Werbung
Vollmond im Stier: Liberté, Égalité, Teddybär

Vollmond im Stier: Liberté, Égalité, Teddybär

Die Lektion dieses Vollmonds: Liebe ist kein Besitz, sondern Fürsorge, schreibt unsere Astrofee Alexandra Kruse. Was uns sonst noch erwartet.

Das Universum dachte sich offenbar, es sei eine gute Idee, Venus UND Merkur gleichzeitig rückläufig werden zu lassen und mit einem sehr gegensätzlichen Vollmond im Stier, ohne mit der Wimper zu zucken, ein riesiges Chaos anzustellen.

Dazu vielleicht noch ein paar Sturmböen, der immer rasanter werdende Wind of Change und ein bisschen frühes Halloween-Candy und diese schrecklich-schöne Serie «The Shards», die im L.A. der Achtzigerjahre spielt.

Eigentlich wäre ich jetzt chic mit meiner Verliebten und dem TGV auf dem Weg nach Paris zur Art Basel. Im Oktoberlicht Kunst anschauen, im Hotel Œuf à la coque avec des Mouillettes löffeln, ein paar Brüste im Moulin Rouge bestaunen, knutschen und wahrscheinlich genau dieselben Posts machen wie alle anderen.

Ein abgebranntes Lime-Fahrrad. Next slide: Gagosian. Next slide: Jemand in Prada vor einem Werk, das aussieht wie ein Heizkörper und so viel kostet wie eine Dreizimmerwohnung in Wiedikon im Jahr.

Angst ist keine Lösung

Stattdessen sitze ich brav und erschlagen zu Hause. Ist Herbstmüdigkeit ein Ding? Kann ich einen Winterschlaf beantragen? Und während ich diesen Text schreibe, werden gerade die letzten beiden Messetage abgesagt, aus Angst vor angekündigten Randalen! Ob das richtig oder falsch ist, lassen wir mal kurz dahingestellt.

Angst ist jetzt jedenfalls keine Lösung, auch wenn die Schatten an den Wänden deutlich besser zeichnen und es wirklich sehr viel früher sehr viel dunkler wird! Ich könnte mich schon fragen, ob jetzt wirklich gleich unsere gesamte persönliche Infrastruktur in die Werkstatt muss.

Okay, ich war gefühlt das ganze Jahr unterwegs und muss jetzt schlicht Jahreshoroskope schreiben, statt in der Dalí-Suite dem Hedonismus zu frönen.

Und ich denke wirklich ernsthaft darüber nach, meinem Handy einen kleinen Sarg zu bestellen. Samt Ladekabel. Eine würdige Beisetzung, natürlich vielleicht mit Blumen.

Wir boarden Ghost Season

Wir boarden gerade ziemlich offensichtlich Ghost Season, am 23. Oktober zog die Sonne in den Skorpion, ins gruselige Zeichen von Tod, Verwandlung und allem, was wir so sorgfältig unter den Teppich gekehrt und in den Dunkelkammern unserer Seele versteckt haben.

Das Schöne: In verrückten, sich wandelnden Zeiten wie diesen gibt es immer wieder Wunder. Zum Beispiel dieses: Paul ist ein Teddybär, und dieser war verschwunden. Ein ganzes Jahr lang.

Irgendwo am Düsseldorfer Flughafen zwischen Gate und Gepäckband hat ein kleiner Junge seinen besten Freund und Hüter all seiner Träume und Geheimnisse verloren. Paul hat gewartet, zwischen vergessenen Regenschirmen, einem einzelnen Ski und mindestens drei Nackenkissen.

Ohne zu wissen, ob ihn überhaupt noch jemand vermisst. Und weil Magie eben real ist, suchen und finden Flughafenmitarbeitende mithilfe der sozialen Medien seine Familie.

Was ist mit den Dingen, die zwischen den Zeilen stattfinden?

Wir haben gar keinen Platz mehr für Berührbarkeit und Wunder. Stattdessen bewerten wir Hotels, Menschen, Körper, Karrieren und gelegentlich sogar unsere Liebesbeziehungen die ganze Zeit wie ein mittelmässiges Airbnb: schöne Fotos, aber "WLAN geht nicht" und "Gastgeber antwortet erst nach drei Tagen"

Daumen hoch, Daumen runter. Vier Sterne, mit Abzug für Kommunikation. Zahlen, Daten, Fakten. Und was ist mit den Dingen, die sich nicht berechnen lassen? Die zwischen den Zeilen stattfinden? Vertrauen, Anstand, Zärtlichkeit, Nächstenliebe, Extrameilen? Einem Versprechen, das gehalten wird? Einem Menschen, der aufhebt, was anderen runtergefallen ist?

