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Postkarte aus Monaco: Saison der Geniesser

Text: Sven Broder; Fotos: Marvin Zilm

Postkarte aus Monaco: Saison der Geniesser
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Postkarte aus Monaco: Saison der Geniesser
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Manhattan am Mittelmeer: Die Fläche von Monaco ist winzig, seine Türme sind umso höher

Prägen das Stadtbild: Unzählige Rolltreppen

Der Hafen von Monte Carlo

Weltberühmt: Das Casino von Monaco
 

Marché de la Condamine

In Monaco ist Luxus Programm. Doch wenn die Haute-Volée im Herbst abgezogen ist, kommen im Fürstentum auch Touristen mit kleinem Budget auf ihre Rechnung.

Monaco hat schon bessere Zeiten erlebt. Zeiten, in denen ein «Gruss aus Monte Carlo» noch so etwas war wie ein Wink mit dem goldenen Löffel: Ich bin jetzt wer. Jetset, you know! Heute, wo kein Kavalier mehr ist, wer Steuerflucht betreibt, wo Opulenz schnell dekadent wirkt, auch weil sich im Hafen keine Grace Kelly mehr auf stylishen Riva-Booten sonnt, sondern «Lady Moura» vor Anker liegt, die 200-Millionen- Dollar-Jacht eines saudischen Öl-Milliardärs, in Zeiten wie diesen löst eine Postkarte aus dem Fürstentum vor allem eines aus: Stirnrunzeln.«Was machst du in Monaco?» – Dabei sind sie natürlich noch alle da, und so prachtvoll wie eh und je, die Zeugen der Belle Époque: das Casino, das «Hôtel de Paris», das «Hermitage».

Doch zum bewundernden Blick gesellt sich im Stadtstaat eben auch gern ein Hauch von Antipathie. Zumal sich weite Teile Monacos kalt lächelnd dem entziehen, der nicht Geld hat wie Heu. Dann wird man zum Zaungast degradiert, zum neidischen Bünzli auch, der man eigentlich nicht sein möchte, der die Nase platt drückt an den Schaufenstern der Luxus- Modeketten, der Luxus-Schmuckhändler, der Luxus- Immobilienagenten, der Luxus-Autohändler – und der sich mokiert über die Preise. Das Gute ist: Der Stadt ist das egal. Denn niemand, der das Fürstentum besucht, kann behaupten, er habe etwas anderes erwartet

Souverän Austern schlürfen

Monaco ist, was es ist. Wer das akzeptiert, sitzt irgendwann in der Brasserie Le Café de Paris und schlürft Austern so souverän, wie die Society-Ladys die Ferraris ihrer Männer an der Place du Casino bändigen. Und dann gehen einem die Augen auf für die Einzigartigkeit dieser Stadt. Denn das ist sie; einzigartig: Nur zwei Quadratkilometer gross, aber mit 36 000 Einwohnern so dicht besiedelt wie kein anderer Staat. In Etagen festgekrallt an einen felsigen Ausläufer der Alpes Maritimes, unterhöhlt und durchbohrt wie ein Emmentaler, sodass man sich nur zu Fuss und mithilfe der unzähligen Rolltreppen und Lifte effizient durch die Stadt bewegen kann – vorausgesetzt, man findet die versteckten Aufzüge.

Und dann ist da ja immer auch noch das Meer, das am herrlichsten duftet auf dem Chemin des Pêcheurs, dem Fischerweg. Am besten im Winter. Dann ist das Licht auch so schön. Die Luft so frisch. Und in der Stadt, die im Sommer überquillt, ist wieder ein wenig Platz: ein wahrer Luxus, gerade in einer Stadt wie Monaco.

