Neumond im Stier am 16. Mai 2026: Zwischen Widerstand und Hingabe
Die Lektion des Stier-Neumonds am 16. Mai 2026: Ja sagen zu dem, was gerade ist, schreibt unsere Astro-Fee Alexandra Kruse. Was sonst noch wichtig wird, lest ihr hier.
- Von: Alexandra Kruse
- Bild: Unsplash
Manchmal braucht es drei Rosinen, einen Hexenschuss und Gewitter über Bellagio, um zu verstehen, was die Erde wirklich von uns will. Und die Erkenntnis, dass Langweile vielleicht die mutigste Form der Hingabe ist.
Aber nun mal langsam (das Wort der Stunde!). Mein Gott, war ich genervt. Genervt bis grantig.
Erstes Problem: Mein Rücken. Wir erinnern uns: Hexenschuss zum Vollmond. Aus lauter Rebellion und mit grosser Lust auf Leichtigkeit und Unsinn im Kopf hatte ich aus der Walpurgisnacht ein mehrtägiges Festival gemacht, mich den Feen hingegeben und getanzt, bis die Sonne mal auf- und wieder unterging. Die Zeit der Stier-Sonne musste schliesslich gefeiert werden.
Als ich wieder zu mir kam, sass ich (ich versuchte es immerhin) mit vielen sehr klugen und schönen Menschen in einer ebenso schönen und klugen Bibliothek mit den schönsten Büchern von Surrealismus bis Philosophie, bewacht von einem kleinen Saturn (unserem Hüter des Wissens und der Weisheit).
Grau, verhangen und verregnet – wie meine Laune
Mit einem nahezu unverbauten Blick auf ein – zweites Problem – unglaublich düsteres, wolkenverhangenes, gewitteriges Bellagio. Blitzhexe und Donner-Mann hatten offensichtlich auch einiges zu feiern und liessen es ordentlich krachen. Alles war so grau, verhangen und verregnet – wie meine Laune. Wir hatten doch Sonnenschein und Happiness am Comer See gebucht?!
Da sass ich also, so gut es ging, in einem Workshop zum Thema Mindfulness. Mein rasendes Gehirn konnte und wollte sich so gar nicht auf die passende Frequenz eintunen. Wir haben in 21 (!) Minuten ganze drei Rosinen gegessen. Das Thema des Retreats war: SLOW.
Bellagio selbst (eine Art Treibhaus, hier wächst wirklich so ziemlich alles, und zwar in Hülle und Fülle) hat sexy römische Wurzeln – schon damals wurden die Vorzüge des Ortes für Studium und Jagd genutzt, man musste aber vermutlich keine Rosinen in Zeitlupe essen.
Rückzug vom Trubel
Vor langer Zeit träumte eine Urgrossmutter der heutigen Besitzerin des Belvedere Bellagio von einem perfekten Rückzugsort über dem Trubel von Bellagio. Seitdem haben fünf Generationen diesen Traum mit Entschlossenheit und Liebe weitergegeben. Heute heisst Giulia (Fische-Sonne und -Aszendent) Gäst:innen aus aller Welt willkommen.
Giulia wuchs im Haus auf, sah schon ihrer Grossmutter zu, wie sie jeden Morgen Blumen aus dem Garten schnitt, um die Zimmer zu schmücken; ihre eigenen Kinder verstecken sich am liebsten unter einem riesigen Magnolienbaum.
Im Zeichen der Juicyness
Stier ist das erste Erdzeichen in unserem Tierkreis. Jetzt zum Neumond treffen sich Mond und Sonne im Zeichen der Juicyness. Das Belvedere öffnete seine Türen genau in dieser Zeit – 1880, mitten in der Belle Époque, als Europa gerade begriff, dass Schönheit und Beständigkeit keine Gegensätze sind. Dass man beides haben darf.
Und dann gibt es da noch diesen Mythos, den ich mir nicht besser hätte ausdenken können: In der griechischen Mythologie verwandelte sich Zeus in einen weissen Stier mit goldenen Hörnern, um die schöne Europa zu sich zu locken – und schwamm mit ihr bis nach Kreta. Unser Kontinent wurde also benannt nach einer Frau, die sich von einem Stier verführen liess.
Ich finde das ausgesprochen logisch und nachvollziehbar. Und irgendwie auch: vollkommen stimmig für diesen Neumond. Das Ende des alten 29-Tage-Rhythmus ist im selben Moment der erste Atemzug des neuen. Die Erde liegt da, dunkel und still, bereit zu empfangen.
Was pflanzen wir?
Was pflanzen wir also? Was ist es, das durch uns in die Welt kommen will – nicht durch unseren Kopf, sondern eben ganz praktisch durch unsere Hände, unsere Füsse, unseren Körper? Der Stier fragt das nicht abstrakt. Er fragt es buchstäblich. Mit den Füssen auf dem Boden.
Ich sollte mich später übrigens noch barfuss nur mit einem Handtuch bekleidet dabei erwischen, einen Regentanz zu machen. Am nächsten Morgen schien die Sonne und wir machten eine Bootstour vorbei an Prachtvillen, Parks und der Film-Location des Star-Wars-Planeten Naboo (Anakin Skywalker und Padmé Amidala haben hier heimlich geheiratet – wo auch sonst?!).
