Amara (41): "Willst du mir damit sagen, dass ich vorher scheisse aussah?"
In unserer Rubrik "Bodybuilding" zeigt sich eine Frau nackt und spricht über ihr Verhältnis zu ihrem Körper. Diesmal erzählt Amara (41) wie Wissen ihr Körpergefühl verbesserte.
- Von: Michèle Roten
- Bild: Sara Merz
«Ich erlebe als Wochenbett-Pflegefachfrau ganz viele Frauen, die keinen Bezug zu ihrem Körper haben. ‹Wie, ich soll meine Brust anfassen? Igitt.› Oder: ‹Stillen? Ich glaube, das kann ich nicht.› Und dann sage ich ihnen: ‹Hey. Dein Körper hat gerade ein Kind gebaut. Dein Körper ist super. Du bist super.›
Was ich leider auch oft sagen muss: ‹Leg bitte das Handy weg und schau dein Baby an.› Und: ‹Du musst nicht zwei Stunden nach der Geburt wieder Insta-ready aussehen.›
Wir sollten unsere Aufmerksamkeit weg vom Aussehen und hin zu dem lenken, was ein Frauenkörper kann. Auch ich habe lange an meinem Äusseren herumkritisiert. Ich bin aufgewachsen in einer Generation, in der es hiess: ‹Iss den Teller leer.› Gleichzeitig war es normal, ständig das Gewicht von Frauen zu kommentieren.
"Seit ich mehr verstehe, habe ich mehr Frieden"
Verändert hat sich mein Körperbezug erst, als ich mich mit meinem Zyklus auseinanderzusetzen begann. Seit ich mehr verstehe, habe ich mehr Frieden. Bevor ich Mutter wurde, war ich zum Beispiel unsicher, weil meine Brustwarzen nicht gleich aussehen. Beim Stillen wurde mir klar: Mein Baby interessiert das null.
Ich habe gerade ziemlich viel abgenommen und fühle mich sehr wohl – merke aber auch, dass mich die Leute erst jetzt wahrnehmen. Ich bekomme Komplimente und habe Mühe, sie anzunehmen – weil ich denke: Willst du mir damit sagen, dass ich vorher scheisse aussah?
Ich glaube, meine Töchter wachsen mit einem gesunden Körpergefühl auf. Ich sage immer: Das Gewicht ist nur ein Thema, wenn es um den Kindersitz im Auto oder um Medikamenten-Dosierungen geht.»