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Oscars 2026: Diese Momente prägten die Academy Awards

Oscars 2026: Diese Momente prägten die Academy Awards

In der Nacht auf Montag ging in Los Angeles die 98. Verleihung der Academy Awards über die Bühne. Unsere Beobachtungen jenseits der üblichen Gewinnerlisten.

Jessie Buckleys erster Muttertag 

Ausgerechnet an ihrem ersten Muttertag – der in Grossbritannien bereits im März gefeiert wird – gewann Jessie Buckley (wunderschön in new Chanel!) erwartungsgemäss den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre eindrucksvolle Performance in «Hamnet». Mit Tränen in den Augen widmete sie den Preis «dem wunderschönen Chaos, das ein Mutterherz ist», sowie ihrem acht Monate alten Baby, «das bestimmt gerade von Milch träumt».

Sie wünsche sich mit ihrem Mann «noch 20'000 weitere Babys», sagte Buckley scherzend. In «Hamnet» spielt sie die Frau von William Shakespeare und durchlebt zwei intensive Geburtsszenen sowie den tragischen Tod ihres Sohnes.

Anna und Anne

Den Oscar für das beste Kostümdesign übergab das grossartigste Duo des Abends im genialen Werbestunt für «The Devil Wears Prada 2»: Anne Hathaway und Anna Wintour (anfangs sogar ohne Sonnenbrille!). Hathaway gab die unsouveräne Andi und fragte Wintour, ob ihr Kleid gefalle. Die antwortete gar nicht und nannte sie, wie Meryl Streep im Film, «Emily».

Und was trug Hathaway? «Florals for spring! Groundbreaking!»

Michael B. schlägt Timi und Leo

Das Rennen um den Oscar für den besten Hauptdarsteller war in diesem Jahr wohl das offenste der ganzen Saison. Über Monate hinweg wechselten die Prognosen beinahe wöchentlich: mal lag Michael B. Jordan für «Sinners» vorne, dann wieder Timothée Chalamet mit «Marty Supreme», zwischendurch wurde auch Leonardo DiCaprio als möglicher Sieger gehandelt.

Einen klaren Favoriten gab es nie. Am Ende setzte sich Jordan, der mit seiner Mutter kam, durch und wirkte auf der Bühne fast genauso überrascht wie das Publikum. In seiner Rede fand er einen der stärksten Momente des Abends: «We spend our lives pretending to be other people. Tonight I just want to thank the ones who helped me become myself.» Ein Satz, der den Raum kurz still werden liess – und vielleicht auch erklärte, warum ausgerechnet er dieses Kopf-an-Kopf-Rennen gewann.

Warners letzter grosser Triumph?

Warner Bros. war der klare Abräumer des Abends: Gleich 11 Preise gingen an Produktionen des Studios hinter «One Battle After Another» und «Sinners» – ein Triumph, der jedoch einen leicht schalen Beigeschmack hinterliess.

Denn in Hollywood wird bereits spekuliert, dass es eines der letzten Male gewesen sein könnte, dass Warner in dieser Form aufwendige, progressive Prestigeprojekte unterstützt. Hintergrund ist der geplante Verkauf des Konzerns an die Trump-nahe Ellison-Familie. Zum Imperium gehört auch der Nachrichtensender CNN, was zusätzlich die Debatte über die künftige politische Ausrichtung des Medienriesen anheizt.

Auch Jimmy Kimmel meldete sich mit einem spitzen Kommentar zu Wort: «Wie Sie wissen, gibt es einige Länder, deren Anführer die Meinungsfreiheit nicht unterstützen. Ich darf leider nicht sagen, welche. Sagen wir einfach: Nordkorea … und CBS.»

Timi, der Prügelknabe

Sein Film «Marty Supreme» war neun Mal nominiert gewesen und gewann keinen einzigen Oscar. Timothée Chalamet ging an diesem Abend leer aus – und musste zudem eine Reihe von Witzen über sich ergehen lassen. Auslöser war sein Fauxpas, Oper und Ballett als irrelevant zu bezeichnen  – ein gefundenes Fressen für mehrere Redner:innen.

Starballerina Misty Copeland hatte einen prominenten Auftritt, auf der Bühne wurde sogar eine Opernszene inszeniert, und auch Host Conan O’Brien nahm Chalamet genüsslich aufs Korn. Neben ihm sass Freundin Kylie Jenner und lächelte leicht gequält.

Dass Chalamet an diesem Abend nicht gewann, ist aber – entgegen der Gerüchte auf Social Media – nicht auf seine Äusserungen zurückzuführen. Das Voting der Academy war bereits abgeschlossen, als der Clip viral ging. Auf dem roten Teppich wich er dem Thema aus – während der Show nahm er die Witze über sich jedoch sportlich.

