Thierry Mugler

«Mode ist Service»

Interview: Niklaus Müller; Fotos: Thierry Mugler

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Looks aus der Winterkollektion 1995/96

Launch des Dufts Aura in Paris: Manfred Mugler und seine Muse. Künstlerin Nina de Lianin

Muglers neuer Duft Aura

Weg mit dem intellektuellen Unsinn!, sagt Designer Thierry Mugler, der sich neu Manfred nennt und keine Mode mehr machen will.

Er hat die Mode der Achtzigerjahre massgeblich beeinflusst. Thierry Muglers Kreationen waren sehr körperbetont: XXL-Schultern, extreme Wespentaillen, akzentuierte Hüften und Beine – endlos lange Beine. In seinen Powersuits fühlten sich Frauen wie Heldinnen in einer Rüstung. 1992 lancierte er seinen ersten Duft Angel, inzwischen ein Klassiker. Doch mit Mode will der gebürtige Strassburger seit 15 Jahren nichts mehr zu tun haben. Inzwischen hat er sich durch Bodybuilding, Operationen und Spiritualität äusserlich und innerlich verändert. Er nennt sich jetzt Manfred Mugler, und Manfred macht nur noch, was ihm Spass macht.

annabelle: Manfred Mugler, wieso haben Sie aufgehört, Kleider zu machen?
Manfred Mugler: Ich kam an einen Punkt, an dem es mich nicht mehr ausgefüllt hat. Es war nur eine von vielen Arten, mich auszudrücken. Ich habe mit zwölf Jahren als Regisseur angefangen, und meine Lady Macbeth war neun. Danach wurde ich Tänzer, dann Modeschöpfer. Ich habe so lang Mode gemacht, wie ich konnte. Sie wurde ein riesiges Geschäft, beinah zu gross für einen Künstler. Ich wollte andere Dinge machen: Lieder komponieren, Shows inszenieren.

Wie hat sich die Modewelt in den letzten 40 Jahren verändert?
Sehr stark. Als ich angefangen habe, war die kreative Seite der Mode das Wichtigste. Heute geht es nur noch ums Geschäft. Das Geld schreibt den Kreativen vor, was sie zu tun haben. Es gibt immer noch viele talentierte Modeschöpfer, aber niemand gibt ihnen Geld, um sie zu fördern. Für junge Modekünstler wird es immer schwieriger. Oft verhindern die Labels die kreativen Outputs der Designer nur des Geldes wegen.

Die Modebranche scheint sehr unsicher zu sein und lässt sich vor allem von der Vergangenheit inspirieren. Sehen Sie das ähnlich?
Ja, dem stimme ich zu. Aber Jahreszahlen sind für mich nicht so wichtig. Wenn etwas toll aussieht und qualitativ hochwertig gemacht ist: Ob die Idee jetzt 50 Jahre oder 2000 Jahre alt ist, wo liegt der Unterschied?

Wie sehen Sie die Zukunft der Mode?
Es geht doch darum, Kleider für Menschen zu machen. Die Mode bietet einen Service und hilft Menschen, sich wohlzufühlen. Nichts zu Kompliziertes, bloss eine Hilfe, damit sie sich schöner und stärker fühlen. Weg mit konzeptuellem oder intellektuellem Unsinn! Die Zukunft der Mode wird die Technik sein: 3D-Drucker, Stoffe, die auf den Körper reagieren, und andere High-Tech-Errungenschaften. Das wird spannend!

Wie sehen Ihre eigenen Pläne für die Zukunft aus?
Ich werde Möbel und Einrichtungen entwerfen. Und mache weiterhin Shows. Das Showbusiness lässt mich nicht los. Und natürlich Düfte. Düfte sind zeitlos und handeln eigentlich nur von Emotionen. Parfum ist magisch, weil es Menschen anziehend machen kann. Auch mein neuer Duft Aura.

Welche Farbe hat denn Ihre Aura?
Meine Aura ist golden. Das hat man mir zumindest gesagt. Ich habe schon einmal die Aura eines heiligen Mannes gesehen, und seine Aura war grün. Grün ist die Farbe des Geists, des Friedens und der Konzentration. Sowie diejenige der Hoffnung.

Haben Sie deswegen die Farbe Grün für das Flacon Ihres neuen Dufts gewählt?
Ich wollte ein drittes Parfum lancieren, das wie Angel und Alien mit dem Buchstaben A beginnt. Vor fünf Jahren habe ich damit angefangen. Der erste Schritt war eine Zeichnung. Ich suchte nach einem Symbol, wie bei Angel der Stern, das jeden Menschen berührt, und kam auf ein Herz. Ein Herz, das von einem M umschlossen wird. M steht für meinen Namen, aber auch für Magie. Das Flacon soll ein magisches Objekt sein, ein Glücksbringer. Und Grün war die logische Farbe dafür. Es ist eine Rückkehr zur Natur, die wir in uns tragen.

Niklaus Müller

Kosmetik und Schönheit haben den annabelle-Beautychef schon immer fasziniert. Aber auch andere schöne Dinge des Lebens interessieren den Basler: gutes Essen, Musik, Film und Reisen.

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