Es ist Februar! Was wir diesen Monat nicht verpassen dürfen
Welchen Film muss man gesehen, welche Ausstellung besucht und welchen Food getestet haben? Monat für Monat gibt unser Team Kultur- und Veranstaltungstipps. Dieses Mal mit Lifestyle-Redaktorin Linda Leitner.
- Von: Linda Leitner
- Bilder: ZVG; Collage: annabelle
Kunst
Von Kunst zu träumen, ist das eine. Aber wie ist es, in Kunst zu schlafen? Da frage ich doch frech weiter: Wie wäre es wohl, in einer glänzenden Hautsimulation von Pamela Rosenkranz wegzupennen? Die Werke der Schweizer Künstlerin fordern nicht nur das Auge, sondern auch Hirn und Hormonhaushalt. Im Hotel Helvetia Zürich wird das anhand der Kunstinitiative «Room For Art» Wirklichkeit: Am 25. Februar öffnet die Künstlerin an der Vernissage persönlich die Tür zu ihrem Raum für Kunst und zeigt uns neben ausgestellten Werken in den Hotelräumlichkeiten das von ihr bespielte Pamela-Rosenkranz-Zimmer. Im Rahmen von «Room For Art» werden bis 2035 schrittweise 35 Hotelzimmer entstehen – jeweils in Kollaboration mit zeitgenössischen Künstler:innen.
Er war obsessed mit Äpfeln, Pfirsichen und Orangen. Picasso bezeichnete ihn als «Vater von uns allen». Nach der Hype-Schau um die Japanerin Yayoi Kusama widmet die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel nun dem Stilleben-Meister und Pionier der modernen Kunst, Paul Cezanne, erstmals eine Einzelausstellung. Sie konzentriert sich auf die letzte und zugleich bedeutendste Phase im Schaffen des Franzosen und beleuchtet zentrale Themen der späten Jahre, darunter das manisch durchexerzierte Stillleben, Porträts, Landschaften sowie seine sinnlichen Badenden.
Gezeichnet aus und von der Zelle: Noch bis 3. März steht der Schweizer Künstler, Architekt und Bauhausschüler Hans Fischli (1909–1989) im Zentrum der Ausstellung «Fokus. Hans Fischli» im Berner Zentrum Paul Klee. Ab Ende der 1920er-Jahre enstand unter dem Titel «Zellengebilde» eine umfangreiche Serie von zarten Farbstift- und Tuschezeichnungen – einige der Werke schuf Fischli während einer dreimonatigen Haftstrafe, die er aufgrund von Dienstverweigerung verbüsste. Die Gefängniszelle steht dabei für den Entstehungsort ebenso wie für den Ausgangspunkt der Ausstellung, die mit drei Architekturprojekten die politische Lage in den 1930er- und 1940er-Jahren thematisiert.
Design
Das neue Shop- und Showroomkonzept Q27-Market im Zürcher Kreis 5 wird mit wechselnden Spezial-Events bespielt – den Startschuss feuert der international bekannte Schweizer Designer Alfredo Häberli ab. In seiner langen Karriere hat Häberli nicht nur Möbel entworfen, sondern auch gesammelt. Im Rahmen seines Archivverkaufs trennt er sich von einem substanziellen Teil seiner Sammlung, die Möbel, Keramik, Stoffe, Objekte und Kuriositäten aus 40 Jahren Schaffen umfasst. Bis 12. März wollen sowohl Entwürfe des Designers als auch Stücke von anderen namhaften Designer:innen, deren Arbeit Häberli schätzt, bestaunt und erworben werden.
Gastro
Was im Leben nie schadet, ist auf der Suche nach einer bezaubernden Dinner-Experience «atemlos durch die Nacht» zu jagen und selbiges dabei zu singen. Oder wenigstens zu hören. Dafür empfehle ich folgendes Ziel: Das Pop-Up «Oder Wat» in der Zürcher Bar Légère knallt einem bis voraussichtlich Ende März schmissige Schlager auf die Ohren und die heilige deutsche Currywurst vor den Latz. Dazu gibts Kartoffel- und Gurkensalat, der schmeckt wie bei Oma und auch dementsprechend oll (im besten Sinne!) angerichtet ist. Man kriegt Lust, zu grölen und endlos viel zu rauchen, so sehr fühlt es sich am Tresen nach Ruhrpott-Kneipe an. Und damit das Schweizer Publikum bei all der German Magic nicht ganz untergeht, kann via Instagram ein Curry-Fondue vorbestellt werden. Geil, oder wat?
Talk
Sowohl die Kunst der Mode als auch die des Theaters erzählt Geschichten auf Bühnen und Laufstegen und ist bewohnt von unverwechselbaren Figuren. Sie reflektieret unsere Gegenwart. Um darüber ins Gespräch zu kommen, lädt das Schauspielhaus Zürich zu Talkrunden mit dem Titel «Runing The Runway» in den Schiffbau. Am 5. Februar erzählt Literaturwissenschaftlerin und Modetheoretikern Barbara Vinken in der zweiten Edition «Figure The Runway», wie sich Silhouetten als Trends verbreiten, welche Rolle Figurenentwicklung bei Designprozessen spielt und vielleicht auch, ob sie glaubt, dass die Skinny Jeans ein Comeback erlebt.
