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Endometriose-Spezialist: «Menstruationsbeschwerden wurden viel zu lange belächelt»

Gesundheit

Endometriose-Spezialist: «Menstruationsbeschwerden wurden viel zu lange belächelt»

Endometriose ist eine Krankheit, die Abertausenden von Frauen immense Schmerzen bereitet – und deren Lobby dennoch verschwindend klein ist, sagt Experte Patrick Imesch.

Dieser Artikel ist erstmalig am 12. April 2022 erschienen.

 

Damit ich diesen Text schreiben kann, habe ich eben ein Schmerzmittel – Ibuprofen 600 – geschluckt und drücke mir eine Wärmeflasche auf den Bauch. Ich schwitze und ich zittere. Heute ist der erste Tag meiner Menstruationsblutung. Meine Vermutung: Ich leide an Endometriose, so wie schätzungsweise sechs bis zehn Prozent aller Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter, das sind zwischen 190 000 und 280 000 in der Schweiz.

Der Schmerz entsteht durch gutartige Wucherungen aus gebärmutterschleimhautartigem Gewebe. Häufig befinden sich diese so genannten Endometriose-Herde im unteren Bauchhohlraum, an den Eierstöcken, in den Eileitern. Wie die Gebärmutterschleimhaut wachsen die versprengten Herde während des Monatszyklus ebenfalls an, und beginnen zu bluten, wenn die Menstruation einsetzt. Das verursacht Entzündungen, Zysten und lähmende, krampfartige Schmerzen, die so stark sein können wie Wehen.

Weshalb fristet diese Krankheit, die so vielen Frauen monatlich immense Schmerzen bereitet, noch immer ein Schattendasein? Warum weiss man auch heute noch verhältnismässig wenig darüber? Ein Experte auf diesem Gebiet ist der Gynäkologe Patrick Imesch. Er hat das Endometriosezentrum des Universitätsspitals Zürich gegründet und führt heute eine Praxis in der Privatklinik Bethanien.

annabelle: Patrick Imesch, seit meiner ersten Periode habe ich starke Schmerzen. Habe ich meine Tage, krümme ich mich regelmässig auf dem Badezimmerboden. Denken Sie, dass ich Endometriose habe?
Patrick Imesch: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, obwohl natürlich auch andere Diagnosen möglich sind. Endometriose ist eine Krankheit, die jede zehnte Frau betrifft. Wenn man regelmässig solch starke Menstruationsbeschwerden hat, dass man Medikamente einnehmen muss, empfehle ich dringend eine Abklärung.

Als diese Schmerzen begannen, war ich 14-jährig und meine Mutter meinte: Das gehört leider dazu. Auch sie litt unter starken Schmerzen. Warum wussten wir vor zwanzig Jahren nichts von dieser Krankheit?
Diese Geschichte ist der Klassiker. Das Unwissen steckt in der Familie. Wenn die Tochter zum ersten Mal menstruiert und grosse Schmerzen hat, dann wendet sie sich meist an ihre Mutter, die aber vielleicht selbst unter starken Regelschmerzen leidet und ihr sagt, dass das ganz normal sei. Dabei ist es das nicht. Schuld daran ist die Tatsache, dass die Ärzteschaft Menstruationsbeschwerden viel zu lang belächelt hat. Deswegen sage ich immer: Endometriose ist eine Krankheit ohne Lobby.

Wie kläre ich ab, ob ich Endometriose habe?
Sie müssen Ihre gynäkologische Fachperson konkret auf Ihren Verdacht ansprechen. Ich höre leider viel zu oft, dass es nicht reicht, wenn die Patientin sagt, dass sie Regelbeschwerden hat. Die Gynäkolog:innen müssen Endometriose jedoch auch als mögliche Diagnose im Hinterkopf haben, sonst ist sie leicht zu übersehen. Denn die Schleimhautinseln sind teilweise so klein, dass sie weder im Ultraschall noch im MRI zu sehen sind. Und dann heisst es: Wenn ich nichts sehe, dann bist du auch nicht krank.

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«Die Ärzteschaft hat Menstruationsbeschwerden viel zu lang belächelt»

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Früher hat man meist direkt zur Operation geraten, um zu schauen, wo die Endometriose-Herde genau wuchern. Das ist heute zum Glück nicht mehr zwingend so. Wenn der Verdacht da ist und die Symptome passen, verschreibe ich häufig Hormonpräparate. Die Pillen bestehen aus Gelbkörperhormonen, weiblichen Sexualhormonen, die den Zyklus und damit auch die Blutung unterdrücken.

