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Wie ist es eigentlich, mit einer Autoimmunhepatitis zu daten?

Gesundheit

Wie ist es eigentlich, mit einer Autoimmunhepatitis zu daten?

In der Schweiz leben bis zu drei Millionen Menschen mit einer Lebererkrankung – Meera Bobzin ist eine davon. Ihr (Liebes-)Leben birgt seine Herausforderungen. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

«Mit 16 Jahren wurde ich mit einer Autoimmunhepatitis (AIH) diagnostiziert, einer chronischen Entzündung der Leber. Später kamen chronisch entzündliche Darmerkrankungen hinzu. Nach unzähligen Untersuchungen, Therapien, Darmspiegelungen sowie Operationen und mithilfe vieler Medikamente wie Antibiotika und Kortison versuche ich nun Schritt für Schritt, ins Erwachsenenleben zu finden. Meine Kräfte muss ich mir aber gut einteilen; es gibt bessere und schlechtere Tage. An diesen habe ich starke Bauchschmerzen und fühle mich extrem erschöpft, das typische Fatigue bei Lebererkrankungen.

Kleine Alltagsmomente wie der Gang zur Uni oder einen Ausflug an den See weiss ich dafür umso mehr zu schätzen. Mittlerweile bin ich 23 Jahre alt. Und auch wenn ich es ungern zugebe, bin ich längst nicht so selbstständig, wie ich es gerne wäre: Ohne die Hilfe meiner Mutter würde es mich unglaublich viel Kraft kosten, Arzttermine wahrzunehmen, die ganze Administration rund um die Erkrankung zu erledigen, den Haushalt zu schmeissen oder zu studieren.

Krankenhaus statt Date

Auch Dating braucht sehr viel Energie. Doch dieses Jahr verspürte ich seit Langem wieder den Wunsch, einen Mann kennenzulernen. Die Corona-Pandemie hat es mir da nicht leicht gemacht. Momentan wage ich mich gerade ans Online-Dating und komme gar nicht dazu, allen Matches zurückzuschreiben. Mein Typ? Keine Ahnung! Hauptsache, er hat eine schöne Ausstrahlung, eine gewisse Reife und wirkt interessiert und aufgeschlossen. Entweder es passt oder dann eben nicht.

Ich denke, es braucht viel Mut und Selbstsicherheit, um sich auf jemanden einzulassen. Letzteres bedeutet für mich auch, sich im eigenen Körper wohlzufühlen und darauf zu vertrauen, dass er funktioniert. Gar nicht so leicht für mich. Denn, wie soll ich meinem Date sagen, dass ich kurz vor meinem 18. Geburtstag auf der stationären Klinik lag, um mir als letzte Option den Dickdarm entfernen zu lassen? Und dass Gleichaltrige Partys feierten, während ich mich an meinen neuen, künstlichen Darmausgang gewöhnte?

Diesen hatte ich bis Mitte 2018 übrigens für eineinhalb Jahre, mithilfe von zwei grösseren Eingriffen läuft nun alles über den Dünndarm. Damals lernte ich, dass der Beutel für den künstlichen Darmausgang mit luftiger Kleidung weniger auffällt, merkte mir stets, wo die nächste Toilette ist, und realisierte, dass man es mit Humor nehmen muss, falls es mal zu einem Unfall kommt. Trotz dieser Massnahmen fühlte ich mich zu dieser Zeit oft sehr unwohl in meinem Körper und hatte dementsprechend auch Schwierigkeiten, mich ernsthaft auf jemanden einzulassen.

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«Ich denke, es braucht viel Mut und Selbstsicherheit, um sich auf jemanden einzulassen»

Ich versuche dennoch, neuen Bekanntschaften immer möglichst offen und ehrlich von meiner Krankheit zu erzählen, auch wenn das gar nicht so leicht ist. Ehrlichkeit hilft schliesslich, eine Beziehung aufzubauen. Auch wenn ich schon einige Liebesbeziehungen hatte, mit denen ich auch intim wurde, schwingt immer eine gewisse Angst vor Zurückweisung mit: ‹Wie geht mein Gegenüber wohl mit meinem Rucksack um?› Die Empathie seiner Mitmenschen darf man jedoch nicht unterschätzen: Die meisten gehen viel lockerer damit um als gedacht.

Ich schliesse nicht aus, mit jemandem zusammen zu sein, der dieselbe oder eine ähnliche Krankheit hat. Aber was tun an Tagen, an denen es beiden gesundheitlich schlecht geht? Ich stelle mir das sehr herausfordernd vor. Ich will mich nicht über meine Autoimmunkrankheiten definieren, doch sie sind unumstritten ein grosser Teil meines Lebens. Mein potenzieller Freund müsste damit klarkommen: Es gibt mich nur als Gesamtpaket!» – Meera Bobzin (23)

Am 22.11.2022 organisiert der Schweizer Leberpatienten Verein Swiss HePa in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Zürich (USZ) den 1. Schweizer Lebertag mit diversen Referaten von Expert:innen.

Anmeldung via lebertag.ch

Mehr Informationen zu Swiss HePa: hier

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