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Ab vor den Bildschirm: 4 aktuelle Filmtipps der Redaktion

Ab vor den Bildschirm: 4 aktuelle Filmtipps der Redaktion

Vier Filme, die bei uns in der Redaktion gerade rauf und runter diskutiert werden: frisch, spannend und absolut empfehlenswert. Hier kommen unsere aktuellen Filmtipps.

«The Secret Agent» – Tipp von Modepraktikantin Alice Bayer

Darum geht’s: Brasilien im Jahr 1977: Marcelo Alves, ein Professor Anfang 40, flieht vor seiner unruhigen Vergangenheit nach Recife. In der Hafenstadt am Atlantik finden gerade die Feierlichkeiten zum jährlichen Karneval statt. Marcelo sieht seinen kleinen Sohn wieder und hofft, sich in Recife ein neues Leben aufbauen zu können. Unterdessen ist er Ziel von Morddrohungen und fühlt sich verfolgt und ausspioniert. Schon bald muss Marcelo erkennen, dass die Stadt kein sicherer Zufluchtsort für ihn ist.

Deshalb ist der Film so verdammt gut: Der Film thematisiert Überwachung, Korruption und Angst während der brasilianischen Militärdiktatur, ohne je in Plattitüden zu verfallen. Mit charismatischen Charakteren und raffiniertem Humor zeichnet Kleber Mendonça ein atmosphärisches Porträt der späten Jahre des Regimes und schafft damit einen fesselnden Politthriller. Anstelle von lauter Action setzt er auf subtile Spannung, präzise gesellschaftliche Beobachtung und eine beklemmende Atmosphäre. Die Geschichte ist nicht nur ein Spiegel der Vergangenheit, sondern auch ein universeller Kommentar über das Gefühl permanenter Kontrolle – und damit heute aktueller denn je.

Für Fans von: Gesellschaftskritik, Brasilien, Wagner Moura

Wo schauen: Aktuell im Kino

«Die My Love» – Tipp von Editor-at-Large Jacqueline Krause-Blouin

Darum geht’s: Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) ziehen in eine abgelegene ländliche Gegend. Doch nach der Geburt ihres Babys bricht für Grace eine düstere Phase an: Einsamkeit, der Druck des Mutter-Daseins und eine postnatale Depression bringen sie immer weiter aus dem Gleichgewicht. Während Jackson sich zunehmend entfernt, verwischen bei Grace die Grenzen zwischen Realität, Traum und Verzweiflung.

Deshalb ist der Film so verdammt gut: Weil Jennifer Lawrence mal wieder in Höchstform ist. Sie spielt so gut, dass man kerzengerade gebannt dasitzt und auf das Beste hofft, aber das Schlimmste befürchtet. «Die My Love» ist eine Mischung aus der Schönheit eines Nouvelle-Vague-Films und der Tiefe einer Sam-Shepard-Geschichte. Ausserdem ist der Soundtrack fantastisch.

Für Fans von: Arthaus-Kino mit Stilbewusstsein, «The Lost Daughter», «We Need To Talk About Kevin» oder «Rosemary’s Baby»

Wo schauen: Aktuell im Kino

«One battle after another» – Tipp von Redaktorin Sarah Lau

Darum geht’s: Revoluzzer Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio) ist nach Jahren des Kampfes zum dauerbekifften Bademantelträger mutiert. Seine grosse Liebe und Mitstreiterin Perfidia (Woom: Teyana Taylor) musste längst ihre eigene Haut retten, und Bob ist mit Tochter Willa in Nordkalifornien untergetaucht. Erst als der sadistische Militärmann und Erzfeind der Familie, Colonel Lockjaw (Oscar, bitte jetzt: Sean Penn), unterstützt von einer geheimen Gruppe christlicher weisser Suprematisten, wieder auftaucht und Willa ins Visier nimmt, wird Bob aus seiner Lethargie gerissen. Er muss endlich handeln – nicht für die Revolution, sondern um das Leben seiner Tochter zu schützen.

Deshalb ist der Film so verdammt gut: Man kann es nicht beschönigen: Dieser Film ist ein Schock. Angesichts seiner verstörend aktuellen Themen – Machtmissbrauch, die Jagd auf Migrant:innen, ein militärisches Willkürregime, gegen das die Revoluzzer antreten – sitzt man konstant verkrampft im Kinosessel. Gleichzeitig schafft Paul Thomas Anderson Bilder von Revolution, Chaos, Liebe und Widerstand, die unfassbar eindringlich und kunstvoll sind. Skurriler Anarcho-Humor, bis in die winzigste Nebenrolle perfekt besetzt (Benicio Del Toro als Sensei Sergio St. Carlos!), und eine Verfolgungsjagd, bei der selbst mir erstmals der Puls hochschoss. Kurz: ein Film, der wachrüttelt und daran erinnert, welch Kraft Kino zu haben vermag.

Für Fans von: «Jojo Rabbit», «Inherent Vice», «Sorry to Bother You» – also Filmen, die Antiheld:innen feiern, unkonventionelle Politsatiren lieben und bildgewaltige Inszenierungen auf die Spitze treiben.

Wo schauen: Aktuell im Kino

«Frankenstein» – Tipp von Beauty-Chef Niklaus Müller

Darum geht’s: Guillermo del Toros «Frankenstein» erzählt Mary Shelleys Horror-Klassiker als düster-poetisches Drama: Victor Frankenstein (Oscar Isaac) erschafft ein fühlendes, verletzliches Geschöpf (Jacob Elordi), das Antworten, Aufmerksamkeit und Würde einfordert. Zwischen Schuld, Macht und tragischer Liebe – verkörpert von Mia Goth in einer Doppelrolle – eskaliert ein intensiver Konflikt zwischen Schöpfer und Schöpfung.

Deshalb ist der Film so verdammt gut: Weil del Toro keine Monsterstory gemacht hat, sondern eine emotionale Gothic-Oper. Die Bilder sind gewaltig und Elordi spielt die Kreatur mit einer Mischung aus Kraft und Traurigkeit, die unter die Haut geht. Mia Goth und ihre Kostüme sind hypnotisch, und die Musik macht das Ganze noch grösser, düsterer, melancholischer und schöner.

Für Fans von: Gothic-Horror, «The Shape of Water» und düsteren Märchen

Wo schauen: Netflix

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