Das heisst, man hat dann keine Periode mehr?
Ja, wir nutzen aus, dass die Endometriose-Herde dem Zyklus unterworfen sind. Wenn die Beschwerden weniger werden, ist das ein indirekter Beweis, dass es Endometriose ist.

Wann ist eine Operation notwendig?
Wenn die Schmerzen mit Medikamenten allein nicht mehr zu kontrollieren sind oder wenn Organe unter der Erkrankung leiden, beispielsweise wenn der Darm oder der Harntrakt eingeengt wird. Da es sich jedoch um eine chronische Krankheit handelt, kann man Endometriose nicht einfach wegoperieren. Es kann gut sein, dass die Schleimhaut einfach wieder nachwächst. Deswegen braucht es zusätzlich einen langfristigen Plan, beispielsweise die bereits erwähnten hormonellen Präparate.

Ich habe zum ersten Mal auf Social Media von Endometriose gehört. Die US-Schauspielerin Lena Dunham dokumentiert auf Instagram ihr Leiden mit der Krankheit. Was halten Sie von solcher Aufklärungsarbeit?
Ich befürworte sie. Es zeigt leider auch, dass viele Fachleute nicht genügend aufklären. Gerade bei so einer übersehenen Krankheit kann es helfen, wenn prominente Frauen öffentlich darüber sprechen. Es gibt noch weitere Beispiele. Die Musikerin Dolly Parton. Und Marilyn Monroe hatte mehrere Operationen deswegen. Das wurde aber vertuscht.

Marilyn Monroe soll ja sehr unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch gelitten haben. Kann das mit der Endometriose zusammenhängen?
Leider ja. Endometriose kann dazu führen, dass man nicht schwanger werden kann. Weshalb, weiss die Wissenschaft aber bis heute nicht genau.

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«Die Medizin wird weiblicher, vor allem auch in der Gynäkologie»

Warum steht es so schlecht um die Bekanntheit und Erforschung von Endometriose? Weil es eine reine Frauenkrankheit ist?
Sicher liegt es auch daran, dass es sich um keine tödliche Erkrankung handelt und die Pharma-Industrie damit wenig Geld verdienen kann. Aber es hängt bestimmt auch damit zusammen, dass die Gynäkologie, wie die gesamte Medizin, lang in Männerhand lag. Da gab es wenig Interesse, diese Frauenkrankheit zu erforschen. Diesbezüglich kann ich Sie aber beruhigen. Die Medizin wird weiblicher, vor allem auch in der Gynäkologie.

Wird es bald ein Heilmittel geben?
In den nächsten Jahren ist leider kein Knüller in Sicht. Die Medikamente, die wir derzeit anwenden, wirken aber grundsätzlich gut. Sie haben einfach einen schlechten Ruf.

Sie meinen die hormonellen Medikamente?
Ja. Ich merke, dass vor allem jüngere, urbane Frauen mit hoher Schulbildung diesen Medikamenten sehr kritisch gegenüberstehen.

Ich persönlich habe ebenfalls wenig Lust darauf, jeden Tag Hormone zu schlucken.
Hormone haben einen schlechten Ruf, daran tragen wir Ärzt:innen eine Mitschuld. Wir müssen solche Präparate auch nicht schönreden. Aber bei einer hormonabhängigen Erkrankung, was Endometriose nun mal ist, macht es Sinn, dass man mit Hormonen gegen sie vorgeht.

Das heisst: entweder Schmerzen erdulden oder Hormone einnehmen?
Eine Patientin sagte mir mal, dass die Endometriose sie zwar nicht ins Grab bringen werde, aber dass es trotzdem eine bösartige Krankheit sei, weil sie ihr ganzes Leben Monat für Monat auf den Kopf stelle. Es gibt nebst Hormonpräparaten auch komplementärmedizinische Ansätze, wie Physio-, Schmerz- und Ernährungstherapien, die einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten können. Ganz ohne Hormone kann eine langfristige Behandlung aber nicht funktionieren.

Patrick Imesch gründete das Endometriosezentrum am Universitätsspital Zürich. Heute leitet er eine Praxis in der Privatklinik Bethanien.

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Martina

Danke für diesen Beitrag. Es ist wichtig darüber zu sprechen.

Melanie Brugger, Mel B.

