Buchtipp

Vom lesbischen Leben

Text: Leandra Nef; Fotos: Elisabeth Real/The Lesbian Lives Project

Vom lesbischen Leben
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Sara und Carmen Keller, Mami und Mama, erzählen im Buch einerseits von ihrem Leben als «komplett normale Bünzli-Familie», andererseits von den vielen bürokratischen Hürden, die sie für Tochter Joa Lya überwinden mussten

Marthi Kempf und Elisabeth Stirnemann liessen im Oktober 2014 ihre Partnerschaft segnen 

Auch er kommt im Buch zu Wort: Pfarrer Wendelin Bucheli, der das Lesbenpaar segnete und damit ungewollt einen Skandal verursachte

Selina Reichenbach wurde als Jugendliche attackiert, weil sie lesbisch ist. Heute hat sie dank einer Therapie wieder Freude am Leben gefunden

Fotografin und Autorin Elisabeth Real erzählt in ihrem Buch die Geschichten von fünf lesbischen Frauen in der Schweiz – ungefiltert und mit spannenden Hintergrundinformationen. 

Fünf Frauen und ihre Geschichten. Die porträtiert Elisabeth Real in ihrem Buch «Wer wir sind. Lesbische Frauen aus der Schweiz erzählen».

Da wären Sara und Carmen Keller, Mama und Mami, die mit ihrer Tochter in Winterthur leben. Die eine Hausfrau, die andere selbstständige Architektin, eine «komplett normale Bünzli-Familie». Und doch bringt ihre Co-Mutterschaft die beiden immer wieder an rechtliche und bürokratische Grenzen.
Marthi Kempf und Elisabeth Stirnemann aus dem urnerischen Bürglen, die froh darüber sind, akzeptierter Teil der Gesellschaft zu sein, mit ihrer Segnungszeremonie aber einen Skandal auslösten, der sogar die Gemüter der Kirchenoberhäupter in Rom erhitze.
Und Selina Reichenbach aus Bern, die wegen ihrer sexuellen Orientierung beschimpft, schikaniert und tätlich angegriffen wurde, ihre Vergangenheit dank einer Therapie aber hinter sich lassen konnte.

Vier Jahre hat die freischaffende Fotografin und Autorin die Lesben für ihr journalistisches Langzeitprojekt begleitet. Vier Jahre, in denen sie mit ihrer Kamera Alltagsmomente eingefangen und die Frauen und ihr Umfeld aus ihrem Leben hat berichten lassen. Elisabeth Real hat nicht den Anspruch, die Lebenssituation der Lesben in der Schweiz ganzheitlich abzubilden, sondern lässt ihre Protagonistinnen schlicht ihre ganz individuelle Geschichte erzählen. Die Porträts, die dabei entstanden sind, sind alle auf ihre Weise eindrücklich und stimmen mitunter nachdenklich. Weil sie neben den Alltagsanekdoten und Glücksmomenten auch die versteckten Schwierigkeiten aufzeigen, mit denen Homosexuelle in der Schweiz konfrontiert sind – mal bürokratischer, mal (kirchen-)rechtlicher Art.

Bei der Lektüre von Reals Buch wird klar: Auch wenn Lesben in der Schweiz grösstenteils anerkannt sind, so gibt es für sie doch Hürden zu meistern, denen sich Heterosexuelle nicht immer bewusst sind. Das Buch ist darum nicht nur eines über fünf lesbische Frauen in der Schweiz. Es ist auch eines für mehr gegenseitiges Verständnis.

– Elisabeth Real: Wer wir sind. Lesbische Frauen aus der Schweiz erzählen. Zürich 2018, 408 Seiten, ca. 46 Franken. Das Buch kann hier bestellt werden. Mehr Infos zum Buchprojekt von Elisabeth Real finden Sie hier.

Leandra Nef

Auf dieser Welt gibt es noch so viele Geschichten zu erzählen! Das freut die Junior Online Editor, die Neues entdecken, verstehen, hinterfragen und natürlich darüber schreiben möchte. Unkonventionelle Lebensentwürfe und das Thema Reisen interessieren sie besonders.

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