aus der Redaktion

Die schönsten schlimmsten Ferienerlebnisse – Teil 2

Redaktion: Jessica Prinz

Die Sommerferien sind vorbei? Zum Glück! Egal, wie sehr man sich gefreut und alles akribisch vorbereitet hat – manchmal geht dann doch alles schief. Hier sind noch mehr schöne schlimme Ferienerlebnisse der annabelle-Redaktion.

Beauty-Redaktorin Olivia Goricanec erlebte das Reisefieber der anderen Art

«Wenigstens können wir unseren zukünftigen Enkelkindern eine aussergewöhnliche Geschichte über unsere Flitterwochen erzählen», sagte mein Mann, als er mich an einem thailändischen Flughafen im Rollstuhl und mit Mundschutz von einem Gate zum anderen schob.
Flitterwochen, drei Wochen Thailand, Romantik pur und das frische Eheglück geniessen. Das war eigentlich der Plan. Daraus wurde ein fünfwöchiger Aufenthalt – wegen Dengue. Das Denguefieber ist eine virale Infektionskrankheit, die von einer Mücke übertragen wird. 
Wir befanden uns auf der kleinen Insel Ko Lipe im Südwesten Thailands, als die Krankheit bei mir ausbrach. Auf dem Weg zum Mittagessen fühlte ich mich plötzlich unwohl. Es kommt nicht von ungefähr, dass Dengue auch als Knochenbrecherfieber bezeichnet wird. Neben hohem Fieber und Kopfschmerzen fühlte sich mein Körper bald an, als hätte ich mir jedes einzelne Knöchelchen gebrochen, später musste ich mich zudem jede halbe Stunde übergeben. Mein frisch gebackener und besorgter Ehemann wollte deswegen am nächsten Tag ärztliche Hilfe herbeiholen. 
Der einzige Krankenpfleger auf der Insel diagnostizierte Chikungunya – sicher war er sich bei dieser Diagnose aber nicht. Zur Behandlung hängte man mich an den Tropf, damit ich nicht völlig dehydrierte. Nach einigen Tagen, in denen sich mein Zustand stetig verschlechterte, charterte mein Mann ein Speedboot, um mich aufs Festland und ins nächstgelegene Spital zu bringen. Ich kann mich nur noch vage an diese Überfahrt erinnern, nur die Schreie eines schwerverletzten und betrunkenen Motorradfahrers, der neben mir in der Notfallaufnahme des kleinen, stickigen Spitals lag, die höre ich noch heute. 
Es herrschte grosses Chaos. Nach einer Blutentnahme stellten die Ärzte gleich fest, dass es sich nicht um das Chikungunya-, sondern um das Denguefieber handelte. Eine sofortige stationäre Spitaleinweisung war erforderlich, weil mein Zustand kein guter war. Nur in etwa zwei bis vier Prozent der Fälle nimmt das Denguefieber einen schweren Verlauf, und zwar dann, wenn ein hämorrhagisches Fieber auftritt. Bei mir war das der Fall. Ohne fachgerechte Behandlung führt dies bei einer von fünf Personen zum Tod. Mein ganzer Körper war voller stecknadelkopfgrosser Blutungen auf der Hautoberfläche, da meine Thrombozytenzahl im Keller lag, genauso wie meine Leberwerte und grundsätzlich mein ganzer Kreislauf. Mein Mann entschied deswegen, mich in ein moderneres Spital zu bringen. Nach einer zweistündigen Fahrt im Krankenwagen erreichten wir eine Privatklinik. Dort wurde ich Tag und Nacht alle zwei Stunden geweckt und untersucht, denn die Gefahr auf innere Blutungen war gross. Ich war kaum ansprechbar und wurde über eine Sonde ernährt, da ich weiterhin die ganze Zeit erbrach. Ich wollte nur eines: einfach nachhause! Die Krankenkasse wollte uns aber erst die Erlaubnis zu fliegen erteilten, wenn meine Blutwerte besser wurden und die Gefahr auf innere Blutungen sank. 
Nach etwa sieben oder acht Tagen ging es mir langsam etwas besser. Ich erinnere mich, wie ich zum ersten Mal im Rollstuhl mein Zimmer verlassen konnte, um mir im spitalinternen Coiffeursalon meine Haare waschen zu lassen. Was für eine Wohltat! Dann stabilisierte sich meine Situation etwas, sodass mein Mann langsam die Heimreise planen konnte. 
Ich brauchte über ein halbes Jahr, um mich vom Denguefieber zu erholen. Ich bin in meinem Leben viel gereist, war schon auf allen Kontinenten dieser Welt. Seit diesem Erlebnis bin ich aber nicht mehr so abenteuerlustig. Ich hoffe, diese Lust auf die Ferne kommt irgendwann zurück.» 

