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Lausanne: Die Stadt brummt. Reise-Tipps

Text: Judith Wyder; Fotos: Dropout/Dorothée Baumann

Mad im Mad: Clubbing im House-Tempel im Flon
Stadt mit einer Aussicht: Die Seesicht in Lausanne
Im Herzen der Stadt: Le Flon hat sich vom Industrieviertel zur trendigen Shopping- und Ausgehmeile gewandelt
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Mad im Mad: Clubbing im House-Tempel im Flon

Stadt mit einer Aussicht: Die Seesicht in Lausanne

Im Herzen der Stadt: Le Flon hat sich vom Industrieviertel zur trendigen Shopping- und Ausgehmeile gewandelt

Lausanne brummt. Und das rund um die Uhr: Kulturhungrige und Nachtschwärmer finden hier gleichermassen ihr Glück.

Lausanne brummt. Und das rund um die Uhr: Kulturhungrige und Nachtschwärmer finden hier gleichermassen ihr Glück.

Lausanne ist Studentenstadt, Metropole für Start-up- Unternehmen – und auch boomendes Ausgehmekka der Romandie. Über vierzig Clubs buhlen heute um die Gunst der Nachtschwärmer.
Darunter der House-Tempel Mad (Bild oben in der Galerie), der D Club oder auch das Loft. Nein, verschlafen und hinterwäldlerisch wie zur Zeit des Dichters Charles-Ferdinand Ramuz ist Lausanne längst nicht mehr. Welche andere Schweizer Stadt trumpft schon mit einer eigenen Métro? Morgens um acht Uhr sind die Wagen so voll wie in ihrem Pendant in Paris. Auch das scheint symptomatisch: In keinem Kanton wächst die Bevölkerung so stark wie in der Waadt. Der Mann, der im führerlosen Zug wie ich von der schliessenden Tür beinahe zweigeteilt wird, bemerkt treffend: «C’est radical.»
 

Go Ouest: Lausanne ist eine Reise wert

Radikal verändert hat sich auch das ehemalige Industriequartier Le Flon im Herzen der Stadt. In den Achtzigerjahren mit seinen alten Lagerhallen eine Insel für Kreative und Handwerker, bietet das einstige Güterbahnhofquartier heute als tren dige Shopping- und Ausgehmeile Betrieb rund um die Uhr. Boutiquen, Clubs, Galerien, Restaurants, Kinos und eine Kunst eisbahn, die im Sommer durch eine Strandpromenade ersetzt wird, sorgen für Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die Auswirkungen der Gentrifizierung sind des einen Freud und des anderen Leid.

Lausanne mit seiner Höhendifferenz von 500 Metern und einer grossartigen Seesicht (Bild oben in der Galerie) hat auch als Kulturstadt viel parat. Eine Auswahl von 22 Museen, darunter die Fondation de l’Hermitage, die jedes Jahr Wechselausstellungen mit Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert präsentiert, und das Mudac, das Museum für Design und angewandte Kunst. Weiter gehts ans Ufer des Genfersees, wo das Théâtre Vidy 1964 vom Zürcher Architekten Max Bill für die Expo erbaut wurde und von Theatergrössen wie Luc Bondy, Peter Brook und Matthias Langhoff bespielt wird.

Zum Guten gewendet hat sich die Situation für die Musikfans. Nachdem Ende der Neunzigerjahre der Musikclub Dolce Vita in der Westschweizer Rockcity unter Protest geschlossen wurde, werden die Stromgitarren seit 2008 nun im Romandie in die Röhrenverstärker gestöpselt. Der Club hat, keine dreissig Schritte von der Métro station Flon entfernt, in einem Bogen des Grand-Pont Platz gefunden.

Bei unserem Besuch brachte die Hardcore-Band Helmut die historischen Gemäuer zum Beben. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit einem «à poil» («Macht euch nackig!»). Was in der Rocksprache etwa so viel bedeutet wie: «Ihr seid toll!» Genau wie Lausanne.
 

Tipps für Lausanne

500 m ist die Höhendifferenz vom See bis zum oberen Stadtrand. Am schnellsten überwindet man sie mit der einzigen Métro der Schweiz.
— Métro M2: Schifflände Ouchy bis Croisettes

Apéritif à la française

Im «Couronne d’Or» (Bild oben in der Galerie) trifft man sich, um den Feierabend à la française einzuläuten. Den roten Saint-Joseph zusammen mit einer Tomme vaudoise würden wir immer wieder bestellen. Empfehlen wollen wir auch die Brasserie du Grand Chêne im mondänen Hotel Lausanne Palace. Zu den Moules marinières werden Pommes allumettes gereicht.
— Brasserie du Grand Chêne, 7/9, rue du Grand-Chêne, www.lausanne-palace.com
— Bistro La Couronne d’Or, 13, rue des Deux-Marchés, www.couronnedor.ch

 

Dormir dedans: Schön schlafen in Lausanne

Zentral, stylish, freundlich und preisgünstig: Das Designhotel Lhotel hat kürzlich in einem der historischen Denkmäler der Stadt eröffnet.
— Lhotel, Place de l’Europe, Tel. 021 331 39 39, www.lhotel.ch, DZ ab ca. 130 Fr.

 

Kunst in Lausanne

Collection de l’Art Brut: Art brut steht für unverbildete Kunst von Aussenseitern. Was man hier zu sehen kriegt, gibt es nirgendwo sonst.
— 11, avenue des Bergières, www.artbrut.ch
Circuit, Centre d’art contemporain: Der Swiss Exhibition Award ging 2010 an das Centre d’art contemporain. Eine Kunstadresse, die man sich merken muss.
— 9, avenue de Montchoisi, www.circuit.li

 

Mode und Shopping

Wer elegante Mode sucht, ist bei Camille richtig, einer Boutique mit ausgesuchten Labels.
— Camille, 5, rue Caroline
Verspielte Mode findet man bei Le Laboratoire. Den Designerinnen kann beim Schneidern zugeschaut werden.
— Laboratoire, 7, rue Cheneau-de-Bourg, le-laboratoire.com
 

Club Le Bourg: eine Nacht wie in Paris

Ein Schmuckstück wie Le Bourg hat in der Club-Szene Seltenheitswert. Romantische Retro-Blumentapeten und Salontischchen lassen im ehemaligen Cinéma Pariser Cabaret-Stimmung aufkommen. Geboten wird ein feines Kulturprogramm.
— Le Bourg, 51, rue de Bourg, www.le-bourg.ch

 

Jubiläumstanz

Der Choreograf Philippe Saire betreibt unweit von Le Flon die Compagnie, ein Tanztheater mit Bar, und feiert gerade das 25-jährige Bestehen. Da in dieser Saison mehrere Tanz-Institutionen in Lausanne einen runden Geburtstag begehen, wurde der Verein Capitale pour la Danse gegründet und ein gemeinsames Programm zusammengestellt.
— 36, avenue Sévelin, www.philippesaire.ch; www.unecapitalepourladanse.ch

 

Lausanne als Muse

Lausanne lesen und hören: Im Krimi «The Watchers» des Amerikaners Jon Steele ermittelt ein Privatdetektiv in Lausanne. Gute Musik gibts von Fauve, der auf dem Album «Clocks’n’Clouds» elektronische Chansons auf seine Heimatstadt Lausanne niederschneien lässt.
— Jon Steele: The Watchers. Bantam Press, 560 S., ca. 25 Fr.
— Fauve: Clocks’n’Clouds (Two Gentlemen)

 

 

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