Ich bin Mel B. Bloggerin (@mel_b_blog) und Privat Chef, und litt seit meiner Kindheit an extrem starker Endometriose.
Man hat sie Jahre lang nicht gesehen erkannt, ich war X Mal notfallmässig Jahren ins Unispital wenn ich wieder solche immensen Schmerzen hatte und nie hatte einen Arzt Verdacht auf Endometriose. Dann meine Gotte als ich 29 Jahre alt war las über diese Krankheit und gab mir dieses Artikel. So ging ich zu meinem Hausarzt und sagte nun will ich eine Bauchspiegelung, denn ich bin sicher betroffen.

Tatsächlich kamen nach der Operation 2 Ärzte im USZ zu mir und sagten ich hätte Endometriose im 4. Stadion und könne nun nie mehr spontan schwanger werden.

Meine Geschichte ist lang und ich könnte darüber ein Buch schreiben!

Für mein ganzes Leben lang war die Endometriose einschneidend. Für meine Selbständigkeit, meine Beziehungen, denn es sind nicht nur die starken Schmerzen, die einem zermürben monatlich, auch die zusätzliche PMS und die Psyche spielt eine Rolle mit.
Der Dr. Imesch ist ein sehr sympathischer Arzt, mit ihm hatte ich lange zu tun in den Nachbehandlungen am USZ. Als er erfuhr, dass ich trotz dieser starken Endometriose spontan schwanger werden konnte, schossen ihm vor Freude Tränen in die Augen als er mich eines Tages schwanger im USZ gesehen hat.
Ich wechselte nachher aber zu einem Spezialisten ins Hirslanden, denn ich musste eine Riesen OP machen, da die Endometriose im ganzen Darm verwachsen war und ich seit Kindheit immer Schmerzen hatte im Darm. Ohne diese OP hätte ich kein 2. Mal schwanger werden können.
Als die Endometriosenherde weg waren, trat darauf die Schwangerschaft ein und ich litt 10 Monate eine qualvolle Schwangerschaft durch, ich habe aber glücklicherweise heute zwei Kinder und habe nun die Gebärmutter seit zwei Jahren entfernt, damit ich endlich nach qualvollen Jahren diese Schmerzen nicht mehr in diesem ausmass erleiden muss. DiePMS begleitet mich nach wie vor, denn die Hormone werden weiterhin von den Eierstöcken gesteuert. Aber auch die bekomme ich mit bald 46 in den Griff durch Ernährung und TCM.

Dies ist meine Geschichte in Kurzfassung.

Müller

Vielleicht versuchen Sie es mal mit Frauenmanteltee, anstatt sich die Nieren mit Ibuprofen zu zesrtören. Das hilft sehr gut!!!

Wieland

die Frauenkräuter in allen Ehren, aber wenn ich nicht mehr stehen kann, weil die Schmerzen in die Knie ausstrahlen, wenn ich nicht mehr auf nem Stuhl sitzen kann, aus Angst einfach umzukippen, etc. Dann werde ich meine Naproxen, Ibuproven oder sonst was nehmen.
Vorallem weil ich es schon versucht habe mit dem Frauentee. Der ist gut für Tag drei, an dem die Krämpfe nur unangenehm sind und nicht behindernd.

Jay

Den Beitrag zu starten, dass man Iboprofen einnimmt ist nicht so toll. Es sollte doch unlängst bekannt sein, dass Ibuprofen, das Problem verschlimmert. Es gibt auf die Menstruation abgetsimmte Schmerzmittel, namens Naproxen. Zudem würde ich mir mehr Aufklärung wünschen bzgl. Schmerzen erstmal nätürlich zu behandeln. Wie z.B. mit Sport, S*x oder Akupressur oder wie im Artikel kurz angerissen mit einer abgestimmten Ernährung. Damit will ich das Thema Endometriose nicht herunter spielen, denn es ist eine schlimme und ernstzunehmende Krankheit. Jedoch sollte man die vielfältigen Möglichkeiten kennen und kann somit auch lernen sich selbst zu helfen.

Kolin

Das Ibuprofen Endometriose verschlimmern soll ist mir neu. Warum sollte das denn so sein?

Daniela

Ich fühle mich hier sehr gut wiedergespiegelt. Über Jahre hieß es immer nur Dysmenorrhoe. Inzwischen bin ich 40 und aus irgendeinem Grund wird es (vielleicht durch eine allmählich altersbedinge Hormonumstellung), etwas besser. Jahrelang war ich am ersten Tag meiner Periode nicht arbetisfähig und habe schwitzen und zitternd im Sessel gekauert. Es wäre schön, wenn so ein Schicksal künftigen Generationen durch bessere Aufklärung und medizinische Versorgung erspart blieb.

