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Eine Begegnung mit Teal Swan: gefährlicher Sekten-Guru oder spirituelles Genie?

Gesundheit

Eine Begegnung mit Teal Swan: gefährlicher Sekten-Guru oder spirituelles Genie?

  • Text: Vanja Kadic
  • Bild: Freeform / Disney Enterprises Inc.

Teal Swan wird von Millionen Menschen weltweit als spirituelle Lehrerin gefeiert. In einer neuen Doku werden schwere Vorwürfe gegen die Amerikanerin erhoben: Sie sei eine manipulative, gefährliche Sektenführerin. Unsere Autorin Vanja Kadic besuchte ihren Workshop in der Schweiz.

Inhaltshinweis: Suizid, Missbrauch, Trauma

 

Mein Instagram-Algorithmus jubelt mir gerne Selbsthilfe-Reels unter. In diesen Strom schwemmte mir die App auch Videos von Teal Swan. Das erste ist mir geblieben: Ich sah eine wunderschöne Frau mit hypnotisierendem Blick, die im Abendkleid auf einer Bühne sitzt. Was sie sagte, klang gut. Tiefgründig, tröstend. Ich scrollte weiter und vergass sie wieder, ehe vor wenigen Wochen mehrere Videos zu Teal in meinem Tiktok-Feed auftauchten. Der Grund: Um die Heilerin ist ein
Shitstorm entbrannt.

Verantwortlich dafür ist die neue Hulu-Doku «The Deep End», für die Teal Swan drei Jahre lang mit der Kamera begleitet wurde. Die Serie zeigt nicht nur auf, wie Teal Swan operiert, sondern lässt Menschen zu Wort kommen, die schwere Vorwürfe gegen sie erheben: Die Amerikanerin sei gefährlich, manipulativ, eine Narzisstin und eine Sektenführerin, die Macht über ihre Team-Mitglieder, ihr Umfeld und vor allem ihre Anhänger:innen ausübe und sie ausnutze.

Eine «Revolutionärin der persönlichen Transformation»

Millionen von Menschen weltweit folgen Teal Swan (38), bürgerlich Mary Teal Bosworth, und ihren Lehren: Die umstrittene «spirituelle Lehrerin» aus Park City, Utah, produziert Videos (1,3 Millionen Fans und 159 Millionen Views bei Youtube,
633 000 Follower:innen bei Instagram, 767 000 Follower:innen bei Tiktok), ist Autorin von mehreren Büchern («Einsamkeit heilen» oder «Den Schatten umarmen»), malt spirituelle Kunstwerke, hält Vorträge und gibt Workshops. An einem nehme auch ich teil, mit gemischten Gefühlen. Aber erstmal informiere ich mich über diese Frau zwischen Guru und Genie.

Mit ihren Techniken will Teal Swan angeblich Traumata heilen. Sie sei eine «Revolutionärin der persönlichen Transformation» und mit einer Reihe übersinnlicher Fähigkeiten geboren, heisst es auf ihrer Webseite. Als Überlebende schweren Missbrauchs in ihrer Kindheit nutze sie heute ihre Gabe und ihre eigene Lebensgeschichte, um Menschen beizubringen, ihren eigenen Schmerz zu «verwandeln». Ihr selbst erklärtes Ziel: Sie will einen grösseren spirituellen Einfluss haben als der Papst.

Hulus «The Deep End» beginnt mit Szenen aus einem ihrer Workshops: Zahlreiche Fans erklären, warum sie da sind. Teal hätte keine Angst, Dinge beim Namen zu nennen – «es ist ihre Mission, uns alle zu heilen», so eine Besucherin. Teal selbst ist sich bewusst, welchen Einfluss und welche Macht sie auf ihre Community, die sich «Teal Tribe» nennt, hat. «Es ist nicht wie bei einem typischen Celebrity», sagt sie in der Doku. «Diese Menschen hören mir um 3 Uhr morgens zu, wenn sie sich umbringen wollen.»

Ein lukratives Geschäft

Das spirituelle Feld ist ein lukratives – und kompetitives – Geschäft: So vergleicht Teals Manager, ein ehemaliger Tennis-Coach, der sie «so gross wie möglich» machen will, in einer Szene der vierteiligen Doku-Serie ihre Social-Media-Statistik mit der von spirituellen Führern wie Eckhart Tolle, Tony Robbins und Deepak Chopra. «Wie überholen wir das?», fragt er in einem Zoom-Call.

