Interview

«Als hätte man Superkräfte»

Text: Claudia Senn; Fotos: ESA NASA

Samantha Cristoforetti
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«Einzelgänger möchte man da oben auf keinen Fall»: Samantha Cristoforetti wird wieder zur ISS fliegen, bald wohl auch zum Mond

Links Vor dem Start: Der Sitz für die Sojus- Rakete wird Cristoforetti angepasst (oben), Abschied in Kasachstan

Rechts Frachtgut in der ISS (oben), die Crew vor dem Start in Kasachstan (Mitte),die Raumstation hoch über der Erde

Links Bitte anschnallen: In der Schwerelosigkeit ist Bodenhaftung unmöglich

Rechts Kraftlos: Nach der Landung auf der Erde müssen die Astronauten aus der Kapsel getragen werden

Die Italienerin Samantha Cristoforetti verbrachte 199 Tage an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Ein Gespräch über den Zauber der Schwerelosigkeit, Astronautenwindeln, Coiffure im All und die harte Rückkehr auf die Erde.

«Ich bin für eine Weile nicht auf dem Planeten. Im Mai 2015 kehre ich zurück. Leider werde ich Ihre Nachrichten nicht lesen können.» So lautete die automatische Antwort, die Samantha Cristoforetti auf ihrem E-Mail-Account einrichtete, bevor sie am 24. November 2014 gemeinsam mit einem russischen und einem amerikanischen Kollegen in Kasachstan in eine Sojus-Rakete stieg und zur Internationalen Raumstation ISS aufbrach, wo bereits drei weitere Astronauten auf sie warteten. Tatsächlich wurde es Juni, bis sie wieder auf der Erde landete. Ein unbemannter Weltraumfrachter mit Nachschub für die ISS hatte die vorgesehene Umlaufbahn verfehlt und war in der Atmosphäre verglüht, woraufhin der Aufenthalt von Cristoforetti und ihren Kollegen um einen Monat verlängert wurde. Dank dieser Panne stellte die Italienerin einen Rekord auf. Nie zuvor hatte eine europäische Astronautin eine längere Zeit im All verbracht als sie: 199 Tage und 16 Stunden.

Wir treffen die heute 42-Jährige im Astronautenzentrum der European Space Agency (ESA) in Köln, wo sie zurzeit arbeitet und auch grosse Teile ihrer Ausbildung absolviert hat. Es gibt hier ein riesiges Tauchbecken, in dem unter schwerelosigkeitsähnlichen Bedingungen Ausseneinsätze im All geprobt werden, sowie Nachbildungen von verschiedenen Modulen der ISS. Cristoforetti ist eine kleine, durchtrainierte Frau, die das Interview routiniert hinter sich bringt. Öffentlichkeitsarbeit gehört zu ihrem Job, denn ohne gute PR würden die Milliarden für die Raumfahrt wohl nicht so zuverlässig sprudeln. Nur einmal verliert sie kurz die Contenance: Als wir sie fragen, wie oft sie bei all ihren Reisen von Kontinent zu Kontinent – Astronauten nennen es «die langsame Umlaufbahn» – ihren Lebensgefährten und die dreijährige Tochter zu sehen bekomme. «Würden Sie diese Frage auch einem Mann stellen?», sagt sie mit hochgezogenen Augenbrauen.

Samantha Cristoforetti entstammt einer Trentiner Hoteliersfamilie. Schon als Kind war sie fanatischer «Star Trek»-Fan. Bei einem ultrakompetitiven Auswahlverfahren der ESA setzte sie sich gegen mehr als 8400 Bewerberinnen und Bewerber durch. Cristoforetti ist Kampfpilotin der italienischen Luftwaffe, spricht neben Italienisch auch Russisch, Englisch, Französisch und Deutsch, hat einen Master in Ingenieurs-und einen Bachelor in Luftfahrtwissenschaften. Die wichtigste Begabung im All sei jedoch Teamfähigkeit, sagt sie. «Loner möchte man da oben auf keinen Fall, selbst wenn sie Spitzenkompetenzen haben.»

annabelle: Samantha Cristoforetti, auf einer Weltraummission zählt jedes Gramm. Welche persönlichen Dinge durften Sie ins All mitnehmen?
Samantha Cristoforetti: Die Tradition gebietet, dass man einige Sachen von Freunden und Verwandten dabei hat: Fotos, Eheringe, Kinderzeichnungen – kleine, wertvolle Dinge, von denen die Leute später sagen können, das war mal im Weltraum.