Lili

Auch ich habe jahreang unter enormen Schmerzen gelitten. Endometriose, die in Blase und Darm von außen hineingewachsen ist, weiterhin Nahe des Harnleiters und in der Leiste auch Endometriose. Bei der Menstruation hatte ich sehr starke Schmerzen und konnte teilweise nicht richtig laufen, weil es ins Bein ausgestrahlt hat.
Mit 35 Jahren wurde mir die Gebärmutter entfernt und ein Teil der Blase. Zuerst hatte ich einige Jahre Ruhe, dann kamen die Darmbeschwerden.
Mit 45 Jahren ließ ich mir die Eierstöcke entfernen. Eine Darm-OP oder Hormone kamen für mich nicht in Frage.
Seitdem bin ich schmerzfrei. Übliche Wechseljahrsbeschwerden sind vorhanden, aber damit kann man leben. Alles andere war schlimmer. Und von den Wechseljahrsbeschwerden bleiben wir Frauen ja eh nicht verschont.
Es ist nicht bewiesen, dass Hormone gegen Endometriose helfen. Da ist man nur Versuchskaninchen. Ohne mich!

Katy Buchholz

Seit dem zwölften Lebensjahr kämpfe ich mit den Symptomen von Endometriose. Es dauerte aber fünfundzwanzig Jahre, bis die Krankheit bei mir diagnostiziert wurde. Und weitere sieben Jahre, bis ich erfuhr, ab wann alles begann. Nämlich nicht erst 2005, als die Diagnose gestellt wurde, sondern schon 1980 mit dem ersten Tag meiner Regelblutung.
 
Seit 2014 engagiert ich mich für die Aufklärung der Krankheit Endometriose. Als Betroffene ist es ihr ein großes Anliegen Gleichgesinnten und deren Angehörige zu helfen. Aus diesem Grund habe ich meine Geschichte in einem Buch veröffentlicht. Neben meiner Erfahrungen mit Endometriose verrate ich auch einige Tipps und Rezepte, die mir helfen, den Tag etwas beschwerdefreier zu überstehen.

Anne Baumgart

Vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen teilen und sich für ein besseres Verständnis dieser Erkrankung einsetzen. Vielleicht möchten Sie sich auch einmal mit der Methode “sinosomatics” beschäftigen? https://www.sinosomatics.de/ (s. auch mein Kommentar oben)

Katy Buchholz

Danke für den Tipp.

Peter

Endometriose, Ursache und Beschwerden, lernte ich als Student der Medizin bereits 1960 kennen, die Zeitangabe “seit 20 Jahren” stimmt also überhaupt nicht-

Kolin

Ja danke für den Beitrag. Ich bin auch selbst betroffen und haben schlimme Schmerzen während meiner Blutung. Ich finde Aufklärung über Endometriose sehr wichtig.
Das mit den Hormonen finde ich aber sehr problematisch. Ja es verhindert die Schmerzen, da grundsätzlich die Regelblutung verhindert wird. Aber Hormone können auch massive Nebenwirkungen haben. Ich selbst habe sie jahrelang genommen und meine Lebensqualität war extrem eingeschränkt. Ich war wie in Watte gepackt, depressiv und hatte kaum Energie. Nachdem ich die Hormone abgesetzt hatte, bin ich wie aus einer Lähmung erwacht. Ich habs dann mit anderen Hormonen versucht und es war wieder das selbe. Es soll ja durchaus auch Frauen geben, denen das nicht so viel ausmacht. Dennoch finde ich, dass Hormone viel zu leichtfertig verschrieben werden und es auch kein Gynäkologe (zumindest kenne ich keinen) im Blick hatte, wie es den Frauen damit mental geht. Vom Tromboserisiko ganz abgesehen.
Momentan bin ich ohne Hormone und fühle mich sehr wohl, außer während der Periode. Da brauche ich Schmerzmittel. Eine wirkliche Lösung habe ich noch nicht gefunden.
Da gibt es noch viel Aufklärungsbedarf.

Anne Baumgart

Als Therapeutin für Traditionelle Chinesische Medizin bin ich in verschiedenen interdisziplinären/integrativen Foren für Endometriose und unerfüllten Kinderwunsch. Hier arbeiten NaturheilkundlerInnen und ÄrztInnen aus verschiedensten Ländern zusammen, um die betroffenen Frauen bestmöglich zu unterstützen. Manchmal sind Hormongaben durchaus sinnvoll; die Nebenwirkungen lassen sich mit Akupunktur und chinesischen Kräuterrezepturen gut in den Griff bekommen.