Die Antwort: ein Unique Selling Point. Und dieser liegt in Teals umstrittener Methode, wie sie Traumata zu «heilen» gedenkt: «Viele Menschen, die zu Heiler:innen gehen, wollen gar nicht heilen. Sie wollen eine schnelle Lösung für ihren emotionalen Zustand», sagt sie. «Aber wir sind nicht im Geschäft von einer sofortigen Besserung, wir sind im Geschäft des Heilens.» Wie dieses «Heilen» aussehen kann, ist haarsträubend: Bei Teal Swans sogenanntem «Completion Process» sollen sich Teilnehmer:innen ihres Intensiv-Workshops ihrem grössten Trauma stellen.

Trauma erneut durchleben – ohne Betreuung

Der «Completion Process» sei keine banale Selbsthilfetechnik, sondern ein «extrem intensiver Prozess der Seelenwiederherstellung, bei dem man das gesamte Trauma rückgängig macht», so ihr Versprechen. Dieser Prozess widerspreche in vielerlei Hinsicht der «Mainstream-Psychologie», sagt Teal. Die grosse Kontroverse sei, ob man ein traumatisches Erlebnis noch einmal durchleben sollte. Sie findet: Ja. «Wir gehen zurück zum Moment des Traumas und durchleben ihn bewusst noch einmal, um es aufzulösen.»

Und hier kommt der, wie ich finde, richtig gefährliche Teil: In Zweiergruppen führen sich Teilnehmer:innen des Workshops noch einmal den schmerzhaftesten Moment ihres Lebens vor Augen – und das ohne psychologische Betreuung oder Überwachung. So bricht eine Frau bei dieser Technik zusammen, als sie vom Missbrauch erzählt, den sie erlebte, während ihr Gegenüber ihr einfach die Hand hält und «Aww» murmelt. Ich frage mich, ob das nicht mehr Schaden anrichtet und retraumatisiert, als ein Trauma aufzulösen. Und, ob es nicht besonders für instabile Personen verheerende Folgen haben könnte.

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Alle Kritiker:innen sind «Hater»

So umstritten Teal Swans Methodik ist, so interessant ist ihre Persönlichkeit. In «The Deep End» wird ersichtlich, wie viel Wert sie darauf legt, stets die Kontrolle zu haben – über ihre Wirkung nach aussen, ihre Mitarbeiter:innen, ihre Kurs-Teilnehmer:innen. Wagt es jemand, sie anzuzweifeln oder zu kritisieren oder stimmt nicht bedingungslos mit ihr überein, folgt postwendend die Bestrafung.

Eindrücklich ist etwa die Szene, in der sie ein Workshop-Teilnehmer fragt, ob sie selbst denn ein Vorbild habe, das sie inspiriere. Sie reagiert sichtlich irritiert, wird wütend und kalt. «Was für eine seltsame Frage, warum ist das wichtig? Warum sollte ich jemanden haben, der über mir steht? Ich schaue zu niemandem auf.» Der Teilnehmer entgegnet, dass er nicht mit allem übereinstimme, was sie sagt. Teal sagt: «Sprich es aus! Sag, warum ich angeblich so unsicher und gefährlich bin, nur weil ich keinen Mentor habe.»

Für jemanden, der von sich behauptet, dermassen erleuchtet und geheilt zu sein, scheint Teal Swan erstaunlich wenig Kritik zu ertragen. Jede:n, der es wagt, sie und ihre Methode zu hinterfragen, nennt die spirituelle Führerin ausnahmslos einen «Hater». Ihre Erklärung: «Leute hassen mich. Ich habe Haters, weil ich High Heels trage und weil ich eine Frau bin, die eine Meinung hat. Ich habe Macht und eine Vagina gleichzeitig.» Schuld tragen offenbar ausschliesslich alle anderen – Teal nie.

Keine Partner:innen oder Reisen für Mitarbeitende

In der Dokumentation wird klar: Wer für Teal Swan arbeitet, verschreibt sich ihr und ihrer «Mission» vollumfänglich: Mitarbeiter:innen weichen nicht von ihrer Seite, dürfen keine Partner:innen haben, nur reisen, wenn es Teal dient und tragen zum Teil nicht mal mehr ihre eigenen Namen. Der ehemalige Mitarbeiter Jared gibt an, dass sich Teal in dem Moment nach einer Konferenz oder wenn die Kamera ausgeht, verändere: «Das Letzte, was sie zu mir sagte, bevor ich die Gruppe verliess, war: Wenn ich du wäre, würde ich mich einfach umbringen. Denn es gibt keine Hoffnung für dich.» Die Gruppendynamik um Teal beschreibt er als sektenartig.