Es gab aber auch geschmacklose Witze, etwa die sogenannte «Timothée Chalamet Bum Drum» – eine Trommel in Form eines Hinterns, auf die mit Ping-Pong-Schlägern geschlagen wird. Der lahme Gag spielt auf den berühmten Po seiner Freundin Kylie Jenner an, der zuletzt auch ziemlich nackt in der neuesten Ausgabe der «GQ» zu sehen war.

Sean Penn war M.I.A.

Sean Penn fehlte bei den Oscars – ausgerechnet an dem Abend, an dem «One Battle After Another», der politisch aufgeladene Film, mit dem er als bester Nebendarsteller gewann, zu den grossen Gewinnern gehörte. Der Schauspieler und Aktivist soll sich stattdessen in der Ukraine aufhalten. Ein offizielles Statement gab es nicht, aber das Fernbleiben passt zu Penn, der seit Jahren lieber an geopolitischen Brennpunkten auftaucht als auf der Oscar-Bühne.

Amy Madigan gegen die jungen Hüpfer

Zu Tränen rührte Amy Madigan, die mit 76 Jahren für ihre Leistung in «Weapons» ihren ersten Oscar gewann. Alle ihre Mitnominierten waren unter 40.

Zuerst erstarrte sie, dann liess sie einen Lacher für die Ewigkeit hören und stotterte aufgeregt, sie habe sich gestern extra die Beine rasiert – und trage nun doch Hosen. Am Ende dankte sie ihrem Mann Ed Harris, mit dem sie seit 45 Jahren zusammen ist und ohne den «all das nichts bedeuten würde». Herzerwärmend!

Babs und Bob

Die Verleihung war insgesamt bewegend, stellenweise fast melancholisch. Doch als traditionell der verstorbenen Grössen Hollywoods gedacht wurde, wurde es im Saal still. In kurzer Folge erschienen Namen und Gesichter von Künstlerinnen und Künstlern, die das Kino geprägt haben. So viele Legenden sind in letzter Zeit von uns gegangen.

Es gab einen In-Memoriam-Moment für Bob und Michele Reiner, die im Dezember ermordet wurden. Eine besondere Laudatio von Rachel McAdams auf Diane Keaton. Und als Barbra Streisand begann, über Robert Redford zu sprechen, kippte die Stimmung endgültig ins Emotionale.

Er habe sie, erzählte sie mit einem Lächeln, stets «Babs» genannt – einen Spitznamen, den sie eigentlich nie mochte. («Sehe ich etwa aus wie eine Babs?») In einem Brief an sie habe Redford geschrieben: «Ich liebe dich, und ich werde es immer tun.» In ihrem letzten Brief an ihn habe sie geantwortet: «Ich liebe dich auch» – und zähneknirschend mit «Babs» unterschrieben.

Als Streisand schliesslich «The Way We Were» anstimmte, war es endgültig bei allen vorbei. Vielleicht nicht nur wegen Redford. «The Way We Were» konnte nämlich auch als nostalgische Reminiszenz auf Hollywood verstanden werden. Und vielleicht auch auf die Welt.

Alle Gewinner:innen im Überblick

Bester Film: «One Battle After Another»
Bester internationaler Spielfilm: «Sentimental Value», Norwegen
Beste Regie: Paul Thomas Anderson («One Battle After Another»)
Beste Hauptdarstellerin: Jessie Buckley («Hamnet»)
Bester Hauptdarsteller: Michael B. Jordan («Sinners»)
Beste Nebendarstellerin: Amy Madigan («Weapons»)
Bester Nebendarsteller: Sean Penn («One Battle After Another»)
Bestes Originaldrehbuch: Ryan Coogler («Sinners»)
Bestes adaptiertes Drehbuch: Paul Thomas Anderson («One Battle After Another»)
Beste Kamera: Autumn Durald Arkapaw («Sinners»)
Bestes Szenenbild (Production Design): «Frankenstein»
Bestes Kostümdesign: «Frankenstein»
Bestes Make-up und beste Frisuren: «Frankenstein»
Beste Filmmusik: Ludwig Göransson («Sinners»)
Bester Filmsong: «Golden» aus «KPop Demon Hunters»
Bester Schnitt: Andy Jurgensen («One Battle After Another»)
Bester Ton: «F1»
Beste visuelle Effekte: «Avatar: Fire and Ash»
Bestes Casting: Cassandra Kulukundis («One Battle After Another»)
Bester Animationsfilm: «KPop Demon Hunters»
Bester animierter Kurzfilm: «The Girl Who Cried Pearls»
Bester Kurzfilm: «The Singers» und «Two People Exchanging Saliva» (Gleichstand)
Bester Dokumentarfilm: «Mr. Nobody Against Putin»
Bester Dokumentar-Kurzfilm: «All the Empty Rooms»

 

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