Werbung
Barbara Loop über Visionen

Barbara Loop über Visionen

Ab heute liegt die neue Ausgabe der annabelle am Kiosk. Lest hier das Editorial von Chefredaktorin Barbara Loop.

  • Von: Barbara Loop
  • Cover: Maona Micoud c/o Ôpos; Collage: annabelle

Rund, prall und in satten Farben leuchteten die Planeten im Pariser Grand Palais. Raus aus dieser Welt, rein ins grosse Ganze – das Setdesign der Chanel-Show war so galaktisch wie die Erwartungen an das Debüt des neuen Designers Matthieu Blazy.

Und Blazy enttäuschte nicht. Seine Kollektion war von einer Schönheit, die zu Tränen rührte. Schlau, hoffnungsvoll, voller Freude; zum Finale brachte das Model Awar Odhiang – mit ausgebreiteten Armen tanzend – die Energie auf den Punkt.

«Nicht von dieser Welt», titelte die Presse in Anspielung auf die Kulisse. Doch Matthieu Blazy stellte klar, dass seine Perspektive eine andere ist: «Wir beobachten alle denselben Himmel, und das, denke ich, weckt dieselben Emotionen in uns.» Blazy lässt uns zwar träumen, verankert uns aber im Hier und Jetzt.

In schwierigen Zeiten gebärdet sich die Mode gern als Fluchthelferin: entführt mit Rüschen und romantischen Looks in andere Zeiten, mit Farben und noblen Stoffen in fremde Welten. Wenn Meldungen vom Untergang die Nachrichten und die Popkultur bevölkern, sind derartige Fluchten besonders begehrt.

Werbung

"Träume sind keine Utopien, sondern Visionen einer Welt, wie sie tatsächlich sein könnte"

Visionen, Träume, Ideen von einer besseren Welt, sie sind mehr als kurze Verschnaufpausen zwischen den News, mehr als kleine Fluchten aus dem Alltag. Wir sollten angesichts der prekären Weltlage nicht nur darüber nachdenken, was uns bedroht, sondern häufiger darüber sprechen, wie wir leben wollen. «Wir müssen wissen, was wir uns wünschen – und gleichzeitig der harten Realität ins Auge schauen, um sie verbessern zu können», sagt Zukunftsforscher Andreas M. Krafft im Gespräch mit unserer Reportageleiterin Stephanie Hess im neuen Heft.

Ihr findet in dieser Ausgabe Visionen einer Schweiz in fünfzig Jahren, erträumt von ganz unterschiedlichen Bürger:innen. Ausserdem die von annabelle-Redaktorin Helene Aecherli formulierte Vision unseres Landes, dessen Bevölkerung sich nicht ihres Service public berauben lässt und am 8. März Nein sagt zur Halbierungsinitiative.

Und ihr findet die Geschichte von Dr. Nara, die vom Ende der Hepatitis-Epidemie in ihrer Heimat Mongolei träumte, als man da die vielen Kranken und Toten noch als unvermeidbar hinnahm. Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig solche Träume sind. Keine Utopien, sondern Visionen einer Welt, wie sie tatsächlich sein könnte.

Und ja, manche tragen in diesen Fantasiewelten Blazys Entwürfe für Chanel. Andere Hüte, wie die Frauen vom Hut-Club Basel (ebenfalls in diesem Heft). Sie retten damit nicht die Welt, aber sie machen sie lebenswerter.

Abonniere
Benachrichtigung über
guest
0 Comments
Älteste
Neuste Meistgewählt
Inline Feedbacks
View all comments