Alte Technik, neuer Status: Was sind "Dumb"-Phones?
Sie sind nicht smart. Sie klingeln, senden SMS, halten ein paar verschwommene Fotos fest. "Dumb"-Phones sind im Trend und sollen die Erlösung vom Smartphone sein. Ist weniger mehr?
- Von: Marcella Hasters
- Bild: Light Phone III
Smart sind sie nicht. Keine Apps, kein Instagram, kein Dauer-Scrollen. Und genau deshalb sind sie plötzlich wieder da: «Dumb»-Phones. Was lange als technisches Relikt galt, wird 2026 als neuer Trend – und paradoxerweise als Statussymbol – gefeiert.
Bei mir fing es ganz banal an. Ich wollte wieder einen Wecker statt das Handy benutzen. Habe mir vorgenommen, zum Fotografieren wieder die echte Kamera einzupacken. Denn jedes Mal, wenn ich auf dem Smartphone nur kurz die Uhrzeit checken will, gerate ich in einen Sog. Einen tiefen Strudel aus Apps, Nachrichten, Reels. Fünf Minuten später weiss ich alles über fremde Leben – aber nicht mehr, wie spät es ist.
In einer Welt, in der das Smartphone längst zum erweiterten Körperteil geworden ist, wirkt der bewusste Verzicht fast radikal. Wer heute ein «Dumb»-Phone aus der Tasche zieht, signalisiert nicht Rückständigkeit, sondern Kontrolle. Kontrolle über Zeit, Aufmerksamkeit und nicht zuletzt seine mentale Gesundheit.
Gerade in urbanen Zentren wie Zürich, wo Effizienz, Selbstoptimierung und digitale Präsenz zum Alltag gehören, entfaltet das einfache Mobiltelefon eine neue Bedeutung: Ich bin erreichbar – aber nicht immer verfügbar.
Vom Digital Detox zum Dauerzustand?
Der Trend passt in eine Zeit, in der Digital-Detox-Retreats ausgebucht sind, Screen-Time-Apps zwar warnen, aber trotzdem ignoriert werden und viele das Gefühl haben, nie wirklich offline zu sein. «Dumb»-Phones versprechen eine radikalere Lösung: Nicht Selbstdisziplin, sondern Design setzt die Grenze.
Keine Push-Nachrichten, keine algorithmisch kuratierten Feeds, keine endlosen Chats. Stattdessen: Leerlauf. Und vielleicht wieder Raum für Langeweile – ein (wichtiger) Zustand, der heute fast subversiv wirkt.
Statussymbol wider Willen?
Ironischerweise sind viele der neuen «Dumb»-Phones alles andere als günstig. Neu aufgelegte Klassiker, minimalistische Designergeräte oder «ethisch produzierte» Mobiltelefone kosten teilweise mehr als ein Mittelklasse-Smartphone. Der Verzicht wird ästhetisiert, der Minimalismus vermarktet. So wird das «Dumb»-Phone zum Symbol einer neuen Elite: jener, die es sich leisten kann, nicht ständig online zu sein.
Kann uns das «Dumb»-Phone erlösen?
Die grosse Frage bleibt: Kann uns ein simples Gerät wirklich vom Smartphone erlösen? Oder verschiebt es das Problem nur? Kritiker:innen argumentieren, dass das Bedürfnis nach Ablenkung nicht verschwinde – es suche sich nur andere Wege. Laptop, Tablet, Smartwatch.
Und doch berichten viele Nutzer:innen von einem spürbaren Effekt: Weniger Reizüberflutung, mehr Präsenz, klarere Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Vielleicht liegt die Erlösung also nicht im Gerät selbst, sondern im bewussten Entscheid nach Entschleunigung.
Ein Schritt zurück, um vorwärtszukommen
«Dumb»-Phones sind kein Massenphänomen – noch nicht. Aber sie sind ein Symptom. Für eine Gesellschaft, die beginnt, den Preis permanenter Vernetzung zu hinterfragen. Manchmal reicht es, einfach erreichbar zu sein. Nicht mehr. Nicht weniger. Ich habe mir drei Modelle genauer angesehen:
Light Phone III: Form follows function
Dieses Modell spricht mich sofort an – vor allem aus Designgründen. Klar, reduziert. Keine Spielereien, keine Ablenkung.
Funktionen & Ausstattung
Das Light Phone III steht für eine neue Generation unter den «Dumb»-Phones: Es verzichtet bewusst auf Social-Media-Apps, Browser oder E-Mail, bietet aber Grundfunktionen wie Anrufe und SMS, Navigation, Kalender, Musik, Podcasts und Notizen – alles in einem reduzierten Interface. Technisch bietet es 5G-Konnektivität, einen relativ klaren AMOLED-Bildschirm, eine Kamera und NFC-Funktionen – und trotzdem keine App-Stores oder soziale Medien.
