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Polit-Schrott

Kultur

Polit-Schrott

  • Courtesy Anthony Reynolds Gallery, London / Walid Raad

Bunte Einschusslöcher in Beirut, ein Katalog zerbombter Autos: Walid Raads Werk ist in Zürich zu sehen.

Eigentlich könnte sich Walid Raad zurücklehnen und weiter seine Alter Ego für sich arbeiten lassen. Wie Ende der Achtziger, als er mit der legendären Atlas Group bekannt wurde, einem von ihm erfundenen Forscherteam, das die Geschichte des libanesischen Bürgerkriegs in einem Bildlexikon der Fahrzeugwracks dokumentierte, die zwischen 1975 und 1990 als Autobomben benutzt wurden. Später liess er die fiktive Historikergruppe Aufnahmen von zerstörten Gebäuden in Beirut mit bunten Punkten bekleben. Mit seinen subtilen Manipulationen der Geschichte gehört der 44-Jährige heute zu den wichtigsten politischen Künstlern der Gegenwart. Für Raad kein Grund zum Ausruhen: Vor kurzem lancierte er einen erfolgreichen Künstlerboykott des Guggenheim-Imperiums, das derzeit – unter krasser Missachtung der Menschenrechte – von Wanderarbeitern ein Museum in Abu Dhabi bauen lässt. In Zürich ist nun eine umfassende Werkschau des Libanesen zu sehen.

Walid Raad, Kunsthalle Zürich, 26. 8. bis 30. 10.