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"Beach Sisters" Anouk und Zoé Vergé-Dépré: Erst Konkurrentinnen, jetzt kämpfen sie gemeinsam für Olympia

Auf dem Weg zu Olympia 2024 erfüllte sich Zoé Vergé-Dépré einen Traum – während der ihrer Schwester Anouk zerbrach. Heute treten die Schweizer Beachvolleyballerinnen erstmals gemeinsam als Team an. In der Serie "Beach Sisters" zeigen sie, wie Konkurrenz, Ehrgeiz und Schwesternliebe zusammenpassen.

Was hat Sie beide daran gereizt, die Serie «Beach Sisters» zu machen?
Anouk Vergé-Dépré: Viele Menschen sehen immer nur die Sonnenseite unseres Lebens: Die schönsten Strände und Sonne – oft sieht unser Job als Beachvolleyballerinnen fast wie Ferien aus. Wir wollten zeigen, was wirklich alles dahintersteckt.
Zoé Vergé-Dépré: Besonders auch auf Social Media wird vieles beschönigt. Und man hat in vielen Formaten nicht die Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen. Mit dieser Serie konnten wir das.

Was zeigt «Beach Sisters», das man normalerweise von aussen nicht über Beachvolleyball sieht?
Zoé: Ganz vieles. Zum Beispiel, wie eng wir mit unseren Coaches zusammenarbeiten, trainieren und unsere Spiele analysieren.
Anouk: Auch, dass sehr vieles im Alltag nicht glamourös ist. Etwa, wie wir an der WM nach Mitternacht in unserem Zimmer immer noch auf den Spielplan des nächsten Tages warten. Und dass wir nicht nur Sportlerinnen, sondern auch Unternehmerinnen sind – und auch sein müssen, um diesen Job ausüben und davon leben zu können.

Welche Seiten zeigen Sie von sich, die Aussenstehenden sonst verborgen bleiben?
Zoé: Ich bin nicht so extrovertiert und selbstbewusst, wie vielleicht viele meinen. Diese Gegensätze zwischen tough und stark sein, aber auch mal nachdenklich, das transportiert die Serie sehr gut, wie ich finde.
Anouk: Wir nehmen die Zuschauer:innen mit in eine Zeit, in der wir uns selbst und einander als Team erst finden mussten. Da zeigen wir alle Emotionen, die Hochs und auch die Tiefs.

Gab es beim Dreh Momente, in denen Sie den Gedanken schwierig fanden, diese mit Zuschauer:innen zu teilen?
Anouk: Es gab einen Moment, der nicht auf Video festgehalten worden ist: Eine sehr persönliche Aussprache zwischen Zoé und mir. Sie wird thematisiert in der Serie, wurde aber nicht gefilmt. Es war auch wichtig für uns, dass wir irgendwo eine Grenze ziehen konnten.
Zoé: Manchmal kann man Gefühle auch nicht sofort in Worte fassen. Die Bilder sprechen dann für sich.

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Was fasziniert Sie an Beachvolleyball und was hat Sie der Sport fürs Leben ausserhalb des Sports gelehrt?
Anouk: Die Konstellation, im Team zu spielen, aber ohne die Möglichkeit auszuwechseln, gibt es sonst fast in keiner Sportart. Man kann sich nicht verstecken. Egal, wie es einem geht, man muss sich zeigen und das Beste daraus machen. Das fasziniert mich und lehrt mich gleichzeitig fürs Leben.

Messen Sie Ihre eigene Leistung an der Ihrer Schwester?
Anouk: Nein, darum geht es überhaupt nicht. Wir spielen ja auch auf verschiedenen Positionen, haben andere Aufgaben. Es geht eher darum, die Partnerin und Schwester zu lesen und zu wissen, was sie braucht, und dann mit der eigenen Leistung darauf zu reagieren.
Zoé: Früher schaute ich natürlich zu meiner grossen Schwester auf. Es war aber nicht wirklich ein Messen, sondern eher ein: «Wow, cool, was Anouk kann. Ob ich das auch mal schaffe?» Irgendwie kam es dann unverhofft, dass ich so schnell auch auf Weltniveau spielte und wir Konkurrentinnen wurden. Wir versuchten dann, uns einfach auf uns selber zu konzentrieren. Heute pushen wir uns mal, ein anderes Mal beruhigen wir uns oder motivieren uns gegenseitig.

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"Man muss komplett ehrlich zueinander sein, wenn man zusammen Erfolg haben will"

Haben Sie sich als Kinder bereits miteinander verglichen oder geschah das eher von aussen, dass Trainer:innen oder Angehörige Sie miteinander verglichen?
Zoé: Das kam eigentlich nur von aussen, von der Öffentlichkeit und nicht vom eigenen Umfeld.

