Wie ist es eigentlich

Wenn man Frauen mit Podcasts Lust bereitet

Aufgezeichnet: Julia Heim; Foto: Femtasy

Erotikplattform für Frauen

Nina Julie Lepique mischt den deutschsprachigen Erotik-Markt auf: Die 24-Jährige aus Köln hat mit Femtasy eine Plattform mit sexy Hörgeschichten für Frauen gegründet.

Dass sich die meisten Erotik-Inhalte vor allem an männlichen Vorlieben orientieren, wurde mir erst so richtig bewusst, als ich mich während eines Business-Trips in die USA mit Kolleginnen austauschte und merkte, wie frustriert sie alle über den Mangel an ansprechenden Angeboten waren. Ich arbeitete für ein soziales Netzwerk im Bereich Strategie und Mergers & Acquisitions, hatte also keine Berührungspunkte mit der Erotik-Industrie. Trotzdem wurde mir klar, dass ich diese Lücke schliessen und Frauen eine Alternative bieten wollte.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland kündigte ich. Die Entscheidung kam aus dem Bauch heraus. Angst vor dem Schritt in die Selbstständigkeit hatte ich nicht. Was hätte schon passieren sollen? Ich habe grundsätzlich mehr Angst davor, etwas nicht auszuprobieren und es im Nachhinein zu bereuen. Wenn etwas nicht klappt, kann man umdrehen und einen anderen Weg einschlagen.

Nach meiner Kündigung befragten mein Freund und ich 1500 Frauen zu ihren sexuellen Fantasien und Wünschen. Wir veranstalteten Workshops, sprachen mit Sexualtherapeutinnen und betrieben intensive Recherche. Wir wollten verstehen, was Frauen erotisch finden. Es war wichtig, möglichst viele einzubeziehen, weil sexuelle Vorlieben und Vorstellungen so individuell sind. Man kann nicht alle Frauen über einen Kamm scheren, sondern muss auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Wir verbrachten Monate mit dieser Arbeit, um dann einen Prototyp für unser Portal mit Erotik-Podcasts zu lancieren. Wir nennen sie sexy Sprachnachrichten und bieten von kurzen Sequenzen, in denen lediglich gestöhnt wird, über Aufnahmen mit einer Storyline bis zu Hardcore-Inhalten viele unterschiedliche Audioaufnahmen an. Die Geschichten werden vor allem von Frauen geschrieben: sie formulieren expliziter und kommen schneller auf den Punkt. Es sind sowohl Studentinnen, die sich noch etwas dazuverdienen wollen, als auch Pensionärinnen, die aus dem Nähkästchen plaudern oder Mütter, die nach der Geburt ihre Sexualität neu entdecken. Das Spektrum ist sehr breit. Ebenso bei den Sprecherinnen und Sprechern: Wir setzen nicht auf Profis, sondern auf Natürlichkeit.

Bereits im ersten Monat hatten wir lediglich durch das Streuen im eigenen Netzwerk und die Zusammenarbeit mit einer Influencerin ein paar Tausend Userinnen auf unserer Testsite. In diesem Sommer haben wir Femtasy dann aufgeschaltet. Mittlerweile arbeiten wir mit acht Leuten kontinuierlich daran, uns zu verbessern. Noch immer haben wir eine Gruppe von 300 Frauen, die für uns Inhalte testen und uns wichtiges Feedback geben. Was mich besonders freut, ist, dass wir für die Finanzierung auch das Interesse von Investorinnen wecken konnten. Momentan besuchen uns 100 000 Nutzerinnen im Monat. Geld verdienen wir mit Tagespässen und Abonnements. Wie viele davon bereits verkauft wurden, möchte ich aber nicht verraten.

Meine Familie hat entspannt reagiert, als sie von der Idee erfuhr. Schnell war allen klar, wie sich damit Geld verdienen lässt und natürlich auch, wie wichtig es ist, Frauen die Erotik zu bieten, die sie sich wünschen. Meine Oma, sie ist 90, hat mir sofort erzählt, wie sie zum ersten Mal über eine Anzeige für Sexspielzeug in einem Katalog stolperte. Ich bekomme viel positives Feedback – besonders von unseren Nutzerinnen. Nur einmal wurde ich bei einem Interview gefragt, ob mir nicht etwas Schlaueres eingefallen sei, als mich mit der weiblichen Sexualität zu befassen. Die Frage kam von einem Mann.

www.femtasy.com

Empfehlungen der Redaktion

Wie ist es eigentlich

Wenn man Fremdgänger überführt

Von Leandra Nef

Mehr aus der Rubrik

Sexfilme

Ist es antifeministisch, online kostenlose Pornos zu schauen?