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Bierbrauerinnen aus Zürich über ihre Arbeit: «Einen Bart braucht man nicht»

Zeitgeist

Bierbrauerinnen aus Zürich über ihre Arbeit: «Einen Bart braucht man nicht»

Es klingt wie ein Witz: Was kommt heraus, wenn sich eine Juristin und eine Rennreiterin mit einem Bayer zusammentun? Ein neues Bier.

Lidia De Petris (35) ist Juristin. In Antwerpen absolvierte sie ein Auslandsemester, wo sie ihre Leidenschaft für Bier entdeckte. Ihre Schwester, Valeria De Petris (34), studierte ebenfalls Rechtswissenschaften und arbeitete als Jockey in Zürich. Dann der berufliche Umbruch: Die beiden werden Bierbrauerinnen und gründen mit dem gebürtigen Bayer Max Hartmann das Bierwerk Züri. Diesen Sommer haben sie an der Europaallee in Zürich die «TankBierBar» eröffnet, wo sie ihr Selbstgebrautes verkaufen.

 

annabelle: Lidia De Petris, würde man Heineken oder Grimbergen Glauben schenken, ist Bier im Grunde ein reines Männerprodukt. Woher kommt sie, Ihre Leidenschaft fürs Bier?
Lidia De Petris: Die Vielfalt der Biere, die unterschiedlichen Sorten und die allgemeine Kunst des Bierbrauens entdeckte ich während eines Auslandsemesters in Antwerpen. Hinterher arbeitete ich bis zum Ende meines Jura-Studiums in einem kleinen Bier- und Getränkeladen.

Sie studierten Jura. Wie kamen Sie plötzlich zum Entschluss: Ich will Bierbrauerin werden?
Lidia De Petris: Während des – eher trockenen – Jura-Studiums hat mir immer was gefehlt. Das habe ich dann auf meiner Südamerika-Reise gesucht und gefunden. Ich arbeitete dort als Freiwillige auf Bio- Bauernhöfen. Das befriedigende Gefühl, am Ende eines Tages das Resultat getaner Arbeit zu sehen, hat mich fasziniert. So kam ich auf die Idee, meine Begeisterung fürs Bier mit meiner Leidenschaft fürs handwerkliche Arbeiten zu kombinieren.

Valeria De Petris, kam dieses Interesse bei Ihnen zur selben Zeit auf wie bei Ihrer Schwester?
Valeria De Petris: Sie hat mich schlussendlich dazu inspiriert. Auch ich hatte lang nach der richtigen Berufung gesucht und – vor meinem Job als Rennreiterin – wie sie Rechtswissenschaften studiert.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie von Ihrem Vorhaben erzählt haben?
Lidia De Petris: Von Südamerika aus habe ich meinen Eltern per Whatsapp den Weblink der italienischen Brauschule geschickt, für die ich mich bewerben wollte, und gefragt: «Wie wärs damit?». Ihre Reaktion war klar und simpel: ein «Thumbs-up»- Emoji. Generell erhielten wir sehr viel Unterstützung und Zuspruch von Familie und Freund:innen.

Ihre Eltern ahnten wohl, dass es bei ihren Töchtern nicht bei der Juristerei beziehungsweise beim Rennreiten bleiben würde?
Lidia De Petris: Sie wussten, dass uns die handwerkliche Arbeitsweise schon immer beeindruckt hat. Sie waren also nicht so überrascht, als wir ihnen von unserem Vorhaben erzählten. Ausserdem ist unser Vater Hobby-Sommelier. Die verschiedenen Nuancen im Bier wiederzuerkennen war einerseits etwas Neues für uns, anderseits aber auch vertraut.

Max Hartmann, wie darf man sich die Bierbrau-Ausbildung vorstellen?
Max Hartmann: Das hängt natürlich auch ein wenig von der jeweiligen Einrichtung ab. Aber Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich das Studium vor allem um die naturwissenschaftlichen Grundkenntnisse dreht; also um Biologie, Chemie, Physik und Thermodynamik. Der eigentliche Brauprozess ist nur eines von vielen Schulfächern.

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«Bierbrauen war über Jahrtausende eine reine Frauenangelegenheit»

Ist das Bierbrauen noch immer vor allem eine Männersache?
Lidia de Petris: Jein. Auch wenn sich mittlerweile mehr Frauen für das Brauen interessieren, der Männeranteil in der Ausbildung ist deutlich höher. In unserer Klasse waren dreizehn Männer und lediglich zwei Frauen. Was eigentlich ironisch ist, wenn man bedenkt, dass das Bierbrauen – wie auch das Brotbacken – über Jahrtausende und bis hinein ins frühe Mittelalter ein reine Frauenangelegenheit war.

Müssen sich Frauen in dieser Branche stärker unter Beweis stellen?
Valeria de Petris: Diese Frage haben wir uns auch oft gestellt. Und wird sind zum Ergebnis gekommen, dass das wohl – leider – in den meisten Gewerben tatsächlich so ist. Als Frau muss man schlicht mehr leisten, um wahrgenommen zu werden. Wir hatten zwar das Glück, unsere beruflichen Erfahrungen in einem modernen Milieu sammeln zu dürfen, wo bereits viele Frauen auch Führungspositionen besetzen. Dennoch hatten wir zu Beginn den Eindruck, dass von einem Mann ein rascher Karriereaufstieg erwartet wird. Als Frau muss man diese Erwartungshaltung erst generieren. Starke Ellenbogen sind von Vorteil. Piercing und Bart – ein Hoch auf das Brauerklischee! – braucht man aber nicht.

Sie haben sich bei der Arbeit in der Beavertown Brewery in London kennengelernt, richtig?
Lidia De Petris: Genau. In Beavertown war ich als «Head of Brewery» für die Produktion und Qualität der Biere verantwortlich. Valeria leitete als Senior-Brauerin verschiedene Projekte, wie etwa den Aufbau einer Mikro-Brauerei im Tottenham- Stadion. Und Max war Brau-Praktikant, arbeitete hinterher aber als Braumeister in Schönram.

Wie konnten Sie sich Ihren Traum finanzieren?
Lidia De Petris: Das ist ein «All In»-Projekt. Im schlimmsten Fall werden wir danach alle pleite sein.

Anfang Juli hat die «TankBierBar» eröffnet. Wie viele Biersorten gibt es bei Ihnen?
Lidia de Petris: Unsere Biere servieren wir frisch aus den Tanks. Momentan sind fünf Sorten im Angebot. Nebst Bieren und lokalen Softgetränken gibts auch etwas für den kleinen Hunger, zum Beispiel Treber- Focaccia. Wer ein Cola will, ist bei uns aber falsch.

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