Am 26. Oktober um 5.11 Uhr Schweizer Zeit leuchtet der Vollmond im gemütlichen Stier und will genau diese Inventur unserer Werte. Der Stier ist das erste Erdzeichen des Tierkreises, zuständig für unsere materiellen und immateriellen Sicherheiten, unsere Ressourcen, unsere Sinne und unseren (Selbst-)Wert.

Was habe ich? Was brauche ich? Was ist genug? Was bin ich mir selbst wert? Brauche ich wirklich eine dritte Lederjacke in Cognac?

Gegenüber steht die Sonne ganz neu im giftigen Skorpion. Dort, wo wir uns mit Abhängigkeiten, Verlustängsten, Macht, Intimität und den Dingen beschäftigen, über die man beim ersten Date eher selten spricht.

Die Achse zwischen Haben und Teilen

Das ist die Achse zwischen Haben und Teilen. Zwischen Sicherheit und Hingabe. Der Stier will festhalten, der Skorpion aber weiss, dass alles vergeht. Der Stier sagt: Das ist meins. Der Skorpion flüstert: Bis du es verlierst. Funfact: Beide haben recht.

Der Mond fühlt sich im Stier so wohl wie ich bei Hermès und will alles und zwar mit allen Sinnen. Sinnlichkeit ist für den Stier-Mond die Basis von allem und sicher kein Luxusproblem.

Drum: Wer mit allen Sinnen im Moment ist, kann nicht gleichzeitig doomscrollen. Niemand hat je ein Fondue gegessen und dabei die Menschheit gehasst. Der Stier weiss: Genuss ist immer ein Gegengift gegen die Angst und eine Erinnerung daran, wofür es sich lohnt, diese Welt zu verteidigen.

Für Butter auf warmem Brot. Für Musik, die uns unter die Haut geht. Für einen richtigen Kuss, ägyptische Baumwolle und doppelten Kaschmir.

Als wäre das alles nicht schon genug Stoff für ein Staffelfinale von «Emily in Paris im Sturm der Revolution», regiert über diesen Vollmond ausgerechnet Venus. Die Göttin der Liebe, der Schönheit, des Geldes und unserer Werte.

Emotionale Kellerabteile werden inspiziert

Seit dem 3. Oktober ist sie rückläufig. Die Liebesgöttin im Exil ist dabei, sämtliche emotionalen Kellerabteile zu inspizieren: Alte Liebesgeschichten, Eifersucht, Besitzansprüche, gemeinsame Konten und die Frage, wer eigentlich wie viel gibt.

Hand hoch, wer noch nie um 2 Uhr das Handy von der:dem Partner:in in der Hand hatte. Besitzansprüche sind selten ein Beweis von Liebe. Manche Geister sind gerade erstaunlich lebendig und melden sich cute um 1.12 Uhr nachts. Klassischer Venus-Retrograde-Spuk. Und hoffentlich kein Fall von Amnesie.

Am 24. Oktober trifft Venus auf die Sonne. Und Merkur wird rückläufig, auch im Skorpion! Wer «Wir müssen reden» bisher für eine Drohung hielt, wird in den nächsten drei Wochen feststellen: Es ist ein Lebensgefühl!

Auch das eher nicht casual. Ein sogenannter Cazimi. Ein Moment der Klärung, der im Darkroom unserer Seelen stattfindet: Wie bei einem analogen Foto im Entwicklerbad taucht langsam ein Bild auf, das wir lange nicht gesehen haben.

Das Ende eines achtjährigen Zyklus

Das Ganze beendet einen achtjährigen Zyklus, der am 26. Oktober 2018 begann. Und es wird noch verrückter: Würden wir diese Treffpunkte über die Jahre verbinden, entstünde am Himmel das berühmte fünfzackige Venusmuster, ein himmlisches Pentagramm.

Die Liebesgöttin hat offenbar eine Schwäche für gutes Design und Witchcraft. Frage also: Was ging 2018? Und wen haben wir damals festgehalten, obwohl wir längst hätten loslassen müssen? Welches Beziehungsmuster hat seitdem zwar mehrfach die Besetzung gewechselt, aber immer noch dasselbe Drehbuch? Anderer Name, andere Stadt, gleicher Plot-Twist im dritten Monat. Na?

Das Gute: wir sind gerade alle Spion:innen und Geheimagent:innen. Mata Hari! Die Skorpion-Energie macht uns zu Top-Profiler:innen unserer eigenen Liebesgeschichte.

Am 25. Oktober kehrt Venus dann in die Waage und damit in ihr eigenes Zeichen zurück. Nach dem Skorpion-Krimi folgt die Paartherapie: Fairness, Gegenseitigkeit und die Kunst, miteinander auszukommen.

Denn Liebe ist keine olympische Disziplin im Durchhalten und schon gar kein Freifahrtschein für schlechtes Benehmen.

