Apropos Mode

Homeoffice ja – aber bitte nicht im Pyjama

Text: Jacqueline Krause-Blouin; Foto: GettyImages 

  • Diane von Fürstenberg verfiel keiner Pyjama-Falle:

    Kompetentes Outfit, klarer Kopf: Den Trick kannte Diane von Fürstenberg bereits 1972

     

Na, schon wieder die Wohlfühlsocken übergestülpt? Dann ab auf die Couch – äh, ins Büro! Oder an den Küchentisch – je nachdem, von wo aus Sie gerade arbeiten. Die Wege sind ja komfortablerweise kurz zurzeit. Und offensichtlich hat das direkten Einfluss auf unser Erscheinungsbild. Nie zuvor habe ich im Corporate-Kontext so viele Kapuzenpullover und Fleecejacken gesehen. Sind die Zeiten nicht schon hart genug? Wollen wir es dazu auch noch Zuckerberg gleichtun und die Hoodie-Helden spielen? Ich zumindest vertrete die Meinung, dass man der Homeoffice-Tristesse eine textile Antwort in Form von Klasse entgegensetzen muss, um sich einen Rest Würde zu bewahren.

Und die Forschung gibt mir recht: Einer Studie der California State University zufolge beeinflusst die Art, wie wir uns kleiden, direkt unsere Art zu denken. Professionell gekleidet, sind wir eher in der Lage, Dinge zu abstrahieren und klare Entscheidungen zu treffen. Kleidung, in der wir uns kompetent fühlen, verändert Körperhaltung, Stimmlage und Energielevel. Und ganz ehrlich: Wollsocken und Yogahose geben uns doch stets die stille Erlaubnis, mal eben eine Episode «Sex Education» zu streamen. Und wir wissen alle, dass die eine Netflix-Folge wie der eine Drink in der Bar ist – ein urbaner Mythos.

Ausserdem: Wollen Sie wirklich Ihrer Chefin suggerieren, dass Sie nach dem Video-Call direkt wieder rüber auf die Couch rollen? Die Corona-Krise ist für viele von grosser Tragik. Wenn man das Glück hat, sich nicht mit existenziellen Fragen herumzuschlagen, sondern lediglich die Homeoffice-Zeit überstehen muss, gilt: Ob man sich dem Elend dieser Situation vollends ausliefert, ist nicht zuletzt eine Frage der Garderobe. Sie müssen ja nicht gleich wie Carrie Bradshaw Marabufedern zum E-Mail-Schreiben tragen, aber ein wenig Laptop-Chic schadet auch zuhause nicht. Ausserdem – und das ist beinah das Wichtigste – kann man nur, wenn man Arbeitskleidung trägt, selbige um 18 Uhr auch wieder ausziehen. Auch im Homeoffice gibt es schliesslich Feierabend.

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