Das ist der wahrscheinlich schwerste Vorwurf aus der Doku gegen Teal Swan: Sie würde Menschen, die suizidal sind, nicht davon abhalten – sondern sie unter Umständen dazu antreiben. So verglich sie Selbstmord in einem Video mit einem «Reset-Knopf», weil sie an Wiedergeburt glaube. «BBC» berichtete über eine Frau, die Teal für den Suizid ihrer Tochter mitverantwortlich macht – die junge Frau war Mitglied von Teals Facebook-Gruppe und beschäftigte sich vor ihrem Tod mit Teals Content. In einem spezifischen Video, das der jungen Frau in der FB-Gruppe empfohlen wurde, rät Teal Swan, sich bei solchen Gedanken zwar medizinische Hilfe zu suchen – sich aber auch den eigenen Tod im Detail vorzustellen. So würden Betroffene die Idee wieder verwerfen können. Ein Experte beurteilt das Video in der Doku als «problematisch».

Sekte oder nicht?

In «The Deep End» ermittelt eine Privatdetektivin in Teal Swans Team und in ihrem Umfeld. In Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeiter:innen geht es darum, ob es sich bei ihrer Community um eine Sekte handelt oder nicht. Die Antwort: vielleicht. Die Organisation decke viele der Punkte, die es braucht, damit eine Gemeinschaft als Sekte gilt, ab. Auch dafür hat Teal eine Erklärung: Kritiker:innen würden sie als Sektenführerin bezeichnen, «weil sie wissen, dass es Menschen von mir abschreckt».

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Sie soll bestimmte Traumata suggerieren

Ich finde vieles an der Doku erschreckend. Etwa, dass Teal Mitarbeitenden und Anhänger:innen suggerieren soll, dass sie bestimmte Traumata erlebt hätten – auch wenn dies nicht stimmt. Die grösste Red Flag an der «Heilerin» ist für mich ihre scheinbar fehlende emotionale Empathie für andere.

Als eine junge Frau an einem ihrer Workshops droht, sich zu Hause das Leben zu nehmen, wenn sie sich nach Teals
Retreat – es ist bereits ihr zweiter Anlauf – nicht besser fühlt, sorgt diese sich um ihr Image statt um ihre Klientin. «Fuck. Wenn sie sich zurück in New York das Leben nimmt und es heisst, dass sie eine Woche zuvor an meinem Workshop war, wird es in den Schlagzeilen sein. An diesen Punkt bringen sie mich», sagt Teal.

Die spirituelle Führerin ist wütend über «The Deep End» und die Reaktionen darauf. Sie behauptet, dass Hulu sie falsch dargestellt habe, die Macher:innen ihre Aussagen und Szenen per Schnitt im Kontext verändert hätten. Die Serie sei «in keinster Weise eine Doku», sagt sie bei Instagram.

«Ich beschliesse, mir selbst ein Bild von Teal Swan zu machen – und buche für 400 Franken den zweitägigen Workshop ‹How to love yourself›»

Kann die Begegnung gefährlich werden?

Ich beschliesse, mir selbst ein Bild von Teal Swan zu machen – und buche für 400 Franken den zweitägigen Workshop «How to love yourself», den sie in Münchenstein bei Basel gibt. Schon Tage vorher bin ich nervös. Ich bin selbst an Spiritualität interessiert, habe hübsche Kristalle in meiner Wohnung, finde Shadow Work spannend und Manifestation keinen Quatsch. Trotzdem frage mich: Kann die Begegnung mit Teal Swan gefährlich werden?

Der Workshop findet in einem kleinen, unglamourösen Hotel statt. Mir fällt auf, dass vor allem junge Frauen angereist sind, zum Teil aus dem Ausland. Der Saal ist voll, rund 300 Personen nehmen am Workshop teil. Eine Mitarbeiterin, die ich aus der Hulu-Doku erkenne, erklärt auf der Bühne, dass man seine Kristalle neben Teal Swan auf den Tisch legen könne, falls man sie aufladen möchte. So, als wäre die Heilerin eine heilige Energiequelle. Ich rolle innerlich mit den Augen.