Kann man das Gefühl der Schwerelosigkeit mit Worten vermitteln?
Es ist ein bisschen so, als ob man im Wasser schwebt. Taucher kennen das vielleicht. Wenn sie das Gewicht genau richtig reguliert haben, sinken sie weder nach unten noch steigen sie nach oben. Nur muss man sich den Widerstand des Wassers natürlich wegdenken. Eine Kollegin erklärte mal einer Schauspielerin, die sich auf die Rolle einer Astronautin vorbereitete: Stell dir vor, du spannst ein Haar straff zwischen deinen Händen und stösst dich damit ganz zart von einer Tischkante ab, ohne dass das Haar kaputtgeht. Dieser Impuls reicht in der Schwerelosigkeit schon aus, um sanft zur Decke zu schweben.

Das muss sich zauberhaft anfühlen.
Man geniesst es vom ersten Augenblick an. Es ist, als ob man plötzlich Superkräfte hätte. Von einem Moment auf den anderen kann man alle drei Dimensionen des Raumes nutzen, das hat etwas unglaublich Spielerisches. Häufig habe ich kopfüber an der Decke hängend gegessen wie eine Fledermaus.

Können sich denn Gehirn und Gleichgewichtsorgane mühelos darauf einstellen?
Ich hatte keine Probleme, doch manche bekommen die gefürchtete Weltraumkrankheit, deren Symptome der Seekrankheit ähneln: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel. Das legt sich jedoch meist nach einigen Tagen. Man muss erst lernen, den Körper ohne die Schwerkraft zu kontrollieren. Anfangs verliert man auch ständig Sachen. Man lässt sie einen Moment lang los, und schon schweben sie davon. In der Raumstation ist jedes kleinste Ding mit Klettverschluss festgemacht.

Wie sieht ein typischer Tag auf der ISS aus?
Zwischen 7 und 7.30 Uhr gibt es eine Daily Planning Conference über Funk. Da sind Dutzende von Leuten in verschiedenen Kontrollzentren auf der Erde zugeschaltet. Für die Pflichten des Tages hat jeder Astronaut einen elektronischen Terminkalender. Von halb acht bis halb neun könnte zum Beispiel ein Experiment vorgesehen sein, von halb neun bis halb zwölf irgendeine Wartungsarbeit, dann belädt man ein Frachtschiff, macht Sport, Mittagspause, spricht eine halbe Stunde mit Studenten auf der Erde, lernt etwas als Vorbereitung für Aktivitäten, die in den nächsten Tagen auf dem Plan stehen, hat Konferenzen mit der Ärztin oder den Flight Directors. Der Tag ist streng durchgetaktet, die Zeit der Astronauten kostbar.

Haben Astronauten keine Freizeit?
Doch, wenn nicht gerade ein Frachtschiff ankommt, ein Weltraumspaziergang stattfindet oder ein Experiment besondere Aufmerksamkeit verlangt, hat man am Wochenende frei. Samstags ist allerdings Putztag.

Existiert so etwas wie Privatsphäre?
Man kann sich durchaus zurückziehen. Jeder hat seine eigene kleine Schlafkabine, die man sich etwa so gross wie eine Telefonzelle vorstellen muss. Da kann man die Tür hinter sich zumachen und ungestört lesen, am Laptop arbeiten oder mit seinen Lieben auf der Erde telefonieren.

Gibt es da drin auch ein Bett?
Nein, das macht in der Schwerelosigkeit keinen Sinn. Eine Matratze braucht man nur auf der Erde, wo sie das Gewicht des Schläfers tragen muss. In der Raumstation schlüpft man einfach in einen Schlafsack und schwebt frei im Raum. Ich habe da oben immer gut geschlafen. Manche brauchen jedoch das Gefühl, im Bett zu sein, die binden sich halt an den Wänden fest.