— Wertvolle Tipps: www.visitmonaco. com

Belle vue

Vom Jardin Exotique mit seinen Kakteen hat man einen Wahnsinnsblick hinunter auf Le Rocher, den Fels, auf dem die Altstadt und der Fürstenpalast thronen, sowie auf die italienische und die französische Riviera.
— 62, boulevard du Jardin Exotique, www.jardinexotique.mc

Strandhotel

Das Hotel Le Méridien Beach Plaza hat den Luxus des einzigen Privatstrands von Monaco. Toll. Dazu netten Service, hochstehende Küche und modernes Design.
Le Méridien Beach Plaza, 22, av. Princesse Grace, www.lemeridienmontecarlo.com, DZ ab 260 Fr.

Chez Roger

In Monaco geht man nicht einfach zum Metzger oder zum Bäcker, man geht chez Paul, chez Jacques, vor allem aber chez Roger. Bei Roger gibts die beste Socca der Stadt. Das ist ein im Ofen knusprig gebackener Fladen aus Kichererbsenmehl, Salz und Wasser. «Und Butter?», frage ich Roger. «Mais non», ruft der, «Butter ist Paris! » – okay, also Olivenöl.
— Marché de la Condamine, Place d’Armes. Täglich ab 7 Uhr geöffnet. Mit Gemüsemarkt
 

Sacstarc

In einer Stadt, die lechzt nach dem Dernier Cri, kräht kein Hahn nach Dernière Saison. Doch dann entdeckte ich den unscheinbaren Secondhandladen am Boulevard des Moulins: Taschenklassiker von Hermès, Chanel, Vuitton in bester Qualität. Mir gefiel am besten der Kelly-Bag von Hermès aus Krokodilleder. Aber der kostete 47 286 Euro. Also kaufte ich etwas Günstigeres 
Monte Carlo Antiquités, 27, boulevard des Moulins

Buchtipp

Das Leben der Grace Kelly alias Gracia Patricia jenseits von Hollywood und Fürstenpalast.
— Thilo Wydra: Grace. Die Biografie. Aufbau-Verlag, 2012, 400 Seiten, 35.90 Fr.

Eintauchen

Konservierte Tiefseefische, historische Taucheranzüge und gigantische Skelette – das Ozeanografische Museum atmet die Geschichte der Meeresforschung. Gegründet hat es Fürst Albert I., der Prince navigateur.
— Musée Océanographique de Monaco, www.oceano.org

 

Gout Mieux

Piekfein zu essen, ist im Fürstentum ein relativ leichtes, wenn auch etwas teures Unterfangen. Doch es geht auch hausmännischer – und nicht zwingend weniger gut. Das Tatar, vor den Augen des Gasts zubereitet, ist im Bistro Bouchon herrlich.

Der Fisch im einfachen Restaurant Polpetta ebenso. Und wer mit den stylishen Kindern der Reichen und Schönen dinieren möchte, geht ins «Maya Bay» und geniesst nach dem delikaten Sushi eine Barbe à papa – Papas Bart, was für ein toller Name für Zuckerwatte. Fast aussichtslos ist es hingegen, eine einfache, gemütliche Bar zu finden. Klar, es gibt Clubs wie «Sass Café» oder «Le Before» und das «Rascasse» am Hafen. Aber so richtig Ambiance hat das alles nicht. Abende klingen deshalb gern an der Hotelbar aus – da hat man es dann auch nicht mehr weit ins Bett. Immerhin.

Grosses Kino

Der Formel-1-Zirkus gastiert vom 22. bis 25. Mai 2014 in Monaco. Wer sich einen Platz an der spektakulärsten Rennstrecke der Welt sichern möchte, wendet sich an:
www.miti.mc, firstclassorg.mc, incentiveconcept. com, visitmonaco. com

Sven Broder

Der Reportagenleiter schwärmt für Anekdoten und gute Geschichten, mag Fragen lieber als Antworten, Optimisten lieber als Nörgler. Er hat ein Näschen für Tabus und Fettnäpfchen, aber erschreckend wenig Talent, sie aktiv zu meiden. Er lebt mit Frau und drei Kindern in Zürich.

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