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Vorbei sind die Zeiten der stillschweigenden Schönheiten

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Vorbei sind die Zeiten der stillschweigenden Schönheiten

#MeToo liegt mittlerweile über drei Jahre zurück. Und es scheint sich in Hollywood immer noch einiges zu tun – zumindest sprechen Schauspielerinnen offen wie nie über die sexistischen Strukturen in ihrer Branche.

Das Jahr ist noch jung – und schon voller Promi-Schlagzeilen. Etwas, das bei all den Headlines ganz besonders aufgefallen ist: Allein im Januar äusserten sich gleich mehrere sehr bekannte Schauspielerinnen zum Thema Sexismus.

Keira Knightley beispielsweise verriet im Podcast «Chanel Connects», dass sie mittlerweile eine Klausel in ihrem Vertrag hat, die Nacktszenen ausschliesst. Höchstens bei einer weiblichen Regisseurin würde sie eine Ausnahme machen. «Ich möchte einfach nicht mehr nackt in einer Gruppe von Männern stehen», so die 35-jährige Britin. Sie habe keine Lust mehr, den Male Gaze, den männlichen Blick, zu bedienen. «Diese schrecklichen Sexszenen, wo alle eingeölt sind und grunzen – daran habe ich kein Interesse.»

Zu unnattraktiv für die Rolle?

Die Schauspielerin Carey Mulligan wiederum äusserte sich zur Filmkritik eines «Variety»-Redaktors, der in «Promising Young Woman» Mulligans Attraktivität infrage stellte – und sich lieber Margot Robbie an ihre Stelle wünschte. «Es geht nicht darum, dass diese Kritik mein Ego verletzt. Es besorgt mich aber, dass in so einer grossen Publikation das Aussehen einer Schauspielerin kritisiert werden kann. Es wird als völlig berechtige Kritik akzeptiert», sagt Mulligan. Mittlerweile hat sich «Variety» bei der britischen Schauspielerin entschuldigt.

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Gegessen ist für die 35-Jährige das Thema aber noch lange nicht. Ständig würde am Aussehen und Verhalten der Frauen in Filmrollen rumgeschraubt – so lange, bis sie nach allgemeiner Vorstellung perfekt seien. «Dabei sollten wir realistische Frauen in all ihrer Komplexität auf dem Bildschirm zu sehen kriegen», so Mulligan.

«Unprofessionell» und «schwierig»

Und auch Katherine Heigl, unter anderem bekannt aus der Hollywood-Komödie «Knocked up», sprach vor ein paar Tagen öffentlich über Sexismus. Der «Washington Post» erzählte die 42-jährige US-Amerikanerin, dass sie als junge Schauspielerin gern ihre Meinung äusserte – woraufhin sich in der gesamten Branche der Ruf verbreitete, sie sei «unprofessionell» und «schwierig». Dementsprechend weniger wurden die Anfragen. «Wie wird ‹schwierig› überhaupt definiert? Ist eine Person schwierig, wenn sie eine Meinung hat, die jemand anderem nicht gefällt?», so Heigl.

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Was genau zu Heigls schlechtem Ruf führte, ist natürlich nicht abschliessend zu beurteilen. Dass Frauen jedoch im Gegensatz zu Männern schnell als kompliziert und unsympathisch gelten, sobald sie eine eigene Meinung vertreten, ist auch jenseits von Hollywood Alltag.

Was hat das alles mit uns zu tun?

Man könnte nun fragen: Was hat es mit uns zu tun, wenn diese berühmten Schauspielerinnen über Sexismus sprechen? Ganz schön viel.

Denn berühmte Schauspielerinnen sind Stars – und erreichen mit ihrer Stimme weltweit ein Milliardenpublikum. Wenn Celebrities ihre Privilegien nutzen und öffentlich anprangern, sexualisiert, objektiviert oder mundtot gemacht zu werden, signalisiert das erstens: Diskriminiert zu werden, ist nicht normal – sondern falsch. Und zweitens: Wenn einem Unrecht geschieht, darf man die Stimme erheben.

Dreieinhalb Jahre nach #MeToo und der von Schauspielerinnen ins Leben gerufenen #TimesUp-Bewegung scheinen wir einen Schritt weitergekommen zu sein. Denn heute geht es in den Berichterstattungen nicht mehr nur um sexuelle Übergriffe – es geht um die vielen verschiedenen Gesichter des Sexismus.

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