Starke Präsenz

Teal betritt die Bühne in einem roten, glitzernden Abendkleid. Sie ist attraktiv, hat eine starke Präsenz, einen einnehmenden Blick. Um sie herum schwirren nonstop Mitglieder ihres Teams. Ich habe den Eindruck, man wolle sie damit irgendwie besonders wichtig wirken lassen. Etwa dann, als sie eigentlich im Gespräch mit einer anderen Person auf der Bühne plötzlich von ihrem Manager unterbrochen wird, der neben ihr kniet und ihr etwas scheinbar Ultrawichtiges ins Ohr flüstert. Oder indem mehrere Security-Mitarbeiter um sie herum drapiert wurden, einer davon sogar auf der Bühne. Gleichzeitig wirkt die Veranstaltung auf mich chaotisch und eher unprofessionell.

Teal spricht über das Thema Selbstliebe. Um sich selbst zu lieben, müsse man sich selbst kennen, meint sie etwa. Oder: Man müsse sich mit den eigenen Anteilen von sich, die man weggestossen hat, versöhnen. Soweit, so gut. Als sie ankündigt, dass wir uns für die erste Übung in Dreiergruppen aufteilen müssen, um «tief zu graben», rutscht mir das Herz in die Hose. Mal abgesehen davon, dass ich in der Rolle einer Beobachterin am Workshop teilnehme, will ich mich und meine Gefühle höchstens bei meiner Psychologin exponieren – aber sicher nicht in einem stickigen Festsaal mit Wildfremden.

Seltsame Gruppendynamik

In der Dreiergruppe hat jede:r eine halbe Stunde lang Zeit, um am eigenen emotionalen Ausdruck zu feilen. Wir sollen ein Thema wählen, das uns wütend macht – und uns dann mit trivialen Fragen wie «Ich fühle mich traurig, wenn …», oder «Das erinnert mich an …» nach unten graben.

Wütend macht mich vor allem: Mich hat niemand gefragt, ob ich das will. Es hätte schon ausgereicht, wenn Teal oder eines ihrer Teammitglieder vorher gesagt hätte, dass man nur soweit gehen muss, wie man möchte. Sich nur soweit öffnen muss, wie man sich wohl fühlt. Doch die Frage nach Konsens stellt hier irgendwie niemand. So beobachte ich eine seltsame Gruppendynamik: Weil meine Team-Mitglieder mir Vertrauen schenken, sich öffnen und Privates erzählen, tue auch ich das. Obwohl ich es eigentlich gar nicht wollte. Man kann gar nicht anders, als die Offenheit zu erwidern.

«Teal Swan hat Charme, kann sich unfassbar gut ausdrücken und hat eine sehr einnehmende Wirkung. Ich glaube, dass das ihr grosses Tool ist, um Menschen anzuziehen und einzufangen»

Intimität mit Fremden

Wie bei der Szene in der Doku frage ich mich, ob die Erfahrung heilend ist oder nicht sogar gefährlich werden könnte: Neben mir beginnt eine Frau, die über ihr Trauma spricht, stark zu zittern, zu weinen, laut zu schreien. Es treibt mir Tränen in die Augen, diesen rohen Schmerz mitzuerleben. Diese Intimität mit Fremden in diesem ungemütlichen Raum halte ich fast nicht aus. Es fühlt sich aufgezwungen und nicht schön an.

Ich fühle mich unwohl, weil Teal und ihr Team einfach nur auf der Bühne sitzen und uns alle beobachten. Hier scheint keine entsprechend ausgebildete Person zu sein, die die Situation überwachen könnte. Was, wenn ein:e Teilnehmer:in von ihrem oder seinem Missbrauch erzählt? Ich könnte – und möchte – das nicht auffangen, denn ich bin keine Fachperson.

Während der Lunch-Pause überkommt mich der starke Drang, nach Hause zu gehen. Ich bleibe und gehe mit Bauchweh zurück in den Saal. Wir sollen nun 25 Minuten lang einen Liebesbrief an uns selbst schreiben und einer anderen Teilnehmerin vorlesen. Eigentlich eine süsse Idee. Ich frage mich nur: Wer will dafür zahlen? Für 400 Franken haben wir rund zwei Stunden lang «Übungen» gemacht, bei denen Teal nicht ansatzweise involviert war. Das finde ich dreist.

