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More Hair: Was man gegen Haarausfall tun kann

More Hair: Was man gegen Haarausfall tun kann

Wir alle wünschen uns volles, gesundes Haar – doch was, wenn es sich lichtet? Expert:innen über die richtige Pflege und den State of the Art der Medizin.

Es beginnt meist mit einem diffusen Gefühl, mit Fragen. Waren da immer schon so viele Haare in meiner Bürste nach dem Kämmen? Lagen früher morgens auch schon Haare auf meinem Kopfkissen? Habe ich diesen Scrunchie immer schon dreimal um meinen Pferdeschwanz wickeln müssen?

Bis zu fünfzig Prozent der Frauen leiden unter dünnen und dünner werdenden Haaren. Gleichzeitig wird uns unablässig langes, volles Haar präsentiert: «Rich Girl Hair», Haare als Statussymbol quasi. Influencer: innen und Stars werfen sich auf Social Media und auf roten Teppichen die luxuriöse Haarpracht über die Schultern; Models werben damit für lebensverändernde Haarpflegeprodukte.

Dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen Haare verlieren, ist normal. Jedes Haar hat eine Wachstumsphase, die dann stagniert, und irgendwann fällt das Haar aus. Normalerweise wird anschliessend ein neues produziert. Aufgrund hormoneller Veränderungen oder auch einfach altersbedingt kann die Wachstumsphase jedoch verlangsamt und die Neuproduktion verzögert werden – oder sogar ganz ausbleiben. Ausserdem werden Haare mit zunehmendem Alter oft dünner.

Im Anfang war die Kopfhaut

«Gesunde Haare spiegeln Longevity wider, sie sind ein Symbol für ein gesundes Leben, besonders wenn wir älter werden», erklärt Anju Rupal, Gründerin des Schweizer Naturkosmetik-Brands Abhati Suisse. Für sie ist die Kopfhaut der versteckte, oft vergessene, aber absolut essenzielle Player beim Thema Haargesundheit. Das Aussehen unserer Haare sei nicht zwingend eine Frage von finanziellem Investment, sagt sie, aber investieren müsse man definitiv: «Gesundes Haar benötigt Zeit und Hingabe. Und nährstoffreiche Pflege.»

Oft beginne man erst mit der Haarpflege, wenn es zu spät sei, wenn man unter Haarbruch oder Spliss leide, bedauert Anju Rupal. «Dabei muss man seine Haare vorsorglich pflegen, sie quasi trainieren, damit es gar nichts zu reparieren gibt. Und das beginnt bei der Kopfhaut. Nur wenn sie in Balance ist, kann gesundes Haar wachsen.»

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"Achtzig Prozent der Menschen haben eine unausgeglichene Kopfhaut"

Hairstylistin Giulia Cantamessa

Höchste Zeit also, dass wir uns unsere Kopfhaut einmal näher anschauen. Richtig unter die Lupe genommen – und gepflegt – wird sie in sogenannten Head Spas. Der Trend aus Asien ist vor rund zwei Jahren auch in der Schweiz, genauer gesagt beim Hairsalon The Taç in Zug, angekommen. Hairstylistin Giulia Cantamessa kannte die Spa-Behandlung von Reisen nach Japan und Korea und führt diese nun selbst durch.

Zu häufiges Waschen, zu aggressive Produkte

Dafür wird zuerst mit einem Kopfhaut-Scanner richtig genau hingeschaut: Fünfzigfach vergrössert sehen die Kund:innen auf dem Bildschirm, wie ihre Kopfhaut genau aussieht und was das über die eigene Gesundheit aussagt. «Achtzig Prozent der Menschen haben eine unausgeglichene Kopfhaut», so Giulia Cantamessa. Das reiche von eher schuppiger, leicht gespannter, trockener Kopfhaut bis zu solcher mit übermässiger Talgproduktion.

Beides liege einerseits daran, dass Haare zu oft gewaschen werden, sodass der Säureschutzmantel der Kopfhaut gar nicht erst wieder gebildet werden kann – dieser brauche nämlich mindestens 24 Stunden Regeneration nach einer Haarwäsche. Tägliches Haarewaschen bedeute für die Kopfhaut Stress, worauf sie oft mit übermässiger Talgproduktion reagiere, was wir dann als fettiges Haar wahrnehmen.

Ausserdem würden oft aggressive Haarprodukte verwendet, die zu Irritationen der Kopfhaut führten. Und bei der schier endlosen Auswahl an Produkten passiere es schnell, dass man zu einem Shampoo greife, das gar nicht zu den eigenen Bedürfnissen passe. Giulia Cantamessa rät: «Grundsätzlich gilt: milde Pflege vorziehen und sich bei der Auswahl von Expert:innen beraten lassen.»