Für eine neue Ausgabe der Gesprächsreihe «Deep Talk - Hinter den Kulissen» lädt die Autorin und Moderatorin Marah Rikli eine der prägnantesten Stimmen der Gegenwart auf die Bühne: Sibylle Berg – Autorin, Dramatikerin, Essayistin und seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments. Kaum jemand analysiert Machtverhältnisse, Gegenwart und gesellschaftliche Zumutungen so scharf, so kompromisslos und zugleich so radikal empathisch wie sie. Am 26. Februar treffen sich die beiden im ComedyHaus in Zürich. Es entsteht ein ungeplanter, intimer Raum: kein klassisches Podiumsgespräch, sondern ein Dialog über Utopien, kollektive Erschöpfung, feministische Visionen und radikal neue Zukünfte. Tickets gibts hier.
Musik
Unter dem Motto «drift» widmet sich Sonic Matter, das Festival für experimentelle Musik, von 26. Februar bis 1. März gefühlt einer Million Fragen rund um lebendige Archive und Musiktraditionen. An 17 Veranstaltungen mit Konzerten, Performances, Installationen, Filmen und Club Nights in verschiedenen Zürcher Locations bringt Sonic Matter zum fünften Mal internationale Künstler:innen nach Zürich. Zu den Highlights zählen der Festivalauftakt mit dem Ensemble Vortex und The Six Tones, das Festivalfinale «Agmal Layali» von Love & Revenge sowie die Artist-in-Residence Nguyễn Thanh Thủy. Tickets gibts hier.
Achtsamkeit
Wessen Neuronen klare Architektur neben Breath Work und Yoga so richtig zum Schnurren bringt, dem:der sei ein Retreat im Basler Sutra House empfohlen. Von 27. Februar bis 1. März findet hier The Resonance Code statt – ein Retreat, das sich auf die Regulation des Nervensystems als Grundlage für Resilienz, Klarheit und nachhaltiges Wohlbefinden konzentriert. Durch immersive akustische Feld-Sessions, sanfte Körperbewegung, achtsame Atemarbeit und geführte Momente der Ruhe werden die Teilnehmenden in eine geerdete, regulierende Erfahrung eingeladen. Hier anmelden!
Event
Man erzählt sich, dass die Uhr des Berntors in Murten eines Abends verrücktspielte, als hätte sie plötzlich den Lauf der Zeit vergessen. Seit jenem Tag ist sie nicht mehr nur ein einfacher Eingang zur Altstadt, sondern ein Tor zu anderen Zeiten. Beim immersiven Ciruit Secret des Murten Licht Labs überschreiten Zeireisende diese Schwelle mit ihrem eigenen Schlüssel. Die Räume dieses fantastischen Rundgangs entführen sie in die Echos des Mittelalters, die Moderne von heute oder die utopischen Welten von morgen. Am Ende der Reise hat man Murten mit anderen Augen gesehen und die Stadt durch ihre vielen Lichter und Geheimnisse neu entdeckt. Hier buchen!
Ein Spektakel, bei dem nicht nur Champagner auf Eis gelegt wird: Wenn die Pferde am White Turf über den zugefrorenen See rasen, trifft sich Jahr für Jahr die High Society in St. Moritz. Und da gibts einiges zu sehen: Skikjöring, Trab- und Galopprennen und extravagante, sündhaft teure Winter-Looks. Für schlappe 29 Franken können am 8., 15. und 22. Februar auch Normalsterbliche vorbeikommen und glotzen, wetten oder einfach in der Sonne das Glas zum verschneiten Berge heben. Tickets gibts hier. Wer nun denkt, das Publikum wäre unter der Pelzmütze ganz runzlig, irrt: An den Family Days am 7., 14. und 21. Februar jagen junge Nachwuchsathlet:innen über die perfekt präparierte Renngerade. Besonders cute: das Pony-Rennen. Und dass der Eintritt dann gratis ist.
Kino
Die Promo war wild: Diverse Celebrities hingen öffentlich mit einer «Marty Supreme»-Merch-Jacke rum, die dann alle wollten. Hauptdarsteller Timothy Chalamet betrieb «method campaigning» – er mache also im Stil des «method acting» Werbung im Charakter seiner neuen Filmrolle, hiess es: eines grössenwahnsinnigen Möchtegern-Sportprofis. Gerüchte über ein angeblich gelöschtes Interview machten die Runde, in dem Chalamet arrogant davon gesprochen haben soll, in seiner neuen Rolle «top-level shit» und seine beste Performance jemals zu zeigen. Er trat in der «The Tonight Show» auf und triumphierte an einem Tischtennis-Turnier in New York. Im Film spielt er nämlich einen Ping-Pong-Spieler. Ab 26. Februar ist es soweit: Dann werden wir im Kinosaal herausfinden, ob Film und Schauspielleistung so bahnbrechend sind wie die Marketingstrategie.