Kolin

Danke für die Antwort. Ich habe Akkupunktur in Kombination mit chinesischen Kräutertees, während ich Hormone genommen habe, tatsächlich auch ausprobiert. Das hat mir zwar etwas geholfen, die massiven negativen Auswirkungen die die Hormone auf mich haben konnte ich dadurch aber nicht in den Griff bekommen. Das mag sicher auch bei andern Frauen anders sein, aber eben nicht bei mir. Von daher habe ich immer ein Problem, wenn man die Hormone als “die Therapie” gegen Endometriose schlechthin bewirbt. Das passt einfach nicht für jeden und kann bei machen auch massiv auf Kosten der mentalen Gesundheit gehen.
Da würde ich mir wünschen, dass Ärzte individueller auf die Patientin eingehen und es nicht als Unfug abtun, wenn man mit Hormonen echt negative Erfahrungen gemacht hat. Nur die Wahl zwischen massiven Regelschmerzen oder depressiver Grundstimmung durch die Hormone zu haben ist einfach sehr frustrierend.
Jede Frau reagiert da anders.

Anne Baumgart

Danke für Ihre Rückmeldung!
Da haben Sie vollkommen Recht, jede Frau reagiert und leidet anders… Deshalb halte ich es auch nicht für richtig, nur mit einer (oder zwei) Standardmethoden – Hormone und/oder Operation – zu kommen und individuelle Erfahrungen und Entscheidungen zu verdammen… Und genau deshalb schätze ich die TCM als EINE mögliche Form der individualisierten Behandlung sehr, umso mehr, wenn sie mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen – aber vor allem mit Menschlichkeit – kombiniert wird (s. meine weiteren Kommentare).

Anne Baumgart

Die Traditionelle Chinesische Medizin hat erfolgreiche (komplementäre) Behandlungsstrategien für Endometriose – vor allem auch, wenn ein noch nicht erfüllter Kinderwunsch vorliegt. Frau Dr. Schweizer-Arau hat auf diesem Gebiet über 10 Jahre geforscht und auf Basis ihrer Praxiserfahrung zusammen mit Dr. Florian Beißner die sinosomatics-Methode entwickelt, in der ich mich gerade weiterbilde.

Schaut mal hier: https://sart.de/gaestebuch/
… und hier: https://www.sinosomatics.de/

Michael B

Auf den ersten Blick kann ich nicht mitreden ich bin ein Mann, ein richtiger ich schmiere mir keine Erdbeer-Marmelde in die Unterhose. Ich kenne das Problem schon aus den 70 er, aus den Schulsport. Wir hatten Zwei Mädchen in der Klasse die auch ein Problem hatten und die durften dann auf die Bank. Richtig Falsch keine Ahnung. Ich habe das Akzeptiert und Gut die Lehrer haben entschieden. Meine Frau hat die Probleme auch, Sie nennt es ich bin nicht planbar. Sie fällt halt aus. Das Gute ist, ich verdiene genug Geld für uns beide. Sie leidet darunter , sie würde gerne arbeiten gehen und auch regelmäßig Geld verdienen. Jetzt kommen natürlich Klugschei… die erklären man kann das doch regeln, bestimmt aber es macht mehr Stress als das einfache Leben , Frau kümmert sich um den Hund , Kinder haben wir groß bekommen. Eine klassische Familie bietet auch Vorteile. Wir wurden die letzten 15 Jahre als uncool dargestellt. Die Kinder sagen uns sie hatten eine schöne Kindheit da immer einer da war. Man ist für einander da in guten und in schlechten Zeiten.

Katy Buchholz

Nein. Der Alltag mit Endometriose ist nicht planbar. Erst recht nicht, wenn die Krankheit sehr ausgeprägt ist. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Auch ich kann keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen. Aus diesem Grund bin ich froh, seit 5 Jahren mein Geld hauptberuflich als Schriftstellerin zu verdienen. Ich bin durch die chronischen Schmerzen nicht die schnellste Schreiberin, aber ich kann mir meine (Arbeits)Zeit einteilen.

