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Ist Taylor Swift zu glücklich für gute Musik?

Ist Taylor Swift zu glücklich für gute Musik?

Taylor Swifts neue Songs gefallen nicht allen. Schuld soll ihr Liebesglück sein. Warum halten wir Liebeskummer noch immer für eine berufliche Qualifikation von Künstlerinnen? Ein Kommentar.

Wer der beliebteste Popstar der Welt sein will, bekommt zur Verehrung reichlich Verachtung dazu. So ist der Deal. Zum Publikum gehören immer auch jene, die sich demonstrativ abwenden müssen, um sich ihrer eigenen Coolness zu versichern: Mainstream, das sind die anderen. Es gilt die goldene Regel des Pop, die Taylor Swift selbst auf den Punkt gebracht hat: Haters gonna hate, hate, hate, hate, hate.

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"Wem die Sonne aus dem mit Strass besetzten Hinterteil scheint, der kann doch einfach nicht mehr tiefgründig sein, oder?"

Mit dem Release von «The Life of a Showgirl» im Oktober 2025 und der Veröffentlichung der vier neuen Songs Ende September hat der Hate-Train allerdings besonders an Fahrt aufgenommen. Jetzt nervt sie nicht mehr nur diejenigen, die sie schon immer banal finden, sondern ihre eigenen Fans wenden sich teilweise ab. Der Grund: Sie ist einfach zu happy. Und wem die Sonne aus dem mit Strass besetzten Hinterteil scheint, der kann doch einfach nicht mehr tiefgründig sein, oder?

Travis Kelce ist schuld! Der Mann sei keine angemessene Muse und inspiriere sie höchstens zu Lyrics wie «Redwood tree, it ain’t hard to see / His love was the key that opened my thighs» (ja, es geht hier tatsächlich um Kelces Penis) und «Touch me while your bros play Grand Theft Auto».

Und tatsächlich scheint dieser Mann nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein. In seinem Podcast sagt Swift das Wort «esoterisch» und er entgegnet ihr begeistert: «Du bist so heiss, wenn du so komplizierte Wörter benutzt.»

ABER: Nicht er hat die Lyrics geschrieben. Und ganz ehrlich: Taylor Swift hatte neben absolut fantastischen Texten («All Too Well») schon immer leicht peinliche Momente («ME!» – und damals datete sie keinen Footballspieler). Das bleibt bei einem Katalog von fast 300 Songs wohl kaum aus. Selbst Rilke war übrigens nicht in jeder Zeile Rilke, oder wie soll man sich «Hoch grinst der Mond, der schlaue Gnom» sonst erklären?

Verheiratet, nicht verblödet

Als ich neulich mit einer Freundin über Taylor Swift sprach, sagte sie: «Jetzt, wo sie verheiratet ist, wird ihre Musik eh nur noch langweilig sein.» Und ich ertappte mich dabei, wie ich mich schon auf ihr Scheidungsalbum freute. Was stimmt eigentlich nicht mit uns? Warum glauben wir, dass eine glückliche Liebe – zu einem, zugegeben, fragwürdigen Mann – einer Frau gleich ihr gesamtes Talent nimmt? Sie hat ihn geheiratet. Nicht sein Gehirn übernommen.

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"Warum trauen wir einer Künstlerin nur dann etwas zu, wenn sie verzweifelt, todtraurig und einsam ist?"

Taylor Swift ist eine gute Beobachterin. Warum sollte ihr ausgerechnet das eigene Glück diese Gabe nehmen? Warum trauen wir einer Künstlerin nur dann etwas zu, wenn sie verzweifelt, todtraurig und einsam ist? Und was, wenn sie eines Tages ein Kind bekommen sollte? Ihr Blick auf Mutterschaft könnte doch grossartig sein: präzise, widersprüchlich, schonungslos ehrlich. So viel Ehrlichkeit könnten wir beim Thema Elternschaft von einer Frau mit einer solchen Reichweite gut gebrauchen. Ihr Händchen für gutes Storytelling kann ihr jedenfalls niemand absprechen.

Erst leiden, dann glücklich sein

Ich wage zu behaupten, dass dieses toxische Narrativ vor allem für Frauen gilt: Wer glücklich ist, wird oberflächlich. Wer leidet, hat etwas zu erzählen.

