrerinnen, sind in Rabat als Vorbeterinnen in den Moscheen tätig und treten im ganzen Land an traditionellen Reiterspielen auf – hoch zu Ross, ein mit Schwarzpulver gestopftes Gewehr in der Hand. Auch die 20-jährige Rim strebt einen Beruf an, den vor ihr noch nicht viele Frauen in Marokko ausgeübt haben. Sie will Filmregisseurin werden. Die Kunstschule, an der sie studiert, die École Supérieure des Arts Visuels, befindet sich in Marrakesch und ist die einzige dieser Art im Land.Rim gehört nicht zu den jungen Frauen, die in der Ecke sitzen und träumen. Sie ist eine Macherin, zielbewusst, ernst und kritisch. «Der Studiengang ist kein Spaziergang», sagt sie, «ich weiss, ich muss kämpfen, wenn ich in der Masse nicht untergehen will.» Sie lebt in der Touristenhochburg Marrakesch, wo seit letzten Juni eine Frau Stadtpräsidentin ist. Diese ist nur eine der vielen Gewinnerinnen der Wahlen: Da eine Frauenquote von zwölf Prozent galt, ist der Anteil der weiblichen Stadt- und Gemeinderäte landesweit auf einen Schlag von 130 auf 3400 angewachsen.

Was denkt Rim über diesen politischen Erdrutsch? Der Erfolg der Frauen habe sie gefreut, sagt sie. Man müsse nun aber schauen, was die weiblichen Abgeordneten bewirken könnten, denn der Einfluss des Parlaments gelte als eher gering. Sie selbst will nach dem Studium in Marokko bleiben und sich nicht nach Europa absetzen – jetzt erst recht nicht. Sie hofft, dereinst mit ihren Filmen die Gesellschaft aufrütteln zu können, was trotz der Fortschritte immer noch nötig sei. «Ich spüre jeden Tag, dass ich in einem Land lebe, in dem das Individuum nichts zählt und sich die Mentalität nur schwer umkrempeln lässt. Das macht mich oft wütend.»

Ein Eckhaus an der Kreuzung Rue Agadir und Avenue Hassan II in Casablanca. Es ist Donnerstagmittag. Wir fahren mit einem alten Lift in den neunten Stock und betreten ein modernes Büro mit vielen verschlossenen Türen. Hinter einem aufgeräumten Schreibtisch sitzt Fadéla Sebti. Sie ist sechzig Jahre alt und sieht viel jünger aus, als sie ist. Sebti arbeitet als Juristin und ist Autorin des Romans «Ich, Mireille, als ich Yasmina war», der auf Deutsch bei Suhrkamp erschienen ist und in Marokko ein Bestseller war. Im Buch verliebt sich eine Jurastudentin aus Aix-en-Provence in einen Marokkaner, zieht mit ihm nach Casablanca und konvertiert zum Islam. Doch die Anpassung an die islamischen Sitten gelingt ihr nicht. Sie wird von ihrem Ehemann verstossen und zerbricht an der Doppelrolle als unterwürfige Muslimin und revoltierende Französin. «Ich habe bewusst eine Französin als Protagonistin gewählt», sagt Fadéla Sebti, «weil ich das Schamgefühl der Frauen hier nicht verletzen wollte. Die binationalen Paare fühlten sich sowieso angesprochen, aber auch alle Marokkanerinnen, die den Horror einer solchen Ehe kennen.»

Als Juristin setzt Fadéla Sebti, die lange lange Zeit selbst in Frankreich gelebt hat, seit Jahren Eheverträge auf. Welches ist für sie der grösste Erfolg des neuen Familiengesetzes? «Ganz klar, das Recht, dass sich eine Frau nun scheiden lassen kann», sagt sie. Früher sei dies nicht möglich gewesen, selbst wenn die Ehefrau von ihrem Mann geschlagen worden sei. Vor 2004 war das Prinzip der Ehe strikt: Der Mann war der Ernährer, die Frau hatte zu gehorchen. Tat sie dies nicht, konnte er sie jederzeit verstossen.
Fadéla Sebti blickt aus dem Fenster ihres Büros auf den Parc de la Ligue Arabe, wo Kinder kreischen, Studenten lernen und Jogger ihre Runden drehen. Unmittelbar nach Einführung des Gesetzes, sagt sie, sei die Scheidungsrate rapide hinaufgeschnellt. Doch die kalte Dusche liess nicht lange auf sich warten. Damit Frauen nach einer Scheidung die finanzielle Abfindung erhalten, die ihnen gemäss Artikel 49 zustehe, würden die Richter häufig Abwegiges von ihnen verlangen: «Sie müssen nachweisen, was sie in den vergangenen Ehejahren geleistet haben. Doch wie soll das gehen? Bekanntlich stellen Ehemänner keine Quittungen für Kindererziehung, Kochen und Putzen aus. Die Frauen können ihre Ansprüche also oft nicht geltend machen, weil die Richter den Reformkurs nicht mittragen.»