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"Auch ein Eisenwert im tiefen Normalbereich kann sich auf die Haargesundheit auswirken"

Thomas Kündig, Klinikdirektor der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich

Zurück ins Head Spa: Nach der Analyse wird die Kopfhaut mit einem Enzympeeling tiefengereinigt und von Produktrückständen, Umwelteinflüssen und Talkum befreit. Dabei wird sie bereits sanft massiert. Danach wird eine Kopfhautmaske aufgetragen, deren Wirkstoffe dank der geöffneten Poren direkt in die Haarwurzeln eingearbeitet werden. Dann folgt eine entspannende Massage und warmer Dampf, der nochmals die Durchblutung fördert und das Produkt in die Kopfhaut einziehen lässt. Anschliessend fliesst kühles Wasser aus einem runden Bogen mit feinen Düsen über die Haare und zum Schluss wird ein regenerierendes Kopfhautserum aufgetragen.

Für zuhause empfiehlt Cantamessa, die Kopfhaut selbst regelmässig zu pflegen – und zu stimulieren. Etwa bei der Haarwäsche mit den Fingerspitzen oder einer Kopfhautbürste, oder aber mit speziellen Kopfhaut-Massagetools. Wichtig dabei: Nicht auf der trockenen Kopfhaut massieren, sondern davor immer etwas Öl oder Serum auftragen. Und nicht über die Haare reiben, sondern mit den Fingerspitzen die Haut sanft hin und her schieben – besonders hinter den Ohren und am Hinterkopf spannt sie oft. Cantamessa erläutert: «Ist die Kopfhaut besser durchblutet, hilft das dem Haarwachstum und der Produktion neuer Haare.»

Anzeichen eines Mangels?

Für Thomas Kündig, Klinikdirektor der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich, ist der wichtigste Faktor für gesundes Haar besonders bei weiblichen Personen ein anderer: «Wir schauen immer zuerst, ob unsere Patient:innen genügend Eisen haben, damit die Haare gut wachsen können. Dabei benötigen Haare einen höheren Gehalt als andere Organe, weshalb sich auch ein Eisenwert im tiefen Normalbereich auf die Haargesundheit auswirken kann.» Leiden Patient:innen unter einem chronischen Eisenmangel, rät er, dessen Ursache genau abklären zu lassen, beispielsweise bei der Gynäkologin.

Ein Wert, den man ebenfalls kennen sollte, sei der Schilddrüsenhormonwert. Besonders eine Schilddrüsenunterfunktion bemerke man oft jahrelang nicht, sei einfach müde, nehme an Gewicht zu – und leide unter schütterem, trockenem Haar. «Mit dieser kleinen, preiswerten Analyse können wir vielen bereits weiterhelfen», so Kündig.

"Jede dritte Frau ist von Haarausfall betroffen, im Alter sogar jede zweite. Trotzdem wird das Thema immer noch tabuisiert"

Juste Baksanskaite, Ärztin bei Māra, einer medizinischen Spezialklinik für Haargesundheit in Zürich

«Jede dritte Frau ist von Haarausfall betroffen, im Alter sogar jede zweite. Trotzdem wird das Thema immer noch tabuisiert, vielleicht aus Scham, vielleicht auch, weil gerade bei Frauen die Haare einen hohen Stellenwert haben», sagt Juste Baksanskaite. Sie ist Ärztin bei Māra, einer medizinischen Spezialklinik für Haargesundheit in Zürich.

Bei Māra wird mithilfe von Haar- und Blutanalysen ganzheitlich untersucht, wo die Ursachen für ausdünnendes Haar liegen. Dafür wird auch hier die Kopfhaut gescannt, bis in die Haarwurzeln: Sie werden auf ihre gleichmässige Verteilung hin geprüft und darauf, wie viele Haare aus einer follikulären Einheit spriessen. In einem Gespräch wird ausserdem über familiäre Prägungen und den eigenen Lebensstil gesprochen.

Gesundes Haar kommt von innen, unsere Ernährung hat einen Einfluss, sie soll ausgewogen und proteinhaltig sein, schliesslich besteht unser Haar zu einem Grossteil aus dem natürlichen Protein Keratin. Nahrungsergänzungsmittel können unterstützen, sie müssen aber ganz genau auf den eigenen Körper und seine Bedürfnisse abgestimmt sein: «Hände weg von Allzweckprodukten für Haare, Haut und Nägel aus dem Supermarkt oder der Drogerie», rät Juste Baksanskaite. «Diese sind oft entweder viel zu tief oder zu einseitig dosiert.»