Zielgruppe
Dieses Modell spricht vor allem Menschen an, die Digital Detox wollen, aber dennoch nicht ganz auf gewisse nützliche Features verzichten möchten – etwa GPS-Navigation, Musik oder eine Kamera. Es balanciert zwischen Minimalismus und nützlicher Funktionalität.
Fazit
Das Light Phone III lässt sich als eine Art «Minimalismus-Smartphone» sehen: bewusst reduziert, aber technisch moderner als viele klassische «Dumb»-Phones. Durch diese Balance ist es vielleicht der bestmögliche Kompromiss für jene, die ihr Smartphone-Verhalten zügeln wollen, ohne ganz auf Komfort zu verzichten.
Punkt. MP02: Button Love
Auch bei diesem Modell steht für mich das Design im Vordergrund (Jasper Morrison hat es entworfen). Und: Ich liebe Knöpfe. Dieses Telefon setzt genau darauf: Haptik statt Wischen, Aktion statt Scrollen. Ein bisschen retro, ein bisschen rebellisch.
Funktionen & Ausstattung
Klassisches Feature-Phone mit minimalistischer Bedienung, physischem Tastenfeld und monochromem Display – ganz ohne Touchscreen-Ablenkung. 4G-Konnektivität für Anrufe und SMS, Bluetooth, Wi-Fi-Hotspot-Funktionalität und einfachen Tools wie Kalender, Wecker, Notizen und Rechner. Unterstützt verschlüsselte Kommunikation über das Signal-Protokoll via «Pigeon» – ein seltener Luxus bei «Dumb»-Phones. Kein Kamera-Modul, keine Apps, keine Ablenkungsfunktionen – konsequent minimal.
Zielgruppe
Ideal für Menschen, die digital wirklich abschalten wollen und denen jede Form von Touchscreen-Smartphones zu reizvoll ist. Das Gerät richtet sich an Design- und Minimalismus-Fans, die Wert auf Diskretion, Fokus und einfache Kommunikation legen.
Fazit
Ein echter Digital-Detox-Companion: kein Komfort-Smartphone, sondern ein Werkzeug, das dich zwingt, wirklich nur das Nötigste zu nutzen. Dass es dabei auch sicherer chatten kann als klassische «Dumb»-Phones, ist ein Bonus.
Nokia 225 4G (2024): Back to Basics
Ich habe mein altes Nokia geliebt. Es war mein Favorit unter all meinen Ex-Mobiltelefonen und hielt mich lange vom Smartphone-Kauf ab. Das Nokia 225 4G erinnert an diese Zeit, in der ein Handy einfach ein Handy war.
Funktionen & Ausstattung
Klassisches Tastenhandy mit Farbdisplay, physischer Tastatur und dem legendären Snake-Spiel. Telefonieren und SMS stehen klar im Zentrum, ergänzt durch 4G-Konnektivität für bessere Sprachqualität, Bluetooth, FM-Radio und einen MP3-Player. Eine einfache Kamera ist ebenfalls mit an Bord – mehr als Dokumentation des Moments, weniger als kreatives Tool.
Keine Apps, kein Touchscreen, kein App-Store. Der Akku hält dafür mehrere Tage, was allein schon ein kleines Statement gegen den ständigen Ladezwang moderner Smartphones ist.
Zielgruppe
Das Nokia 225 4G richtet sich an Menschen, die wirklich zurück zum Ursprung wollen: Minimalismus ohne Kompromisse, ideal als Zweitgerät, Ferienhandy oder für alle, die erreichbar sein möchten, ohne ständig online zu sein. Auch perfekt für Einsteiger:innen oder als bewusste Gegenbewegung zum Smartphone-Alltag.
Fazit
Ein echtes «Dumb»-Phone im besten Sinn: simpel, robust und verlässlich. Das Nokia 225 4G ist kein Lifestyle-Objekt, sondern ein funktionales Tool – und gerade deshalb so befreiend. Wer radikal entschleunigen will und auf Komfort-Extras verzichten kann, findet hier einen unkomplizierten Einstieg in die Welt der digitalen Reduktion.
Die echte Alternative: Einfach mal wieder runter vom Sofa und raus aus dem Haus. Ganz “alleine”, d.h. ganz ohne digitale Begleiter. Öfters mal wieder echten Menschen begegnen. Vielleicht ergeben sich dabei ja neue Bekanntschaften, die später zu Freundschaften (oder noch mehr) werden. Gerade zufällige Begegnungen können das Leben ungemein bereichern.
Was habe ich vom Artikel? Ein neues Wort “Doomscrolling”. Der Rest verwirrt, ist es ein Werbetext für einen abgespeckten “digitalen Nuggi” von Nokia obwohl der Preis und Hinweis auf Mobile-Abo fehlt?