Mit anderen Worten: Die Umsetzung der von Seiner Majestät verordneten Moudawana harzt, weil das Recht ambitiöser ist als die Realität. So sieht das neue Gesetz vor, dass eine Frau mindestens 18 Jahre alt sein muss, bevor sie ein Mann zur Ehefrau nehmen kann; in den ländlichen Gebieten hält man aber weiterhin an Vermählungen jüngerer Frauen fest. Nach wie vor verheerend ist die Situation für Frauen, die uneheliche Kinder zur Welt bringen. Selbst wenn es ihnen heute rechtlich zusteht, einen Vaterschaftstest zu beantragen, werden die meisten von der Familie verstossen.

Die Organisation Solidarité Féminine setzt sich seit über zwanzig Jahren für die Besserstellung lediger Mütter ein. Sie bietet den betroffenen Frauen rechtlichen Beistand, vermittelt Wohnungen und gibt ihnen die Möglichkeit, eine Lehre im Hamam oder im Gastrobetrieb zu absolvieren.

Dass der Vater ihres Kindes bereits verheiratet war, hatte Laila (23) erst erfahren, als sie schwanger war. Also sagte sie niemandem, wie es um sie stand. Laila formuliert ihre Sätze mit leiser Stimme, nimmt alle Schuld auf sich. Sie zeigt Verständnis dafür, dass ihre Familie mit ihr gebrochen hat, als der Bauch immer runder wurde. «Ich hadere nicht mit meinem Schicksal», sagt sie, «es ist mir klar, dass ich für mein Kind allein sorgen muss, unsere Gesellschaft verlangt das so.»
Salima (Name geändert) obwohl ein Jahr jünger, wirkt selbstbewusster als Laila und nimmt ihr Schicksal nicht einfach hin. Sie war bereits offiziell verlobt, als sie schwanger wurde. Zur Überraschung aller verbot die Mutter des Mannes jedoch nicht nur eine Heirat, sondern beharrte sogar auf einer Trennung. Der Sohn tat wie ihm befohlen. Auf Drängen ihres Vaters und des Bruders musste Salima daraufhin ihre eigene Familie verlassen. Die Mutter aber unterstützte sie weiterhin heimlich. «Sie hat mir auch einen Teil des Geldes für den Vaterschaftstest vorgeschossen», sagt sie. Dieser kostete 3000 Dirham, rund 400 Franken. Salima hat sich inzwischen mit ihrem ehemaligen Verlobten, der sie regelmässig in Casablanca besucht, versöhnt. Dessen Mutter ahnt noch nichts von der Wiederannäherung. «Wir hoffen beide, dass sich die Situation mit der Zeit beruhigt. Wenn nicht, werden wir einfach im Stillen heiraten», sagt Salima bestimmt.Der Zug hält mit einem Ruck in Rabat. Es ist Mittwoch, später Nachmittag. Die Alleen in Marokkos Hauptstadt sind noch grösser als in Casablanca, die Trottoirs noch blanker gefegt. Asma Lamrabet wohnt vor den Toren der Königsstadt, hinter hohen Mauern in einer Villa. Ihr Mann ist Diplomat. Sie arbeitet als Ärztin in einem Spital, wochentags von 8 bis 14 Uhr, danach widmet sie sich dem Studium des Korans und schreibt Bücher. Islam und Feminismus sind die bevorzugten Themen der überzeugten Kopftuchträgerin Asma Lamrabet. Der Koran sei ein spiritueller Text, sagt sie, eine Orientierungshilfe, kein Code. Nirgends im Koran stehe, dass der Mann seine Frau verstossen dürfe, auch wenn das immer wieder behauptet werde. Diesem Umstand trage das Familienrecht Rechnung. «Nur verstehen das viele Marokkaner nicht, weil ihnen jahrelang etwas anderes gepredigt wurde.»