Regenerative Therapien und Medikamente

Beim Wunsch nach dichterem Haar könne schon die Stimulation der Kopfhaut helfen, bestätigt Juste Baksanskaite. Die Klinik Māra bietet regenerative Behandlungsmethoden an. Eine davon ist die PRP-Behandlung (Plättchenreiches Plasma). Bei dieser Eigenbluttherapie wird das Plasma aus dem Blut extrahiert und in die Kopfhaut injiziert.

Das Plasma verfügt über hochkonzentrierte körpereigene Wachstumsfaktoren, die durch die Therapie gezielt die Haarfollikel stimulieren. Diese umgeben die Haarwurzel, verankern das Haar und versorgen es mit Nährstoffen, damit es wachsen kann. Mittels PRP-Behandlung soll das Haarwachstum nachhaltig gestärkt werden.

Weiter wird bei Māra die neuartige Exosomen-Therapie angeboten, bei der ebenfalls mit Eigenblut gearbeitet wird. Hier werden Wachstumsfaktoren genutzt, welche die Kommunikation zwischen den Zellen und damit deren Regeneration verbessern. Die Exosomen würden den Haarwurzeln signalisieren, wieder zu wachsen und stärker zu werden.

"Absolut ausschlaggebend ist bei Haarausfall der Faktor Zeit"

Naja Cardoso Huster, Fachärztin für Dermatologie in der Margarethenklinik in Basel

Absolut ausschlaggebend sei bei Haarausfall klar der Faktor Zeit, sagt Naja Cardoso Huster, Fachärztin für Dermatologie in der Margarethenklinik in Basel. «Sobald man eine Ausdünnung der Haare, eine Veränderung des Haarverlusts oder das Auftreten kahler Stellen bemerkt, empfehlen wir eine fachärztliche Beurteilung», so Cardoso Huster. Je früher die Diagnose gestellt werde, desto grösser seien die therapeutischen Möglichkeiten gegen den Haarverlust.

Für Naja Cardoso Huster machen regenerative Behandlungen durchaus Sinn. Sie fügt aber hinzu: «Wir setzen diese sehr selektiv ein, denn es gibt keine Therapie, die für alle Formen von Haarausfall gleichermassen wirkt.» In der Basler Margarethenklinik kommen diese Therapien meist in Kombination mit Medikamenten zum Einsatz.

In allen konsultierten Kliniken wird hauptsächlich mit dem Medikament Minoxidil gearbeitet. Ursprünglich gegen Bluthochdruck entwickelt, stellte man rasch fest, dass es den Haarwuchs nicht nur fördert, sondern die Haare zudem dicker macht. Da es lokal auf der Kopfhaut und in geringer Dosis angewendet wird, gebe es kaum Nebenwirkungen, erklärt Thomas Kündig. Das Medikament muss aber langfristig angewendet werden und wird nur im Zusammenhang mit einer klaren Diagnose empfohlen, je nach Dosierung ist die Lösung rezeptpflichtig.

Wer unter dünnem oder ausdünnendem Haar leidet, hat also die Wahl zwischen verschiedenen Behandlungen. Aber in manchen Fällen reicht auch schon ein kritischer Blick auf das volle Haar in Hochglanzmagazinen und auf Screens. Denn oft ist «Rich Girl Hair» auch einfach das Produkt von Filtern, Volumensprays und allenfalls Haarteilen, die das Haar dichter aussehen lassen. Eine Illusion, die wir uns allenfalls ohne Medikamente und Therapien, aber mit guter Pf lege und klugem Styling auch selbst erschaffen können.

Dercos Aminexil Clinical R.E.G.E.N. Booster Serum 64 Fr. von Vichy – regenerierendes und anregendes Kopfhautserum

Stimulating Scalp Massager 39 Fr. von Aveda – entfernt sanft Produktrückstände und verbessert die Durchblutung der Kopfhaut

Scalp & Skin Toner 44 Fr. von Rahua – zum Reinigen und Beruhigen der Kopfhaut, bringt den pH-Wert der Haut ins Gleichgewicht

Gua-Sha-Massagekamm aus Jade 41 Fr. von Mount Lai – zur Stimulation der Kopfhaut

Chambal Sacred Hair Oil 45 Fr. von Abhati Suisse – für die Massage der Kopfhaut vor dem Haarewaschen

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