Wir gehören einander nicht

Als Sahnehäubchen bildet der Vollmond eine spannungsreiche Verbindung zu Pluto im Wassermann. Pluto ist kein Planet für kosmetische Korrekturen. Er macht kein Botox, er reisst die Fassade ab.

Ist es nur Zufall, dass Pluto, gerade im Wassermann und zuständig für Revolutionen aller Art, das letzte Mal zu Zeiten der Französischen Revolution im Wassermann war?

Er will wissen, wer in unseren Beziehungen eigentlich die Macht hat. Wer entscheidet, wer kontrolliert, wer sich kleinmacht. Liberté, Égalité und Fraternité auch im Schlafzimmer.

Am Ende zählt nicht, was wir festhalten. Sondern es geht darum, wer uns sucht, wenn wir verloren gehen (Stichwort: Paul).

Die Lektion dieses Vollmonds: Liebe ist kein Besitz. Liebe ist Fürsorge. Wir können einen Menschen nicht besitzen, aber wir können ihn beschützen, vermissen, suchen, wiederfinden. Wir gehören einander nicht.

Und: Liebe ist die einzige Superkraft, die zwei Wahrheiten gleichzeitig aushalten kann. Wie eine Oma, die am Sonntagstisch ihren Klimaaktivisten-Enkel und ihren SUV-Schwiegersohn mit derselben Lasagne versorgt.

Menschlich sein und bleiben

Und wir müssen menschlich sein. Und menschlich bleiben. Gerade dann, wenn draussen Absperrgitter stehen.

Der Stier darf festhalten, was ihm guttut: den Körper, den Genuss, die Menschen, die bleiben. Und der Skorpion darf loslassen, was nur noch aus Angst gehalten wird: die Eifersucht, den Kontrollblick aufs Handy, die Geschichten von 2018.

Halloween, Samhain, die dunkle Jahreszeit sind dafür die perfekte Bühne. Die Schwelle zwischen dem, was war, und dem, was werden möchte, ist eine wunderbare Gelegenheit, die eigenen Geister zu sortieren. Trick or Treat und happy witchy Season. Let Love win!

Werbung

1.

1.

Wir geben diese Woche etwas zurück, das nicht uns gehört.

Die Tupperdose von Mama. Das Buch, das wir seit 2018 «gerade lesen». Den Hoodie vom Ex, den wir aus Prinzip behalten haben? Optional. Und dann suchen wir drei Dinge in unserer Wohnung, die auf Ricardo keinen Franken bringen, für uns aber unbezahlbar sind. Das ist unser echter Besitz. Krisensicher, inflationsresistent und garantiert nicht verhandelbar.

2.

2.

Angst benennen.

Wenn uns diese Woche die Eifersucht packt, beim Like, beim späten Heimkommen, bei der neuen Kollegin, dann greifen wir nicht zum Handy des anderen, sondern zu unserem eigenen. Notizen-App, ein Satz: «Eigentlich habe ich Angst, dass …» Was steht da? Nicht genug zu sein? Verlassen zu werden? Erst wenn wir die Angst beim Namen nennen, können wir darüber reden. Ohne Verhör.

3.

3.

Venus-Retrograde-No-Go-Liste im Auge behalten.

Bis Mitte November gilt: keine Trennung per WhatsApp, kein Spontan-Heiratsantrag, keine Grundsatzentscheidungen. Venus rückläufig ist Recherchephase, keine Urteilsverkündung. Und: Keinen Pony schneiden!

4.

4.

Full Moon Magic: Frühstück im Bett.

Der Stier-Mond will Genuss, nicht Theorie. Also stehen wir am Sonntag früher auf und bringen jemandem Frühstück ans Bett. Dem:der Partner:in, der Mitbewohnerin, den Kindern, der Mama. Oder uns selbst. Frische Gipfeli, richtiger Kaffee, Butter, Konfi, eine Blume aus dem Garten oder aus dem Laden. Das Handy bleibt in der Küche. Wir essen langsam, mit Krümeln im Bett und ohne schlechtes Gewissen. Die kleinste Liebeserklärung der Welt. Und vielleicht die schönste.

5.

5.

Merkur rückläufig im Skorpion: Unsere innere Privatdetektivin macht Überstunden.

Bevor wir aus drei Likes und einem fehlenden Herzchen eine achtteilige True-Crime-Serie produzieren, fragen wir uns: Was wissen wir wirklich? Was reimen wir uns zusammen? Wir fragen nach und führen die Gespräche, um die wir seit Monaten herumtanzen. Über Sex, Geld, Vertrauen. Unbequem? Vielleicht. Befreiend? Hoffentlich!

Abonniere
Benachrichtigung über
guest
0 Comments
Älteste
Neuste Meistgewählt