«Pics or It Didn't Happen»

Instagram will nicht, dass Sie diese Bilder sehen

Text: Miriam Suter; Fotos: Arvida Byström (2), Aleia Murawski (1), Molly Soda (1), Rindon Johnson (1)

Instagram will nicht, dass Sie diese Bilder sehen
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Nicht erlaubt auf Instagram: Weibliche Brustwarzen und Schamhaare ...

...auch dann nicht, wenn das Bild abstrakt anmutet

Auch dieses Foto hielt den Richtlinien von Instagram nicht stand

Könnte in einer Zeitschrift Teil einer Modestrecke sein, wurde von Instagram aber gelöscht

Auch ein nackter Po ist auf der Plattform unerwünscht

Die strengen Zensurregeln von Instagram verbieten Fotos von Schamhaaren oder weiblichen Brustwarzen. Die beiden Künstlerinnen Arvida Byström und Molly Soda haben aus gelöschten Bildern nun ein Buch gestaltet.

Instagram ist eines der grössten sozialen Netzwerke unserer Zeit. Über 500 Millionen Menschen weltweit teilen und kommentieren täglich Fotos, bis zu 40 000 Bilder pro Minute – also fast 60 Millionen am Tag – schwirren über die App durch den Äther. Nicht alle davon entsprechen jedoch den strengen Richtlinien der Betreiber. Es gibt Dinge, welche die App strikt verbietet, Bilder davon werden von den Userprofilen gelöscht. Dazu gehören explizite Darstellungen von Gewalt und illegalen Handlungen, aber auch Nacktfotos, Brustwarzen – aber nur weibliche! – und Schamhaare. Nicht immer ist nachvollziehbar, warum Fotos von der Plattform gelöscht werden. Als User erhält man lediglich eine Meldung, dass ein Bild gegen die Richtlinien verstösst und darum gelöscht wurde. Nicht aber welches Foto und weshalb.

Erinnerung in Buchform

Auch aus den Profilen der beiden Künstlerinnen Arvida Byström aus Schweden und Molly Soda aus Puerto Rico wurden Fotos gelöscht. Die beiden jungen Frauen tauschten sich online darüber aus und beschlossen, aus den gelöschten Fotos ein Buch zu produzieren: «Pics or It Didn't Happen» gibt den verlorenen Bildern auf 300 Seiten ein neues Zuhause. «Diese verlorenen und zerstörten Fotos in Buchform zu veröffentlichen, ist eine nette Art und Weise, an sie zu erinnern», erzählt Byström im Interview mit «i-D». Neben eigenen Fotos veröffentlichten die beiden auch Einsendungen, die sie von Künstlerinnen wie Petra Collins, Rupi Kaur und Harley Weir und anderen Instagram-Userinnen und -Usern erhalten haben. Die überraschendste sei ein Bild von einer Person mit Kopftuch gewesen. Laut Instagram habe die Bildlegende als Mitteilung mit terroristischen Untertönen fehlinterpretiert werden können.

Mit dem Buch machen die beiden Künstlerinnen darauf aufmerksam, wie absurd die Auflagen von Instagram ausgelegt werden. Denn die App bezeichnet gelöschte Bilder als «unsicher» oder «gefährlich». «Warum zum Beispiel ist ein Foto eines rasierten Beins sicherer als das eines unrasierten?», fragt Byström im Interview mit «i-D». Ihr Buch sei darum auch ein Buch über Körper, die nicht den Vorstellungen von Unternehmen entsprächen.

 

– Arvida Byström und Molly Soda: «Pics or It didn't Happen», 300 Seiten, Prestel Verlag, ca. 30.- Fr

Miriam Suter

Die Junior Online Editor schreibt am liebsten über Musik und andere kulturelle und gesellschaftliche Themen. Dabei interessiert sie vor allem das Rollenbild der Frau in unserer Gesellschaft.

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