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Randy Susan Meyers: Mörderpapa

Kultur

Randy Susan Meyers: Mörderpapa

Soll man dem Vater verzeihen, der die Mutter umgebracht hat? Zwei Schwestern wählen unterschiedliche Wege.

Nie, nie, nie! Nie sollten sie dem Vater die Tür öffnen! Und dann passiert es doch. Brooklyn, 1971: Die Mutter von Lulu und Merry, ein wunderschönes Zauberwesen, das vom Elternsein wenig und von Nagellack viel versteht, hat ihren Mann rausgeschmissen. Zu eifersüchtig ist er, zu betrunken, zu mittellos, eine reine Enttäuschung. Die kleinen Mädchen lieben ihn trotzdem – und Lulu lässt ihn ins Haus, nachdem er an der Tür steht und um Einlass bettelt. Da passiert die Katastrophe: Er ersticht die Mutter. Der Vater kommt ins Gefängnis, die Mädchen ins Waisenhaus, aus der Familie will niemand mit den Töchtern des Mörders zu tun haben. Was folgt, ist der manchmal in dickensscher Manier, manchmal sehr abgeklärt geschilderte Lebensweg der beiden Schwestern, die auf die Tat des Vaters unterschiedlich reagieren: Die jüngere, Merry, wird ihn die nächsten dreissig Jahre jede Woche im Gefängnis besuchen. Die ältere, Lulu, wendet sich für immer von ihm ab, öffnet seine Briefe nicht, will nicht verzeihen – und führt das geglücktere Leben von beiden Schwestern. Ein wunderbarer, nachdenklicher, kluger Roman.

Randy Susan Meyers: Heute und in Ewigkeit. Diana-Verlag, München 2010, 448 Seiten, ca. 28 Franken

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