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Der Netflix-Hit «Bridgerton» ist zurück: Lohnt sich die zweite Staffel?

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Der Netflix-Hit «Bridgerton» ist zurück: Lohnt sich die zweite Staffel?

«Bridgerton», der Serien-Riesenerfolg von Shonda Rhimes, flimmert wieder über die Netflix-Bildschirme. Reportage-Praktikantin Sonya Jamil verrät, was die zweite Staffel zu bieten hat.

Achtung, Spoiler-Alarm!

An einem verschneiten Nachmittag mitten im Pandemie-Winter 2020 fing alles an: Corona hatte mich flachgelegt und ich brauchte dringend eine Ablenkung, um mich durch die langen Tage der Isolation zu bringen.

Gesucht, gefunden: Das Historiendrama rund um Daphne Bridgerton, das Juwel der Londoner Ballsaison, und den Duke von Hastings zog mich damals gleich in den Bann – die detailverliebten farbigen Kostüme, die melodiösen Pop-Songs auf der Geige, die graziösen Spaziergänge – ganz zu schweigen davon, dass der Duke von Hastings mir mit seiner neckischen Frage «You do touch yourself?» fast einen Herzstillstand bescherte und ich mich das erste Mal in der Quarantäne wieder lebendig fühlte.

Ein Frauenheld und seine Traumata

Meine Begeisterung für die erste «Bridgerton»-Staffel war so gross, dass ich die Fortsetzung kaum erwarten konnte. Den Netflix-Reminder hatte ich schon Monate vorher gesetzt. Also machte ich es mir bei Staffelbeginn vor meinem Laptop gemütlich und hatte nicht vor, mich in den nächsten Stunden von der Stelle zu rühren.

Basierend auf den Romanen von Julia Quinn wird dieses Mal die Geschichte von Anthony Bridgerton erzählt, Daphnes grossem Bruder. Er ist, wie seine Mutter anfangs lauthals verkündet, auf Brautschau, weil sich das für den Mann im Haus nun mal so gehört. Dass er nicht viel von der Liebe hält, zeigte der ernsthafte Bridgerton schon in der ersten Staffel mit flüchtigen Bettgeschichten – wobei damals nicht alles im Bett stattgefunden hat. Die ersten zwei Minuten der allerersten Folge bleiben wohl allen in Erinnerung – Stichwort Baum!

Dieses Mal ist aber alles anders: Anthony ist jetzt ein Gentleman, hat sich die Haare zurückgekämmt (Nice!) und Gott sei Dank die Länge seiner Koteletten überdacht. Ausserdem kriegt man erstmals Einblicke in seine traumatische Jugend, in der er schon früh Verantwortung übernehmen musste. Traumata als Grund für die emotionale Unerreichbarkeit eines Mannes, inklusive einer Angebeteten, die ihm darüber hinweghilft: im Grunde nichts Neues.  

Gestärktes Frauenbild

Auch in der zweiten Staffel wird eine klassische «Enemies to Lovers»-Liebesgeschichte erzählt, mit dem Twist, dass Anthony die eine Schwester liebt und die andere, das neue Juwel der Ballsaison, heiraten will. Den weiblichen Lead übernimmt die indische Schönheit Kate Sharma, gespielt von der bezaubernden Simone Ashley, bekannt aus dem Netflix-Hit «Sex Education».

Sie strahlt in «Bridgerton» Eleganz, Anmut und Selbstbewusstsein aus und ist für mich der Star der Show. Kate ist sich nicht zu schade, jagen zu gehen, ist auch mal patzig und weiss für sich einzustehen. Ein Frauenbild, das mir deutlich besser gefällt als das der liebenswerten, aber naiven Daphne Bridgerton, der man erklären musste, was Masturbation ist und wie man schwanger wird.

Wo bleibt der Funke?

Ich brauche dennoch erstaunlich lange, um in die zweite Staffel und damit in die Regency-Zeit einzutauchen – die Kostüme kommen mir eng geschnürt und in schrillen Farben leicht lächerlich vor und nach acht Stunden «Will they, won’t they» zwischen den Hauptdarsteller:innen schlafe ich erschöpft ein.

Die hochgestochenen, aber doch charmanten Flirts der ersten Staffel gehen in Anthonys und Kates Seriosität verloren. Da hilft es auch nicht, dass sie sich Folge um Folge schweratmend ins Ohr flüstern, wie sehr sie einander begehren. Der Funke springt bei mir nicht über. Da herrschte mehr Chemie zwischen dem Duke of Hastings und seinem Silberlöffel, den er damals in Zeitlupe genüsslich ableckte.

Wenigstens kann man diese Staffel grösstenteils getrost mit den Eltern schauen, ohne ganz so rot zu werden (Achtung vor Folge 7 und 8, da geht es ein bisschen ab). Der Duke of Hastings glänzt übrigens diese Staffel durch Abwesenheit. Schauspieler Regé-Jean Page wollte sich anderen Projekten widmen. In der Serie heisst es, er kümmere sich um Haus und Kind. Sehr progressiv!

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Langatmige Stunden

Für meinen Geschmack konzentriert sich die zweite Staffel einen Tick zu sehr auf die Storyline der Nebencharaktere, wodurch die einstündigen Folgen eher langatmig wirken. Dennoch freue ich mich, dass die gewitzte Eloise Bridgerton endlich jemanden kennenlernt, mit dem sie ihren geistigen Intellekt teilen kann. Und ich finde es unerträglich, dass Penelope Featherington, unter den Zuschauer:innen auch bekannt als Lady Whistledown, zum gefühlt hundertsten Mal von Schwarm Colin Bridgerton gefriendzoned wird. Dieser ist übrigens unter die Weltenbummler gegangen und nervt alle mit seinen Reisegeschichten – kennen wir doch alle nur zu gut aus unserem Umfeld.

Auch wenn mir die erste «Bridgerton»-Staffel durchaus besser gefallen hat, sollten sich die Fans der Show die zweite Staffel nicht entgehen lassen – und sei es nur, um in der Kaffeepause mitreden zu können. Das fiktive historische Drama schien damals viele Menschen, inklusive mich selbst, durch den realen Ausnahmezustand namens Corona-Pandemie hinweg zu trösten. Auch jetzt können ein wenig Romantik und Realitätsflucht nicht schaden. Ich freue mich auf alle Fälle, auch in Zukunft die Welt der Bridgertons durch die rosarote (und zynische) Brille zu betrachten.

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Perfekt auf den Punkt gebracht! 😀

Sonya Jamil

Vielen Dank!

kiki

mir gefiel die 2. staffel auch sehr, aber mir hingegen fehlten anthonys koteletten…das finde ich das schärfste an der ganzen serie, das damals die männer backenbart trugen-beste männliche gesichtsbehaarung! keep on dreamin’. *; )

Gitana

Sehr pointiert und belebt die Phantasie!