Hier setzt Asma Lamrabets Kritik an: «Das neue Gesetz ist fortschrittlich, aber die Bevölkerung wurde zu wenig darauf vorbereitet. Es wird zu wenig in die Bildung investiert.» Rund fünfzig Prozent der Frauen im Land sind Analpha betinnen; in ländlichen Gebieten noch mehr. «Die Frauen kennen ihre Rechte nicht, die Männer fürchten ihren Machtverlust. An diesem Punkt», sagt sie, «müssen wir ansetzen.»

Asma Lamrabet schickt uns weiter – Richtung Süden, in die Provinz Skhirat Témara, sie habe da etwas erlebt, das sie bewegt habe und wir ebenfalls sehen müssten: eine kleine Revolution. Dreissig Autominuten von Rabat entfernt stehen keine Villen mehr, sondern Wohnblöcke. Am Ende der Strasse haben vor einigen Wochen fünfzig Mädchen und Frauen zwischen zehn und sechzig Jahren einen Sitzstreik veranstaltet. Demonstriert haben sie, weil sie weiter zur Schule gehen wollen, abends zwischen 19 und 21 Uhr. Die Lehrerin, Hakima Bajaja, hatte keinen Lohn mehr von der Regierung erhalten, worauf der Unterricht gestrichen wurde. Doch als die Lehrerin den Proteststurm der Frauen miterlebte, beschloss sie, diesen zu ihrem Recht auf Bildung zu verhelfen, Lohn hin oder her.

So drücken nun also Mädchen und Frauen in ausgebleichten Djellabas und mit sorgfältig gebundenem Kopftuch weiter die Schulbank. Naima, Mahbouba und Khadijah nehmen in etwa mit der gleichen Begeisterung am Unterricht teil, wie wenn ihre Männer ein Fussballspiel der «Löwen vom Atlas», des marokkanischen Nationalteams, im Fernsehen verfolgen. Sie singen ein Loblied auf ihre Lehrerin. Küssen ihr im Vorbeigehen die Hand. Sprechen die französischen Wörter, die Hakima Bajaja diktiert, mit erhobener Stimme nach. Auf die Frage, wer zu Hause in der Zwischenzeit die Kinder betreue, antworten alle drei gleichzeitig: «Unsere Männer.» Wie sie diese dazu gebracht haben, bleibt ihr Geheimnis.
Zurück in Casablanca, es ist ein Samstagmorgen. In einem Café am Boulevard d’Anfa, wo sich ein Bürogebäude ans andere reiht, gibt es ein Wiedersehen mit Nadia Lamlili, der Chefredaktorin des Wirtschaftsmagazins. Lamlili eilt an den auf der Terrasse sitzenden Männern vorbei und steigt die Treppe zum Obergeschoss hinauf. Dort steuert sie auf einen Platz in der hintersten Ecke des mit vielen Spiegeln dekorierten Lokals zu. Bevor sie zu reden beginnt, streicht sie die langen braunen Haare aus dem Gesicht und zündet sich eine Zigarette an. «Hätte ich das draussen vor allen Leuten gemacht, würde ich dafür vorwurfsvolle Blicke ernten. Eine Frau, die raucht, wird in Marokko wie eine Prostituierte verschmäht.»

Sie blickt zum Fenster hinaus und versucht zu beschreiben, an welchem Punkt Marokkos Frauen stehen. Sie kenne Frauen, sagt die Chefredaktorin, die sich westlich kleiden, aber an einem sehr traditionellen Denken festhalten. Manchmal aus Angst, manchmal aus Überforderung. Sie kenne auch Frauen, die sich befreit hätten, ihren Weg gingen, aber keinen Ehemann fänden, denn die meisten marokkanischen Männer würden nach wie vor eine Frau bevorzugen, die sich unterordne. Persönlich habe sie aus Liebe einen Franzosen geheiratet, was anfänglich zu grossen Problemen mit der eigenen Familie geführt habe, obwohl dieser – freiwillig und nicht, weil es das Gesetz verlangt – zum Islam konvertiert sei.

Die Bilanz der Reise durch das Reich Mohammeds VI. fällt also gemischt aus. Eine der besten Nachrichten ist: Anders als die jungen Männer, die immer noch von einem Leben in Europa träumen, wollen Marokkos Frauen bleiben, wo sie sind, weiter etwas bewegen in ihrem Heimatland. «Die Frauen hier», sagt die islamische Feministin Asma Lamrabet, «haben ein neues Bewusstsein. Es gibt kein Zurück.»

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