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Expertin über Liebeskummer: «Der Schmerz ist nicht nur ein seelisches Leiden»

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Expertin über Liebeskummer: «Der Schmerz ist nicht nur ein seelisches Leiden»

Liebeskummer – ein Leid, das alle früher oder später erleben. Die Psychotherapeutin und Ratgeber-Autorin Annette Cina über Selbstwertgefühl, Gedankenkarussell und Ehrlichkeit bei einer Trennung.

annabelle: Was ist der Grundbaustein einer erfolgreichen Beziehung?
Annette Cina: Es schadet nicht, sich zueinander hingezogen zu fühlen, sonst wird es schnell langweilig. (lacht) Und es hilft, ähnliche Lebensvorstellungen zu haben. Im täglichen Umgang miteinander ist aber die Kommunikation zentral, das bedeutet: Ich kann mich ehrlich ausdrücken und dem anderen zuhören, sodass wir gemeinsam Kompromisse finden können. Wenn nicht mehr miteinander geredet wird, ist das Risiko gross, dass man sich eines Tages fremd wird. Da braucht es nicht mehr viel, bis jemand aus der Beziehung ausbricht.

Sagen wir, es kommt zu einer Trennung. Was nun?
Ich empfehle zunächst einen radikalen Kontaktabbruch. Das bedeutet, in der ersten Zeit Events zu vermeiden, an denen man diese Person antreffen könnte, und ihm oder ihr auf Social Media zu entfolgen. Man will nicht sehen, dass es dem oder der Verflossenen bestens geht, während man selbst leidet.

Was geht bei Liebeskummer in unserem Körper genau vor sich?
Der Schmerz ist nicht nur ein seelisches Leiden, sondern kann vielmehr den ganzen Körper unter extremen Stress setzen: Er schüttet in hohem Masse die Stresshormone Cortisol und Adrenalin aus. Das kann zu Schlafstörungen, Veränderung des Appetits, Unruhe und einem geschwächten Immunsystem führen. Der Spiegel des Glückshormons Dopamin fällt aufgrund der Verzweif lung stark ab, gleichzeitig auch das Noradrenalin und Serotonin: Die Motivation sinkt, und die Psyche destabilisiert. Schlafmittel und Antidepressiva können in den schlimmsten Phasen unterstützen, sollten jedoch nur eingesetzt werden, wenn das ganze System kollabiert.

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«Wenn jemand gehen will, dann ist es eben so»

Die zentrale Frage, wenn man verlassen wird, ist oft: Warum?
Ja, denn der Mensch möchte kategorisieren und verstehen. Oftmals kriegt man die Antworten jedoch erst viel später oder gar nicht. Wichtig: Ein Mensch muss nicht bei einem bleiben. Wenn jemand gehen will, dann ist es eben so – es ist seine freie Wahl. Entweder hadere ich ständig damit oder ich übernehme Verantwortung für mich selbst: Diese Person liebt mich zwar nicht, aber das heisst nicht, dass ich grundsätzlich nicht liebenswert bin.

Das Beziehungsende ist ja auch für die Person schwer, welche sich für die Trennung entschieden hat.
Genau, doch diese Person erfährt vom Umfeld selten Mitgefühl; schliesslich hat er oder sie dem Gegenüber Leid angetan. Wer eine Beziehung beendet, leidet jedoch auch selbst, da er oder sie die eigenen Wünsche und Hoffnungen gehen lässt.

Gehen Männer und Frauen anders mit einer Trennung um?
Alle leiden unter Trennungen. Aber was das Handeln angeht, gibt es Unterschiede: Studien bestätigen, dass Männer eher die «Macher» sind und die Ablenkung von aussen suchen, während sich Frauen eher zurückziehen.

Zu guter Letzt: Haben Sie einige Liebeskummer- Tipps to go?
Auch mit den besten Techniken tut Liebeskummer immer weh. Aber je nachdem, wie man denkt oder sich verhält, verbessert oder verschlechtert sich die Situation. Man sollte sich fragen «Was will ich?» und nicht «Was habe ich verloren?». Deshalb mein Rat: Durchhalten, den Mut nicht verlieren und auf sich acht geben.

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