Ein Blick auf die Herren der Popkultur lohnt sich: Paul McCartney schrieb für Linda «Maybe I’m Amazed», John Legend für Chrissy Teigen «All of Me», und Stevie Wonder feierte mit «Isn’t She Lovely» die Geburt seiner Tochter. Tom Waits wurde an der Seite von Kathleen Brennan musikalisch erst richtig interessant.

Und wo steht Dolly Parton, die Königin des Optimismus? Fast 59 Jahre war sie mit Carl Dean verheiratet, nach eigenen Angaben sehr erfüllt. Ihrem Image als Künstlerin hat das nicht geschadet. Aber kann es sein, dass wir ihr das Glück nur deshalb durchgehen lassen, weil sie in bitterer Armut aufgewachsen ist? Als müsste man erst genügend gelitten haben, um sich ein gutes Leben geschweige denn eine erstaunliche Karriere erlauben zu dürfen. Glück als Entschädigung ist akzeptabel. Glück einfach so: verdächtig.

Privates Glück hat der Popgeschichte durchaus ein paar brauchbare Songs beschert. Vielleicht darf Taylor Swift es auch erst einmal damit versuchen, bevor wir vorsorglich ihre Scheidung verlangen.

"Darf sich eine Frau nicht verändern, sobald andere sich in ihr wiedererkannt haben?"

Zugegeben, die letzten Songs gehören nicht zu ihren besten, aber es ist fraglich, das mit ihrem Liebesleben in Verbindung zu bringen. Einige enttäuschte Fans behaupten jetzt sogar, dass ihr Ex Joe Alwyn eigentlich heimlich die Songs für sie geschrieben hätte. Weil hinter einer talentierten Frau offenbar immer noch ein Mann stehen muss (nota bene ein zweitklassiger Schauspieler, der ein paar Zeilen zu einem Album beisteuern durfte, weil Swift gerade in ihn verliebt war, aber halt ein Mann).

Ein Happy End als Verrat

Es wirkt, als hätte Swift, die Heartbreak-Queen, ihre Fans mit ihrem very American Happy End persönlich verraten. Als hätte sie einen Vertrag unterschrieben, stellvertretend für uns alle unglücklich zu bleiben. Ähnlich war es bei Adele, der manche Fans ihren Gewichtsverlust als Vertrauensbruch auslegten. Darf sich eine Frau nicht verändern, sobald andere sich in ihr wiedererkannt haben?

"Ist in Wahrheit eine Frau, die beruflich alles erreicht hat und privat glücklich ist, noch immer eine Zumutung?"

Vielleicht stört uns auch die Art dieses vermeintlichen Happy Ends: Wir hätten uns für «unsere Taylor» einen cooleren, tiefgründigeren, feministischeren Mann gewünscht. Einen mit mehr Ambivalenz und weniger Football-MAGA-Attitüde. Aber aufgrund ihrer Partnerwahl ihre berufliche Qualifikation infrage zu stellen, ist absurd.

Oder ist in Wahrheit eine Frau, die beruflich alles erreicht hat und privat glücklich ist, noch immer eine Zumutung? Wer sich schon auf ihr Scheidungsalbum freut, sollte sich jedenfalls fragen, wer hier eigentlich enttäuscht: die Künstlerin. Oder ihr Publikum.

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1 Comment
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Jürgen Gall

Der Artikel ist inhaltlich in Ordnung, aber es ist mir ein Rätsel, weshalb Sie so giftig, überheblich und eigentlich böswillig auf Travis Kelce einhacken. Zum einen macht man das generell nicht, ungefragt einen der grössten NFL Sportler derart unbegründet herabzusetzen. Zum anderen sind ihre Aussagen beleidigend und schlichtweg falsch. Ich denke, Taylor ist sehr gut selbst in der Lage, ihren Mann seit Mitte 2023 zu beurteilen. Dazu braucht die keine hämischen Seitenhiebe auf ihren Mann. Sind Sie womöglich neidisch ? Endlich hat die Superfrau einen echten, normalen Mann, schon wird wieder gekeift. Irgendwie doch typisch Frau ? Viel mehr Typen wie ihn sollten die Frauen bekommen. Er entspricht einem modernen Bild eines Mannes in der heutigen Zeit. Deshalb ist es das END GAME der beiden Berühmtheiten. Egal, wer was quakt. Und die neuen Songs sind voll cool !!!! Ganz zu Schweigen von dem Film zu PZ. Die Verkaufszahlen sagen doch alles……

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