Aber jetzt nicht ablenken, auch wenn Stier natürlich wegen Beständigkeit und Stabilität ideal ist, wenn es ums Heiraten geht. Verlangsamen macht nämlich, dass man mehr sieht, hört, schmeckt, erlebt. Mehr Sinnlichkeit. Mehr Hingabe.
Der Weg zur Hingabe
Alles, was wir vor lauter Tempo und Optimierung irgendwie verlernt haben – in einer Welt, die Geschwindigkeit mit Wichtigkeit verwechselt. Das ist vielleicht die grösste Lektion des Stiers: Man kommt nicht durch Anstrengung in die Hingabe. Sondern durch Loslassen. Durch das Aufhören zu kämpfen.
Durch das Ja zu dem, was gerade ist – auch wenn es Regen über dem Comer See ist, ein schmerzender Rücken und drei Rosinen als Vorspeise.
Am nächsten Morgen nach meinem persönlichen Widerstandsfestival schrieb ich ein einziges Wort in mein Journal: Widerstand. Wie oft stehen wir uns selbst im Weg. Wir verhärten uns, rebellieren – das Schweizer Wort dafür, ich habe trotz langen Nachdenkens kein besseres gefunden: täubelen.
Nicht Kopf, sondern Körper
Wir täubelen uns durch den Tag, durch die Woche, durch Entscheidungen, die eigentlich längst getroffen sind. Pluto, unser Planet der Transformation, flüstert gerade sehr laut: Frieden kann nur über den Körper kommen. Nicht über den Kopf, nicht über die nächste Analyse, das nächste Gespräch, die nächste Aufarbeitung.
Über den Körper. Über die Füsse auf dem Boden. Über die Hände in der Erde. Über das Atmen, wenn man eigentlich kämpfen will. Und über die Sicherheit, dass es in Ordnung ist, um Hilfe zu fragen.
Eine Botschaft kam am Retreat immer und immer wieder durch: Alles, was wir haben, kommt aus der Erde, durch die Erde, in die Erde – und geht irgendwann wieder in die Erde zurück. Unsere Körper. Unsere Häuser. Unsere Ideen, die wir in Bücher pressen. Vielleicht sind wir einfach etwas langsam. Aber die Erde hat das letzte Wort. Immer. Bis dahin: Langsam, aber sicher weiter!
Der Song zu dieser Mondphase:
Die To-dos für diesen Neumond
1.
1.
Drei Rosinen. Bei vollem Bewusstsein.
Kein Witz. Sich hinsetzen. Eine Rosine nehmen. Sie anschauen – wirklich anschauen, als wäre es das erste Mal. Ihre Textur, ihre Farbe, das getrocknete Licht, das noch in ihr steckt. Sie riechen. Dann langsam in den Mund legen und warten, was passiert. Das ist kein Hipster-Ritual. Das ist Stier-Magie: vollständige Präsenz im kleinsten Moment. Was wäre, wenn wir so durch den Tag gingen – nicht durch drei Rosinen, aber durch drei bewusste Momente?
2.
2.
Eine Wunschblume pflanzen – wortwörtlich.
Nicht auf einem Post-it. Nicht in der Notes-App. Sondern mit Erde unter den Fingernägeln. Ein Samen, eine Zwiebel, eine kleine Pflanze. Etwas, das wächst, während wir schlafen. Der Neumond ist der perfekte Moment, um das Neue ganz bewusst einzuladen – nicht als Gedanke, sondern als Handlung. Was willst du in den nächsten 29 Tagen wachsen sehen? Pflanz es. Buchstäblich.
3.
3.
Mit Feen und Erdgeistern reden.
Im Moment ist das so einfach wie selten! Die Verbindung zur unsichtbaren Welt ist unter dem Stier-Neumond besonders dünn. Machen wir ihnen ein kleines Geschenk – ein Haar, ein Bonbon, ein Lied. Elfen lieben es, uns Wünsche zu erfüllen.
4.
4.
Den Stieren persönlich begegnen.
Den eigenen Fleisch- und Tierkonsum noch einmal überdenken – ohne sich zu radikalisieren, ohne Drama, ohne grossen Schwur. Einfach bewusst hinschauen. Was auf meinem Teller kommt vorher? Die Stier-Zeit lädt uns alle zu bewusstem Konsum ein: Was hat die Erde dafür gegeben? Wie viel brauche ich wirklich – und wie viel ist stumpfe Gewohnheit?
5.
5.
Irgendwo hinsitzen, wo schon viele vor uns sassen.
Ein nettes Café. Eine Bibliothek. Eine Bank am See. Und spüren, wie sich Beständigkeit und Fundament anfühlen. Und fühlen: Ich muss nirgendwo hin. Ich bin schon da. Das ist die Einladung dieses Neumonds. Nicht spektakulär. Nicht laut. Einfach: ankommen. In der Erde, im Körper, im Moment. Und von dort aus – langsam, bewusst, mit dreckigen Händen – das Neue einladen.