Lifestyle-Redaktorin Leandra Nef kam in Australien arg ins Schwitzen

«2014, australische Ostküste, flirrende Hitze, meine Kollegin, der Minivan (Jucy, remember, Mate?) und ich. So weit, so klischiert. Es hätte ein wunderbarer Roadtriptag auf der Küstenstrasse werden können. Hätten wir nicht zunächst ein parkierendes Auto touchiert (minus ein bisschen Lack, zwei Felgen und 1000 Nerven) und später den im Kofferraum eingebauten Gaskochherd in Brand gesetzt (unabsichtlich, versteht sich). Das Feuer konnten wir in letzter Sekunde löschen, unser Pouletcurry aber war noch roh und wir langsam der Verzweiflung nah. 
Dass der Tag dann doch noch eine gute Wendung nahm, haben wir einem Koch zu verdanken: Wir brachten die Pfanne mit dem Pouletcurry ins nächste Restaurant und fragten den Küchenchef, ob er unseren Znacht fertigkochen könne. Konnte er – und er hat uns sogar noch eine Flasche Rotwein geschenkt.»

Online-Chefin Kerstin Hasse wurde in Venedig trotz all der Romantik übel

Venedig ist eine der romantischsten Städte, die es gibt. Die Kanäle, die Brücken, die singenden Gondoliere und das dramatische Licht: Alles an dieser Stadt schreit nach Liebesurlaub. Ich war mit meinem Freund keine zwei Jahre zusammen, als wir das erste Mal nach Venedig gereist sind. Wir waren für etwa vier Tage dort und die ersten drei davon waren wirklich auch sehr wunderbar und fast schon kitschig romantisch. Wir schipperten sogar für knapp 90 Euro eine halbe Stunde auf dem Kanal entlang – es war fast ein Romance-Overkill. Erst am letzten Tag wurde es ein wenig … ähm … unromantischer. 
Rückblickend gebe ich einem Stück Pizza a taglio die Schuld, das wir in einer Seitengasse kauften. Es fing mit einem Rumoren im Bauch am frühen Morgen an, mit ständiger Übelkeit und leichtem Schwindel. Ich versuchte die Symptome zu ignorieren, ich bestellte mir schon zum Frühstück eine Cola und war überzeugt davon, auch den letzten Tag voll und ganz geniessen zu können. Ich ass sogar brav zu Mittag. Zwar in kleinen Bissen, aber ich wollte partout nicht akzeptieren, dass es mir schlecht ging. 
Nach diesem Mittagessen wurden die Symptome aber so schlimm, das mein Freund die Übung abbrach. Mir wurde übel, ich war schwach und sogar die milde Frühlingssonne war mir zu heiss. Ich konnte keinen Schritt mehr laufen. Er schickte mich per Vaporetto an den Bahnhof und kehrte ins Hotel zurück, um unser Gepäck zu holen. Im Boot war es stickig, neben mir sass eine Frau, die stark parfümiert war und etwa drei Haltestellen vor dem Bahnhof wusste ich, dass ich es nicht mehr lange aushalten würde. Meine Horrorvorstellung war, dass ich mich neben der Dame in ihrem rosa Deux-Piece und vor gesamtem Publikum übergebe. Ich wollte nicht wie die Durchschnittstouristin aussehen, die die Bootsfahrt nicht verkraftet. Also fächerte ich mir hektisch Luft zu und versuchte, mich auf die schöne Kulisse zu konzentrieren. Nichts nützte. Als wir endlich am Bahnhof ankamen, rannte ich von Bord und schaffte es grad noch so neben ein paar Müllcontainer neben dem Bahnhofsgebäude, bevor ich erbrechen musste. 
Die Heimfahrt war die Hölle: Zusammengekrümmt sass ich im Zug, nippte an einer Cola und hoffte, dass wir bald ankommen würden. In Bellinzona mussten wir dann noch mit dem Auto bis nach Graubünden fahren. Eine Reise, die ich eigentlich in- und auswendig kenne, die mir aber im Leben nie so lange vorgekommen ist, wie damals. 
Erst Jahre später kehrte ich nach Venedig zurück. Die Stadt war so zauberhaft wie bei meinem ersten Besuch. Mit Scham stellte ich fest, dass die Mülltonnen noch immer am gleichen Ort neben dem Bahnhof standen. Und auch den Pizzastand sah ich wieder. Aber dieses Mal machte ich einen grossen Bogen darum. 

 

Jessica Prinz ,
Junior Editor
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