Geht man sich nicht furchtbar auf die Nerven, wenn man zu sechst in einer grossen Konservenbüchse eingesperrt ist?
Die ISS ist nicht so klein, wie viele denken. Sie ist 400 Tonnen schwer und so gross wie ein Fussballfeld. Da kann man sich durchaus ausweichen. Ausserdem geht man da oben respektvoller miteinander um als in einer Studenten-WG. Wir werden schliesslich jahrelang auf unsere Mission vorbereitet.

Wie duscht man in der Schwerelosigkeit, wo das Wasser nicht abwärts fliesst?
Man holt sich einen kleinen Sack mit warmem Wasser, feuchtet ein Einwegtuch an und reibt sich damit ab. Duschen kann man das natürlich nicht nennen. Noch unbefriedigender ist jedoch das Haarewaschen mit einer Art Trockenshampoo. Weil man Schmutz und Shampoo niemals richtig aus den Haaren spülen kann, fühlen sie sich mit der Zeit nicht mehr so toll an.

Astronauten riechen wohl mit der Zeit etwas streng.
Nein, so schlimm ist es nicht, alles ist sehr geruchsneutral dort oben, sowohl die Menschen wie auch die Luft.

Wer hat in der ISS Ihre Haare geschnitten?
Das war mein amerikanischer Kollege Terry. Er hat vor dem Abflug sogar bei meinem Coiffeur in Houston Unterricht genommen. Terry brauchte für den Schnitt zweieinhalb Stunden, schliesslich muss man im All jedes abgeschnittene Haar sofort mit dem Staubsauger einfangen, wenn man nicht möchte, dass es in der Raumstation seine Runden dreht.

Während des Fluges zur Raumstation tragen die Astronauten Windeln, sie werden gewissermassen wieder zum Kleinkind. Fiel es Ihnen leicht, mit 37 Jahren in eine Windel zu pinkeln?
Ich habe mir deswegen keine Gedanken gemacht. Das viel grössere Problem ist die Schwerelosigkeit, die es einem nicht leicht macht, loszulassen. Es gibt da anscheinend Muskeln, die man nicht willentlich steuern kann. Manche Astronauten müssen sich sogar einen Blasenkatheter legen lassen. Die russischen Kosmonauten tragen übrigens keine Windeln, sie finden es wohl zu peinlich.

«MANCHMAL BLIEB ICH
VOR DEM SCHLAFENGEHEN
STUNDENLANG IN DER
CUPOLA. DAS PANORAMA
IST EINZIGARTIG.
UND WUNDERSCHÖN»

 

Wie funktioniert eine Weltraum-Toilette?
Ein Luftstrom sorgt dafür, dass alles in die richtige Richtung fliesst. Auf der ISS geht der Urin in einen Schlauch und wird zu Trinkwasser wiederaufbereitet. Feste Ausscheidungen kommen in einen Einwegsack.

Welchen Experimenten haben Sie sich in der Raumstation gewidmet?
Es waren Hunderte, und immer ging es um die Auswirkungen der Schwerelosigkeit. Wir untersuchten Pflanzen, kleine Tiere wie Fruchtfliegen, Zellkulturen, uns selbst, beschäftigten uns mit physikalischen Phänomenen wie Verbrennung, Strömungslehre, Materialwissenschaften – die Bandbreite war riesig. Auch die Pharma-Industrie wollte verschiedene Medikamente testen lassen.

In geschlossenen Systemen wie Gefängnissen, Frachtschiffen oder Altersheimen bekommt das Essen oft enorme Bedeutung. Und auf der ISS?
Selbst Kollegen, denen es auf der Erde total egal ist, was sie essen, sind die Mahlzeiten im Weltraum plötzlich doch wichtig. Man hat da oben nicht so viele Genüsse. Lionel, mein Lebensgefährte, hat es sogar geschafft, ohne mein Wissen ein eigens für mich hergestelltes Geburtstagsmenü an Bord bringen zu lassen: ein exquisit schmeckender Seeteufel an einer Rahmsauce mit Mandelbroccoli, Spargelspitzen und rotem Reis. Das haben wir dann während einer Videokonferenz gemeinsam verspeist, als ich 38 wurde, ich im All und er auf der Erde. Das meiste Essen ist allerdings gefriergetrocknet.

