Plädoyer

Hoffnungslos optimistisch

Text: Jessica Prinz; Foto: Unsplash

Hoffnungslos optimistisch

Es ist hoffnungslos mit unserer Junior Editor Jessica Prinz. Egal was auch passiert – sie lässt sich nicht von ihrer optimistischen Weltsicht abbringen. Und darauf ist sie stolz.

Ich bin Optimistin. Immer voller Hoffnung, immer im Glauben, dass sich alles zum Guten wenden wird. Ich glaube jeden Morgen daran, dass die Sonne scheinen wird, glaube, dass es alle Menschen gut mit mir meinen, besonders wenn sie mal gemerkt haben, dass ich es mit ihnen gut meine. Ich glaube daran, dass sich drei neue Türen öffnen werden, wenn sich eine schliesst. Und ich glaube daran, dass alle Menschen im Kern gut sind.

Wie naiv, könnte man jetzt vielleicht denken. Jedenfalls bekomme ich das immer mal wieder zu hören. Das kleine, herzige, naive Blondie, sagt man mir, wird schon noch auf die Welt kommen. Vielleicht, mag sein. Vielleicht wache ich tatsächlich irgendwann auf, schaue zurück und denke: Wie doof war ich eigentlich, so blauäugig durch die Welt zu laufen? Vielleicht lebe ich aber auch noch lang so weiter – in meiner kleinen Welt, in der ich überzeugt sein darf, dass sich alles zum Besten dreht. Mit Naivität hat das wenig zu tun, finde ich. Denn ich weiss: Meine optimistischen Szenarien können durchaus Realität werden. Ich bin keine Träumerin, die den Kopf in den Wolken hat. Auch ich kann sehr wohl abschätzen, was realistisch ist und was nicht. Meine Einschätzung dessen ist eben ein wenig positiver als die der Realisten und Pessimisten dieser Welt.

Mir persönlich wärs einfach zu anstrengend, pessimistisch zu sein. (Und mal ganz ehrlich: Sind Realisten oft nicht einfach gut getarnte Pessimisten?) Wo käme ich denn hin, müsste ich mir für jedes potenzielle Problem schon ein Lösungsszenario überlegen? Mit der Lösungsfindung beschäftige ich mich viel lieber erst dann, wenn ein Problem tatsächlich real wird. Dann zapfe ich die Energie an, die ich mir anstatt des Grübelns und Sich-Sorgen-Machens angespart habe. Es ist doch auch viel gesünder, davon auszugehen, dass alles immer irgendwie eine gute Wendung nimmt und dass es für alle Probleme Lösungen gibt. Und das tut es meist – auch wenn es sich in Krisensituationen im ersten Moment oft nicht so anfühlt. Manchmal heisst das, so schwer es ist: die Situation aushalten – im Wissen, dass es wieder besser wird.

Optimismus bewirkt, dass man auch in den schwierigsten Situationen nicht aufgibt. Dabei handelt es sich um ganz einfache Mathematik: Wenn ich meine, dass eh alles für nichts ist, zum Scheitern verurteilt, dann hänge ich mich ja auch nicht voll rein. Dann resigniere ich schon viel zu früh. Bin ich allerdings davon überzeugt, dass etwas gelingt – dann mache ich weiter, bis ich Erfolg habe – oder eben scheitere. Natürlich kann ich auch als Optimistin nicht immer nur Erfolge feiern. Das Leben ist nicht immer rosig, das musste auch ich immer wieder erfahren. Erst kürzlich steckte ich in einer schwierigen Lage: Beziehung in die Brüche gegangen, befristeter Job, befristete Wohnung – Unsicherheit war (und ist es by the way noch immer) mein ständiger Wegbegleiter. In solchen Situationen können die besten Kampfparolen durchaus ihre Wirkung verlieren. Trotzdem noch optimistisch zu bleiben, ist dann nicht so einfach, sondern eine Entscheidung, die man aktiv treffen muss. Auch ich musste mir das immer und immer wieder sagen, bis ich mich selbst davon überzeugt hatte. Mich hat das Leben aber gelehrt, dass es sich eben doch lohnt, optimistisch zu bleiben und das Beste aus jeder Situation zu machen. Denn was bringt es mir, in einer eh schon schwierigen Situation noch Energie auf negative Gedanken zu verwenden?

Vielleicht leben Optimisten deswegen länger. Laut zahlreichen Studien wirkt sich Optimismus auf Gesundheit, Lebenserwartung, das seelische Wohlbefinden, die geistige Fähigkeit, die Wahrnehmung, auf zwischenmenschliche Beziehungen und sogar auf berufliche und finanzielle Erfolge aus. Dass ich gesünder oder erfolgreicher bin als andere – das kann ich nicht sagen. Ich finde aber: Als Optimistin lebt es sich ganz gut und bestimmt ein wenig entspannter und gelöster. Schwarzmalerei bringt mich und mein Umfeld nicht weiter – lieber gehe ich vom Besten aus, und geniesse das Beste jede Sekunde. So lange es eben geht. 

Jessica Prinz ,
Junior Editor
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