Venedig

Venedig für Fortgeschrittene

Venedig: Reise-Tipps

Reise-Tipps für Venedig

(1) Campanile von San Giorgio Maggiore statt Markusturm
Natürlich ist der Blick vom Campanile auf dem Markusplatz schön. Viel schöner allerdings ist der Blick von hoch hinab in Richtung Markusplatz. Und zwar vom Turm der Chiesa San Giorgio Maggiore, die auf der Insel gegenüber liegt und per Vaporetto erreichbar ist. Eintritt Turm ca. 5 Franken.

(2) Campi statt Piazza
Das Leben der Venezianer spielt sich auf den Campi ab – nicht auf der Piazza. Denn es gibt nur eine Piazza in Venedig: die Piazza San Marco. Alle anderen Plätze müssen sich bescheiden Campi nennen. Und doch sind sie die Zentren des Stadtlebens: Etwa der Campo Santa Margherita, wo morgens Fischstände stehen, Mütter am Nachmittag ihre Kinderwagen schieben und Studenten abends in den Bars  debattieren. Sehenswert sind aber auch all die unbekannteren Plätze wie der hübsche Campo San Angelo, der geschäftige Campo San Luca oder der geräumige Campo Santa Maria Formosa.

(3) Traghetto statt Gondola
50 Minuten Gondelfahrt kosten zurzeit gegen 200 Franken – und das Ständchen wird extra berechnet. Kein Wunder, haben die meisten Venezianer noch nie einen Fuss in eine Touristengondel gesetzt. Müssen sie auch nicht: Um die langen Wege zwischen den drei Brücken über den Canale Grande abzukürzen, gibts nämlich acht Gondelfährverbindungen, die Traghetti. Die Fahrt kostet gerade mal 50 Cent. Wer wie ein Venezianer übersetzen will, bleibt im Boot stehen!

(4) «andar per ombra» statt «aperölen»
«In den Schatten gehen» heisst übersetzt der Besuch in einer Weinschenke. Früher verkauften
die Händler ihren offenen Wein im wandernden Schatten des Glockenturms von San Marco. Daher die Bezeichnung Ombra (Schatten) für ein Gläschen. Heute kann man den ganzen Tag einkehren und sich mit Appetithäppchen, den Cichetti, stärken. Allerdings ist es ein Vorabendvergnügen; die meisten Schenken schliessen so gegen neun Uhr abends. Momentan sehr populär und von Touristen noch beinahe unentdeckt sind die Lokale beim Rialtomarkt, der Erbaria am Canale Grande, etwa das «Bancogiro» und das «Ancòra». Hier kann man auch gut essen – falls man reserviert hat.

(5) Spritz statt Bellini
Eigentlich trinkt man ja einfach Wein. Wer aber etwas anderes will, nimmt stilecht einen Spritz (meist Weisswein, Campari und Mineralwasser). Bellini ist was für Touristen.

(6) Glück statt Unglück
Glück bringt es, in einen Kanal zu fallen (hineinspringen hilft nicht). Unglück bringt es, zwischen den beiden riesigen Säulen neben dem Dogenpalast hindurchzugehen – hier wurden früher die Todesurteile vollstreckt und die Leichen zur Abschreckung aufgehängt.

(7) Tramezzini statt Pizza
Typisches Mittagessen: zwei, drei Tramezzini. Dreieickige Toastbrote gefüllt mit Crevetten und Eiern, Spanferkel und Steinpilzen, Krebsfleisch und Salat … Eine Lieblingsadresse, immer voll mit Studenten: Bar alla Toletta, Calle della Toletta, Dorsoduro.

Busenbrücke statt Seufzerbrücke
Eine der vielen Kuriositäten der Stadt: Beim Ponte delle tette in der Nähe der Rialtobrücke mussten die Prostituierten früher barbusig um Kunden werben. Die Hoffnung der Stadtoberen: Die weiblichen Reize sollten die zahlreichen Schwulen auf den rechten Weg zurückbringen – obs funktioniert hat, ist leider nicht bekannt.

Mercato statt Shopping
Der Rialtomarkt ist der wichtigste Markt von Venedig. Hier sieht man, dass im Umland von Venedig fünf verschiedene Artischockenarten angebaut werden und im Meer die seltsamsten Tiere ins Netz gehen: Meeresheuschrecken, Meeresspinnen und Muscheln in Form eines Trinkrohrs.
7–14 Uhr, täglich ausser So.

(8) Ca' Dario statt Dogenpalast
Lassen Sie sich von einem Reiseführer die Geschichten der einzelnen Palazzi um den Canale Grande erzählen. Die grusligste liefert die Ca’ Dario nahe dem Guggenheim-Museum. Ein Fluch soll auf dem Palast aus dem 15. Jahrhundert liegen: Die Besitzer (darunter der Manager von The Who) wurden alle von tragischen Ereignissen verfolgt – Selbstmorde, Morde, rätselhafte Unfälle. Lange stand der «verfluchte Palazzo» leer, 2006 erwarb ihn ein US-Unternehmer. Wir sind gespannt auf die Fortsetzung der Geistergeschichte.

Geheimtipps statt Touristenfalle
Es gibt Restaurants, die fast nur von Einheimischen besucht werden. Viele dieser Noch-Geheimtipps liegen im Moment entlang dem Rio della Misericordia und dem Rio della Sensa im Stadtteil Cannareggio, etwa In-Lokale wie «Al Timon» oder «Anice stellato». Ebenfalls bekannt für eher Unbekanntes: die Gegend rund um den Campo San Barnaba in Dorsoduro. Buchtipp: «Venice osterie» von Michela Scibilia – ein Restaurantführer von einer Einheimischen.

(9) Klassiker statt Touristenfalle
Nur weil viele Touristen drinsitzen, muss das Restaurant noch keine Touristenfalle sein. Manche Lokale sind einfach so bekannt, dass sie von Einheimischen geliebt und von Touristen leicht gefunden werden. Etwa das grosse, immer volle Restaurant Alla Madonna in der Calle della Madonna gleich hinter der Rialtobrücke. Die Küche bietet venezianische Spezialitäten, vor allem Fisch, und ist gut und günstig. Ebenfalls bekannt und gut: «Al Mascaron», Calle Lunga Santa Maria Formosa (Castello), und «Da Ignazio», Calle dei Saoneri (San Polo).

Bed & Breakfast oder Ferienwohnung statt Hotel
Nicht unbedingt günstiger, aber authentischer lebt es sich als Gast bei einer venezianischen Familie: Viele Einheimische vermieten Zimmer in ihren Palazzi. Etwa unter www.bbitalia.it. Wem das zu eng ist, der kann auch eine eigene Wohnung mieten: unter www.interhome.ch, www.cuendet.com und www.venrent.com

 

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