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Netflix-Hit «Drive to Survive»: Wieso ich mir jetzt ein Formel-1-Rennen ansehen will

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Netflix-Hit «Drive to Survive»: Wieso ich mir jetzt ein Formel-1-Rennen ansehen will

Während ihrer Corona-Erkrankung machte sich Praktikantin Alica Wenger Gedanken über eine trostlose Kindheitserinnerung: die Formel 1. Eine Kritik zur Netflix-Serie «Drive to survive».

Das Herz meines Vaters schlägt – nicht nur beruflich als Kfz-Mechatroniker – für Autos. Schon als Kind wusste ich, was es zu bedeuten hat, wenn ich frühmorgens ins Wohnzimmer schlich, um mir in aller Ruhe meine Lieblingscartoons reinzuziehen und statt einer vorbereiteten Müeslischale auf dem Tisch meinen Vater auf der Couch entdeckte: Formel 1.

Nun hiess es Zähne zusammenbeissen und gefühlt den ganzen Tag summenden Autos zuzusehen. Umso erstaunter war ich also, als ich kürzlich herausfand, dass die offizielle Renndauer bei Formel 1 in Wirklichkeit maximal zwei Stunden beträgt. Faszinierend. Trotzdem – wieso sich mein Vater über jedes Rennen so freute wie ich mich über einen Besuch im Tierpark, konnte ich nie nachvollziehen. Bis jetzt.

Beissendes Summen in meinen Ohren

Als mir eine gute Freundin – die in Sachen Trends und Hypes immer an vorderster Front steht – offenbarte, dass sie sich auf Netflix die Formel-1-Doku «Drive to Survive» ansieht, noch schlimmer, dass sie innert kürzester Zeit fast die ganze Serie durchgeschaut hat, ertönte nach all den Ruhejahren glatt wieder dieses beissende Summen in meinen Ohren. Und wieder fragte ich mich: Wieso?

Grundsätzlich mag ich keine Hypes und schaue auch nicht unnötige Serien, nur weil alle anderen sie cool finden. Ausser, meine Vorurteile gegenüber der Sendung scheinen so gross, dass ich mir einen Blick hinein nicht verkneifen kann. Aber auch nur, um mir selbst mal wieder Recht zu geben. Nach mehreren Anläufen brauchte es letzten Endes einen positiven Corona-Test, bevor ich mich mit einer ordentlichen Portion Skepsis dazu entschied, dem Grauen ins Gesicht zu sehen.

Intrigen, Rivalität und lächerlich hohe Geldsummen

Und tatsächlich: Nun litt ich nicht nur an Corona, sondern auch an akutem Formel-1-Syndrom. So musste ich feststellen, dass es in der Formel 1 um weit mehr geht als um schnelle Autos und endlos lange Rennstrecken. Die Netflix Dokuserie «Drive to Survive» – Ende Februar erschien die dritte Staffel – zeigt die Facetten des Rennsports aus der Perspektive der jeweiligen Fahrer und der Teams. Schnell wird man hineingezogen in eine dynamische Welt voller Intrigen, Rivalität (ja, auch unter Teamkameraden), lächerlich hoher Geldsummen und in eine Welt, wo das oberste Ziel nur eines sein kann: der Sieg.

Dabei konzentrieren sich die einzelnen Episoden meist auf ein bestimmtes Team, dessen Fahrer und einen ausgewählten Grand Prix. So kommt es, dass man in der einen Folge noch für Australier Daniel Ricciardo mitfiebert und sich in der nächsten schon den Sieg von Mexikaner Sergio Pérez erhofft.

Alles ist möglich

Nicht nur die Serie entwickelt sich im Verlauf der Staffeln weiter, sondern auch die Protagonisten. Während einige rasch von der Bildfläche verschwinden, rasen andere mit voller Wucht auf Ruhm und Erfolg zu. Wie der junge Charles Leclerc – der mich schwärmen lässt wie zu Teenie-Zeiten –, der zu Beginn der Doku als Newcomer bei Sauber einsteigt und sich kurz darauf schon als stolzer Ferrari-Pilot in rotem Overall in die nächste Staffel katapultiert.

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Auch wenn ich den Motorsport aufgrund meiner Achtung gegenüber Nachhaltigkeit und Umweltschutz nicht sonderlich unterstütze, ich hie und da gar kopfschüttelnd über Benzin- und Materialverbrauch in den Bildschirm blicke, so verstehe ich nun zumindest die Begeisterung dafür. Denn selbst ich bin beeindruckt (wenn auch nicht immer positiv) von den ehrgeizigen Fahrern, der physischen Anstrengung, vom Money-Game, welches hinter allem steckt, sowie selbstverständlich auch vom sekundenschnellen Reifenwechsel.

Mir für einen Grand Prix um vier Uhr morgens den Wecker zu stellen, geht bei aller Liebe aber immer noch über meine Vorstellungskraft hinaus. Dennoch überkommt mich die Lust, irgendwann mal – vorzugsweise an einem regnerischen Sonntagnachmittag  – einen Blick ins aktuelle Formel-1-Geschehen und auf meine Lieblinge Leclerc und Hamilton zu werfen. Ob mir mein Papa wohl ein Plätzchen auf dem Sofa freihält?

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