Schmeckt das so unerfreulich, wie es tönt?
Es ist ganz okay. Man kann ähnliche Beutel auch auf der Erde kaufen, in Outdoorshops für Bergsteiger. Ich hatte sogar dunkle Schokolade und italienisches Olivenöl dabei. Ausserdem bekommt jeder Astronaut einen kleinen Vorrat an Fertiggerichten, die speziell für ihn kreiert werden, meistens von einem Koch aus dem Heimatland. Alex, mein deutscher Kollege, hatte sich Käsespätzle gewünscht, Luca, ein Italiener, Lasagne und Tiramisù. Ich wollte lieber etwas Gesundes, Ausgewogenes, also habe ich mich für Quinoa-Salat und Hülsenfrüchtesuppe entschieden. Das war superlecker.

Braucht man im Weltraum einen BH?
Nicht unbedingt, das entscheidet jede Astronautin selbst. Ich trug im Alltag ein leichtes BH-Hemd und beim Training einen Sport-BH.

Baut man in der Schwerelosigkeit Muskeln ab?
Leider, ja. Man muss aber unbedingt stark bleiben, sonst hat man nach der Rückkehr auf die Erde ein Problem. Ausserdem brauchen auch Weltraumspaziergänge ziemlich viel Kraft. Deshalb sind auf der ISS täglich mehrere Stunden für Sport eingeplant. Es gibt an Bord eine Maschine mit Vakuumzylindern, mit der man trotz Schwerelosigkeit Gewichte stemmen kann, zudem ein Laufband und eine Art Velo-Ergometer ohne Sattel. Man verliert übrigens auch die gesamte Hornhaut an den Füssen. Sie werden so weich wie die von Neugeborenen.

Wie oft konnten Sie Ihren Lebensgefährten anrufen?
So oft ich wollte, da gibt es keine Einschränkungen. Das Schöne in der ISS ist, man kann von dort oben praktisch jede beliebige Nummer auf der Erde wählen, nur angerufen werden kann man nicht. Ich habe versucht, mich bei jedem meiner Freunde mindestens einmal zu melden. Es ist natürlich cool, einen Anruf aus dem All zu bekommen.

Kann man in der ISS Netflix schauen?
Zu meiner Zeit nicht. Inzwischen vielleicht schon, wer weiss? Man kann sich alles Mögliche wünschen, was einem dann vom Kontrollzentrum hochgeschickt wird: Filme, die «Tagesschau», meine amerikanischen Kollegen schauten sich immer Comedy-Shows an, ich bekam jeden Tag eine Episode der Sciencefiction-Serie «Battlestar Galactica». Das schönste Programm war für mich jedoch der Blick aus der Cupola, einer Beobachtungskuppel auf der ISS, die eine Panoramasicht auf die Erde ermöglicht. Manchmal blieb ich vor dem Schlafengehen stundenlang dort, schaute mir die endlose Abfolge von Meeren und Kontinenten, Wüsten und Gebirgen, Seen, Gletschern, Wäldern und Städten an. Einzigartig. Und wunderschön.

«MAN BAUT DA OBEN
MUSKELN AB. AUF DER ISS
SIND DESHALB TÄGLICH
MEHRERE STUNDEN FÜR
SPORT EINGEPLANT»

 

Was wäre passiert, wenn Sie dort oben krank geworden wären. Eine Blinddarmentzündung, ein eiternder Weisheitszahn ...
Wir hätten versucht, das mit Medikamenten zu behandeln. Wenn ein Eingriff nötig gewesen wäre, hätte die gesamte Sojus-Besatzung zurückkommen müssen. Das ist aber bis jetzt noch nie passiert. Die Ärzte versuchen, alle möglichen Probleme schon vorher auszuschliessen. Wir werden von Kardiologen, Orthopäden, Augenärzten, Gynäkologen, HNO-Ärzten, Psychiatern, Zahnärzten, Gastroenterologen, Radiologen und von Ultraschallspezialisten durchgecheckt. Natürlich sind wir alle auch für medizinische Notfälle geschult. Eine ziemliche Herausforderung, so eine Herzdruckmassage in der Schwerelosigkeit.