Sie waren lange Konkurrentinnen – heute ein Team. Wie kam es genau dazu?
Zoé: Meine ehemalige Partnerin Esmée Böbner hatte 2024 nach Olympia beschlossen, ihre Karriere zu beenden.
Anouk: Und meine damalige Partnerin Joana Mäder legte eine Pause ein. Und so kam, was sich unsere Familie schon lange insgeheim gewünscht hatte: Wir beschlossen, ohne sie vorher um Rat zu fragen oder sie zu informieren, ein Team zu gründen. Wir wollten uns beide ohne äussere Einflüsse entscheiden und sicher sein.

Wie gingen Sie früher damit um, gegen Ihre Schwester zu verlieren, sie erfolgreicher oder weniger erfolgreich zu sehen? Wie sehr schmerzten Sie die Niederlagen Ihrer Schwester und wie sehr konnten Sie sich über deren Siege freuen?
Anouk: Lange war die Situation gar nicht so, weil wir sechs Jahre Altersunterschied haben.
Zoé: Ja, eigentlich kamen wir erst in die Konkurrenzsituation, als es mit der Olympiaqualifikation auch gleich die ganze Öffentlichkeit mitbekommen hat.
Anouk: Natürlich war das für die ganze Familie schwierig. Ich freute mich einerseits für meine Schwester, dass sie sich mit Paris 2024 einen Traum erfüllen konnte, andererseits zerbrach einer meiner eigenen Träume.
Zoé: Dass wir das als Schwestern und als Familie durchgemacht haben, hat uns schliesslich noch näher zusammengebracht.

Können Sie sich jetzt miteinander in einem Team verletzlicher zeigen oder wollen Sie sich im Gegenteil einander gegenüber eher stark zeigen?
Anouk: Man muss komplett ehrlich zueinander sein, wenn man zusammen Erfolg haben will.
Zoé: Und als Schwestern ist das noch wichtiger, denn die andere spürt so oder so, wenn etwas nicht stimmt.

"Wir möchten nicht auch noch unsere Ferien zusammen verbringen"

Was ist für Sie das Beste daran, Ihre Schwester als Teamkollegin zu haben?
Anouk: Dass wir zusammen die Welt bereisen und Erfolge – aber auch schwierige Momente – teilen können.
Zoé: Und dass nun die ganze Familie für uns gemeinsam fanen kann (lacht).

Wenn es sie gibt: In welchen Momenten nervt es, dass die eigene Schwester die Teamkollegin ist?
Zoé: Dass wir uns nun absprechen müssen, wer von uns wann auf unsere Heimatinsel Guadeloupe in die Ferien geht (der Vater der Sportlerinnen stammt aus Guadeloupe, Anm. der Redaktion). Denn wir möchten ja bewusst nicht auch noch unsere Ferien ständig zusammen verbringen. Auf der anderen Seite war das früher natürlich auch sehr schön, das gemeinsam zu machen.

In welchen anderen Bereichen Ihres Lebens verbringen Sie – bewusst – keine Zeit zusammen?
Anouk: Im Flugzeug buche ich uns oft Plätze ganz weit auseinander (lacht). Und die Freizeit verbringen wir auch meist getrennt.
Zoé: Wir haben auch mehrere gemeinsame WhatsApp-Chats, einige davon für Sport und Business, aber einen davon auch privat. Damit gleich klar ist, worum es geht und dass wir uns nun als Schwestern und nicht als Partnerinnen ansprechen.

Was haben Sie Neues voneinander gelernt, seit Sie zusammenspielen?
Zoé: Ich habe von Anouk gelernt, für mich und meine Wünsche einzustehen. Dass ich sagen darf, was ich möchte, und mir selbst auch diesen Raum geben darf. Denn ich habe die Tendenz, mich anderen anzupassen und mich selbst zurückzunehmen.
Anouk: Zoé lehrt mich, mehr Geduld zu haben mit anderen Menschen – und nettere SMS zu schreiben (lacht).

Was hat Sie am meisten überrascht an Ihrer Schwester als Sportlerin, das Sie vielleicht vorher noch nicht gewusst hatten?
Zoé: Ich wusste schon immer, dass Anouk sehr ehrgeizig ist, aber sie ist wohl noch ehrgeiziger, als ich dachte.
Anouk: Zoé braucht viel Ruhe und Zeit für sich. Das wurde mir noch mehr bewusst.

Was bewundern Sie am meisten an Ihrer Schwester?
Zoé: Dass sie es schafft, den Menschen ihre Meinung zu sagen, egal in welchem Setting. Klar und deutlich, aber auf eine konstruktive Art.
Anouk: Ich bewundere an ihr, wie sie sich Zeit nimmt – zum Beispiel, bevor sie auf etwas reagiert.

Und an welchen Moment denken Sie am liebsten zurück?
Zoé: An den Gewinn der Kuhglocke im vergangenen Jahr in Gstaad vor der ganzen Familie.
Anouk: Ja, bei mir ebenso. Dort am Heimturnier Bronze zu gewinnen, wo wir bereits als Kinder als Ball-Kids dabei waren, und mit allen zu feiern, war ein Traum.

«Beach Sisters» läuft ab heute auf Sky Show, SRF zeigt die Serie im Sommer 2027

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