Charme, Wirkung und banale Aussagen

Beim letzten Teil kommen wir zum Q&A, bei dem einzelne Teilnehmer:innen zu Teal auf die Bühne dürfen. Da sie Energiefelder sehen könne, würde die Person, deren Frage am meisten mit dem ganzen Raum resoniere, vor Teals Auge «aufleuchten». Mit einzelnen Teilnehmer:innen spricht sie auf der Bühne über deren Frage. Manchmal «verbindet» sie sich, indem sie bedeutungsvoll die Augen schliesst und den Puls des Gegenübers fühlt.

Mir fällt auf, dass das, was sie sagt, oft wahnsinnig banal ist. Zum Beispiel: Das Leben sei voller Schmerz, aber das bedeute nicht, dass es keine Schönheit auf der Welt gäbe. Oder: Emotionaler Schmerz sei so schlimm wie körperlicher Schmerz. Teal Swan hat Charme, kann sich unfassbar gut ausdrücken und hat eine sehr einnehmende Wirkung. Ich glaube, dass das ihr grosses Tool ist, um Menschen anzuziehen und abzukassieren.

Ausserirdische und Frequenzen

Ein Beispiel ihrer Aussagen, die ich problematisch finde: Frauen, die sich seit Jahren ein Kind wünschen und versuchen, mit künstlicher Befruchtung schwanger zu werden, hätten oft einen Teil in sich, der gar kein Baby wolle – was der Grund für die Unfruchtbarkeit sei. Als Teal sagt, dass unsere Erde für Ausserirdische aktuell wegen bestimmter Frequenzen besonders interessant sei, schalte ich innerlich ab. Ich fühle mich leer und komplett erschöpft, als der Workshop vorbei ist. Noch bevor ich das Gelände verlasse, weiss ich, dass ich den zweiten Tag nicht mitmachen werde. Stattdessen suche ich langsam den Ausgang aus dem Teal-Swan-Rabbit-Hole.

Wer fragil und verletzlich ist, ist leichter zu dominieren

Ich verurteile niemanden, der Teal Swan und ihrer Methode folgt. Jede:r sollte für sich selbst entscheiden, welcher Weg für einen stimmt und was einem persönlich in Krisensituationen hilft. Wer grossen Schmerz empfindet, sehnt sich nach Antworten und Lösungen und ist froh über jeden Strohhalm, der helfen könnte. Genau deshalb finde ich das, was Teal Swan macht, so gefährlich – und ihre Macht so gross: An ihrem Workshop waren wundervolle Menschen. Manche davon leiden, wie sie im Plenum sagten, unter grossen emotionalen Schmerzen.

Gefahr der seelischen Abhängigkeit

Wer fragil und verletzlich ist, ist leichter zu dominieren und ein einfacheres Opfer für Machtausübungen. Und Teal Swan nutzt das meiner Meinung nach schamlos aus. Aus finanziellem Interesse und für ihre eigene Zufuhr an Bestätigung und Macht. Es kann sein, dass einige ihrer Ideen interessant oder nicht völlig verkehrt sind, doch ich finde die Amerikanerin gefährlich. Auch die Fachstelle für Sektenfragen «Infosekta» warnt übrigens vor ihr: «Man kann sie als Leiterin eines problematischen Angebots bezeichnen», so Susanne Schaaf von der Fachstelle zur «Basler Zeitung». Es bestehe die Gefahr, dass sich ihre Fans in eine seelische Abhängigkeit zu ihr begeben.

Die Zügel für das eigene Wohlbefinden, die eigene Gesundheit und die eigene Psyche sollte man nie aus der Hand geben – vor allem sollte man sie nicht jemandem geben, bei dem es sich nicht um eine geschulte Fachperson handelt. Es ist eine persönliche Erkenntnis, stets noch genauer hinzuschauen und noch kritischer zu hinterfragen, was die wahre Intention einer Person ist. Bei Teal Swan bin ich mir sicher: Es ist keine gute.

Du willst mit jemandem sprechen? Hilfsangebote findest du hier:

Die Dargebotene Hand (24 Stunden und anonym) für ein helfendes und unterstützendes Gespräch: 143 – Die Dargebotene Hand

Pro Mente Sana – psychosoziale und juristische Beratung für psychisch kranke Menschen: promentesana.ch

Bei psychische Erkrankungen: Adressen zu professionellen Beratungsstellen: wie-gehts-dir.ch

Für Betroffene von Gewalt in der Familie oder in der (Ex-)Partnerschaft: Opferhilfe Schweiz

BIF Beratungsstelle für Frauen gegen Gewalt in Ehe und Partnerschaft: BIF – Beratungsstelle für Frauen 

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