Wie hat es sich angefühlt, nach der Landung plötzlich wieder die Erdanziehung zu spüren?
Furchtbar. Es war ein richtiger Schock. Man fühlt sich nicht, als ob man sein normales Gewicht zurückbekommen hätte, sondern tonnenschwer. Alles ist entsetzlich anstrengend. Der Körper und vor allem das Gehirn müssen sich komplett umstellen. Plötzlich ist es vorbei mit der Leichtigkeit.

Haben Sie es überhaupt geschafft, aus dem Landemodul herauszusteigen?
Nein. Das sollte man auch nicht tun, denn man könnte das Bewusstsein verlieren, wenn das Herz es nicht schafft, genug Blut in den Kopf zu pumpen. Man wird aus der Kapsel herausgetragen und liegt dann eine Weile auf einem Feldbett in der kasachischen Steppe, wo ein Zelt aufgebaut ist für die ersten medizinischen Checks. Dann geht man vielleicht ein paar Schritte bis zum Helikopter. Meine Beine fühlten sich an wie zwei Zahnstocher, auf denen ein Fels balanciert.

Wie lang dauert es, bis sich der Körper wieder an die Schwerkraft gewöhnt?
Die Wahrnehmung des Gewichts normalisiert sich relativ schnell, vielleicht innerhalb eines Tages. Aber die Muskeln müssen sich ja auch wieder an die Bewegungsabläufe anpassen, an das Gehen, das Aufrechthalten. Das dauert viel länger. Beim Sitzen tat mir das Gesäss weh, beim Gehen schmerzten die Fusssohlen, und wenn ich einen richtigen BH trug, schnappte ich nach Luft.

Das tönt wie ein schlimmer Kater nach dem Schwerelosigkeitsrausch im All.
Es war für mich die schwierigste Zeit. Das Ziel war erreicht, die Mission abgewickelt, das Adrenalin fehlte mir. Zwar gibt es noch Nachbesprechungen, und man macht sehr viel Öffentlichkeitsarbeit. Alle möchten die Astronauten haben, die gerade aus dem Weltraum zurückgekommen sind. Man ist plötzlich ein Star im eigenen Land. Dabei sehnt man sich eigentlich nur nach Ferien. Auch für die Familie ist das nicht leicht. Endlich ist man wieder da, und dann ist man doch nie zuhause, weil man ständig Auftritte und Termine hat.

«MAN IST PLÖTZLICH
EIN STAR IM EIGENEN LAND.
DABEI SEHNT MAN
SICH NUR NACH FERIEN»

 

Hat der Aufenthalt im All Sie verändert?
Er ist Teil meiner Geschichte, aber ich bin dadurch keine andere geworden. Ein Unfall oder eine Krankheit wären viel extremer.

Sind Sie von dort oben mit neuen Erkenntnissen zurückgekommen?
Ich glaube nicht, nein. Auch bei meinen Kollegen kann ich das ausschliessen. Und wenn doch, so haben sie es gut versteckt.

Können Menschen eines Tages im All leben?
Eines Tages vielleicht schon. Aber in naher Zukunft eher nicht. Die Schwerelosigkeit ist problematisch für die Gesundheit. Sie bringt auf Dauer alle Körpersysteme durcheinander.

Worin besteht Ihre aktuelle Aufgabe bei der ESA?
Seit einem Jahr beschäftige ich mich hauptsächlich mit Gateway, das ist der Name einer kleinen Raumstation, die im nächsten Jahrzehnt um den Mond fliegen wird. Sie soll eine Art Kommandoposten für Missionen auf der Mondoberfläche werden. Zusammen mit den Amerikanern baut die ESA auch das Raumschiff, das die Astronauten hinbringen wird, es heisst Orion.

Werden Sie wieder ins All geschickt?
Davon gehe ich aus. Zunächst werde ich vermutlich noch einmal zur ISS fliegen, diesmal vielleicht mit einer der amerikanischen Raumfähren, die gerade in der Endphase der Entwicklung sind. Danach womöglich auf den Mond.

 

Über ihre Ausbildung und die Zeit auf der ISS hat Samantha Cristoforetti ein Buch geschrieben: So detailreich, dass man nach der Lektüre beinah schon selbst ins All fliegen könnte! Die lange Reise – Tagebuch einer Astronautin. Penguin-Verlag, 2019, 496 Seiten, ca. 37 Franken

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