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Wir fordern: Die Frauenquote

Politik

Wir fordern: Die Frauenquote

Das Frauenstimmrecht markierte in Sachen Gleichberechtigung nur den Start, nicht das Ziel. Und von diesem sind die Frauen auch ein halbes Jahrhundert später noch weit entfernt. Denn die Ungleichheit steckt nicht nur in den alten, vornehmlich von Männern gemachten Gesetzen, sie sitzt auch noch tief in vielen Köpfen. Deshalb wollen wir nicht feiern, sondern fordern – und präsentieren: Die Erbsünden der Schweizer Gleichstellungspolitik. Heute: Die Frauenquote.

Okay, wir wissen es: Frauenquoten sind ein Reizthema. Eigentlich mag man es nicht mehr hören und schon gar nicht mehr darüber reden. «Wenn Frau will, kommt sie überall hin, auch nach ganz oben.» Quoten? Das seien unhaltbare Eingriffe in die unternehmerische Freiheit, tönt es aus der Wirtschaft, und auch frauenfreundlichere Kreise finden sie so sexy wie violette Latzhosen. Stimmt. Die Diskussion um Frauenquoten ist wenig attraktiv. Aber das ist egal. Denn vom Tisch ist sie nicht, noch lang nicht. Holen wir kurz aus: Gemäss aktueller Daten des Bundesamts für Statistik leben hierzulande 8 655 118 Menschen, davon sind 4 360 011 oder 50.4 Prozent weiblich. Also etwas mehr als die Hälfte. 57 Prozent der Maturitätszeugnisse werden von Frauen erworben, ebenso wie 53 Prozent der Bachelor- und 51 Prozent der Masterabschlüsse. Wiederum mehr als die Hälfte. Fazit: Es gibt im Reich Helvetias grundsätzlich mehr Frauen und vor allem mehr gut ausgebildete Frauen als Männer. Dieses Bild müsste sich im Prinzip längst auch in Führungsgremien von Unternehmen widerspiegeln.

Tut es aber mitnichten: Laut Schillingreport 2020 liegt der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der hundert grössten Schweizer Arbeitgeber bei 10 Prozent. In knapp der Hälfte der Unternehmen sitzen gar keine Frauen in den Teppichetagen. Ein wenig Licht am Tunnelende verspricht die Aktienrechtsrevision, die Anfang 2021 in Kraft getreten ist. Sie schreibt für grosse börsenkotierte Firmen mit Sitz in der Schweiz den Richtwert von 30 Prozent Frauen im Verwaltungsrat und 20 Prozent in der Geschäftsleitung vor. Hält ein Unternehmen diesen nicht ein, muss es dies begründen und Massnahmen zur Verbesserung vorlegen. «Mit der neuen Regelung», heisst es vom Bund, «soll der verfassungsmässigen Pflicht zur Gleichstellung von Frau und Mann Rechnung getragen werden.» Nun, das mag gut gemeint sein. Aber sieht so Gleichstellung aus? Denn die sogenannte «Berichterstattungspf licht» beginnt für Verwaltungsräte erst nach fünf, für Geschäftsleitungen gar erst nach zehn Jahren. Mit anderen Worten: Es wird Januar 2031, bis Unternehmen darüber Rechenschaft ablegen müssen, weshalb ihre Führungscrew noch immer zu über 80 Prozent aus Männern besteht. Was tun? Uns damit abfinden und weiter brav die Glasdecken polieren? Nein. Es ist Zeit für einen Glasschneider oder besser: für den Vorschlaghammer.

Eine Frauenquote mag keine Lösung für die Ewigkeit sein, weil zu starr, zu interventionistisch. Überhaupt ist das letzte Mittel selten das sympathischste. Doch in diesem Land scheint nur eine fixe Quote dazu in der Lage zu sein, die alten patriarchalen Seilschaften zu sprengen. Und warum nicht gleich aufs Ganze gehen – und statt der üblichen, politisch korrekten 30- eine richtig fette 50-Prozent-Frauenquote fordern? Machen wir halbehalbe! Denn es ist für eine demokratische Gesellschaft längst nicht mehr haltbar, dass die Mehrheit in einem Minderheitenstatus verharrt. Zudem sind gemischte Teams – wie viele Studien haben dies schon belegt? – nicht nur produktiver, sondern auch innovativer und krisenresistenter.

Voraussetzungen, die für uns als Gesellschaft überlebenswichtig sind, wollen wir die postpandemischen Herausforderungen bewältigen. Eine Frauenquote würde die alten Strukturen aufbrechen und auf allen Unternehmensebenen einen Kulturwandel herbeiführen, der es Frauen, ob Mutter oder nicht, erlaubt, ganz oben Platz zu nehmen. Und die dann endlich auch die Bedingungen mitgestalten könnten, die es Frauen wie Männern ermöglichen, die Karriere zu machen, die sie sich wünschen und die sie verdienen. «Don’t fix the women, fix the system», lautet das Bonmot dazu.

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