Rolf

Vielen Dank für diesen Beitrag. Auch wenn ich ein Mann bin, so bin ich doch sehr aufgeschlossen dieses Thema betreffend. Die Ursachen sind in diesem Beitrag zum Teil erklärt. Die Möglichkeiten eines weniger schmerzhaften Verlaufs der Menstruation sind hier nun in Verbindung der Einnahme bestimmter Medikamente benannt. Das es hierbei auch andere Möglichkeiten gibt, darüber scheint sich in der Wissenschaft keiner bewusst zu sein.
Auch wenn es hier jetzt recht eigenartig erscheinen mag, dass ich als Mann mich mit diesen Themen auskenne. In der Vergangenheit hat es sich immer wieder bestätigt, dass es unterschiedliche Herangehensweisen an eine Problematik gibt. Ob nun jede von Erfolg gekrönt ist oder nicht, das zeigt sich erst im späteren Verlauf.
Wenn allerdings ganz plötzlich mir unbekannte Personen versuchen ein Gespräch ganz gezielt in eine bestimmte Richtung zu lenken, mag dies noch nicht weiter verdächtig erscheinen. Wenn aber Fragen gestellt werden, was ich da oder dort gemacht oder gesagt habe, dann sieht es alles schon ganz anders aus. Und dann noch von Personen, die mit gänzlich unbekannt sind.
Ich wünsche allen Frauen den Mut, ganz offen, wenn möglich, auch mit ihrem Partner / Partnerin darüber zu sprechen. Manchmal kann Reden eine gute Löstung sein.

Heshba123456

sorry, aber das gehört ganz einfach in den Sexualkunde Unterricht mit aufgenommen, wenn das 10% der Frauen betrifft.

Dann muss das eben genau da mit angesprochen werden, wo im Unterricht über die Periode gesprochen wird. Dann muss der Lehrer oder die Lehrerin eben sagen, wenn ihr starke schmerzen bei der Periode habt, lasst euch auf endometriose untersuchen. Kann eigentlich nicht so shwer sein das einfach im Unterricht einmal an der Stelle zu erwähnen. Da wird ja schließlich auch erwähnt dass Knoten in der Brust auf Brustkrebs hindeuten. Oder dass HPV Gebährmutterhalskrebs auslösen kann und Frau sich da besser impfen lassen sollte. Das sind Themen die gehören einfach in den Aufklärungsunterricht mit rein, oder zumindest sollten dort entsprechende Informationsblätter ausgehändigt werden.

allerdings wundert es mich schon das anscheinend so viele Frauen noch nie was davon gehört haben, denn das kenn ja sogar ich als Mann schon seit meiner Jugend. Ih weis zwar nicht wo oder wann ich das erstemal davon gehört habe, aber ich dachte das ist jetzt eigentlich nichts wirklich unbekanntes. Aber wenn doch, gehört es halt dringend in den Unterricht mit rein.

Caroline

Kathrin Steinberger hat zu diesem wichtigen Thema ein sehr gutes Buch geschrieben: Es heißt “So leben wir mit Endometriose”. Sie hat viele Frauen interviewt und die besten Infos zusammengetragen.

Thin Lizzy

Vielen Dank für diesen Beitrag. Es ist gut, dass endlich über Endometriose gesprochen wird. Ich (67) habe 34 Jahre darunter gelitten. Die Menstruation verlief sehr heftig, mit starken Krämpfen im gesamten Unterleib. Am zweiten und dritten Tag meiner Menstruation konnte ich nur noch stundenlang auf der Toilette sitzen und alles aus allen drei Öffnungen herauslaufen lassen und oben Flüssigkeit nachfüllen, weil ich ständig großen Durst hatte. Arbeitsfähig war ich an diesen beiden Tagen nicht. Erst als ich mit 47 Jahren eine Eierstockzyste hatte, die laparoskopisch entfernt werden musste, stellte der Arzt eine Endometriose Grad IV fest. Darm, Gebärmutter und Blase waren miteinander verwachsen – deswegen kam bei den Bauchkrämpfen auch alles immer gleichzeitig aus allen drei Öffnungen. In einer vierstündigen Operation wurden meine Organe wieder voneinander getrennt. Der behandelnde Arzt schlug eine “Totaloperation” vor (Gebärmutter und restliche Eierstöcke raus), meine Frauenärztin riet mir zum Glück davon ab. Ich habe dann die Hormonpille “Cerazette” genommen, mit gutem Erfolg. Alle vier Wochen eine normale Menstruation. Tampons und Binden reichten aus. Das kannte ich bisher nicht. Vorher habe ich immer Kinderwindeln genommen und sie jede Stunde gewechselt (auch nachts!). Als ich dann endlich mit 54 Jahren in die Wechseljahre gekommen bin, habe ich mich nur noch gefreut. Kinder habe ich übrigens auch, die Schwangerschaften sind normal verlaufen.