Menopause: Zeit, laut zu werden
Ein Herzschlag zu viel, eine Schweissperle zu oft, eine Nacht zu kurz: So erleben viele Frauen die Menopause – zwischen neuer Leichtigkeit und belastenden Veränderungen.
Trotz ihrer Allgegenwärtigkeit bleibt die Menopause oft ein Tabuthema. Fast jede zweite Frau hat noch nie mit einer Ärztin oder einem Arzt über die Wechseljahre gesprochen. Dabei betrifft die Menopause weltweit rund 47 Millionen Frauen, in der Schweiz fast eine Million. Und sie bringt Veränderungen, die nicht nur lästig, sondern auch gesundheitlich relevant sein können.
Symptome, die niemand gern anspricht
Mehr als dreissig mögliche Beschwerden kennt die Medizin – im Alltag aber fühlen sie sich nicht wie Zahlen an, sondern wie Schlaglichter, die den Rhythmus des Lebens durcheinanderbringen. Im Schnitt trifft es jede Frau mit sieben davon. Am häufigsten sind es Hitzewallungen, Schweissausbrüche und die Müdigkeit. Nächte werden kurz, Tage endlos lang. Stimmung und Konzentration kippen, das innere Gleichgewicht gerät ins Wanken.
Und dann sind da noch die körperlichen Veränderungen: das Gewicht, das sich verschiebt, die Lust, die versiegt. Über sechzig Prozent der Frauen berichten, dass ihre Lebensqualität über diese Zeit massiv leidet. Einige so sehr, dass sie ernsthaft in Erwägung ziehen, den Job aufzugeben, weil die Symptome am Arbeitsplatz stärker scheinen als jede berufliche Rolle.
Was wirklich hilft
1.
Medizinische Begleitung
Das Gute ist: Niemand muss still leiden. Es gibt viele Wege, die Beschwerden zu lindern, und oft beginnt es damit, den eigenen Körper neu kennenzulernen. Ärztliche Begleitung spielt dabei eine zentrale Rolle – nicht nur, um Behandlungsmöglichkeiten zu erklären, sondern auch, um Sicherheit zu geben und Mythen zu entkräften.
2.
Regelmässige Bewegung
Mit den hormonellen Veränderungen schreitet der Muskelabbau auch schneller voran – das spüren viele Frauen in Form von weniger Energie oder verändertem Stoffwechsel. Bewegung wirkt dem direkt entgegen. Besonders effektiv ist Krafttraining, weil es Muskeln und Knochen stärkt. Doch auch Yoga, Pilates oder Schwimmen fördern Balance und Beweglichkeit. Schon regelmässige Spaziergänge können helfen, die Stimmung zu heben und besser zu schlafen. Entscheidend ist nicht die Intensität, sondern die Kontinuität.
3.
Die richtige Ernährung
Ebenso entscheidend ist die Ernährung. Mit dem sinkenden Östrogenspiegel verändert sich auch der Stoffwechsel – der Körper reagiert teilweise weniger empfindlich auf Insulin, was Gewichtszunahme begünstigen kann. Auch Müdigkeit tritt in dieser Phase häufiger auf. Eine eiweissreiche, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Kalzium kann dem entgegenwirken. Pflanzliche Lebensmittel wie Soja, Linsen oder Leinsamen liefern zudem Phytoöstrogene, die Hitzewallungen bei manchen Frauen abmildern können. Weniger Zucker und verarbeitete Produkte, mehr frische Zutaten: Schon kleine Veränderungen können im Alltag Grosses bewirken.
4.
Klarheit statt Kater
Ein Glas Wein am Abend kann gemütlich wirken – in den Wechseljahren aber oft das Gegenteil bewirken. Alkohol kann Hitzewallungen verstärken, den Schlaf noch unruhiger machen und Stimmungsschwankungen intensivieren. Viele Frauen berichten, dass sie sich leichter fühlen, wenn sie den Konsum reduzieren oder ganz darauf verzichten. Wer trotzdem nicht auf das Ritual verzichten möchte, findet heute eine grosse Auswahl an alkoholfreien Alternativen, die mehr sind als Traubensaft im Glas.
5.
Mentale Gesundheit
Der sinkende Hormonspiegel wirkt nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche – Stimmungsschwankungen, Nervosität oder depressive Verstimmungen sind in den Wechseljahren keine Seltenheit. Auch die Psyche braucht Raum: Entspannungstechniken, Achtsamkeit oder kleine Pausen nur für sich selbst können helfen, das innere Gleichgewicht wiederzufinden. Wer das Gefühl hat, allein nicht weiterzukommen, sollte Unterstützung suchen – seelische Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliche.
6.
Offener Austausch
Und zuletzt: Austausch. Wer offen mit Freund:innen, Partner:innen oder Kolleg:innen spricht, merkt schnell, dass sie nicht allein ist. Sichtbarkeit schafft Stärke. Die Menopause gehört nicht ins Schweigen, sondern ins Gespräch. Sie ist keine Schwäche. Sie ist ein Übergang in einen neuen Lebensabschnitt, der mit der richtigen Begleitung neue Freiheit und Kraft bringen kann.
Damit dieses Gespräch auch in der Arztpraxis gelingt, kann es helfen, sich bereits vor dem Termin Gedanken über die aktuelle Situation, mögliche Symptome und konkrete Erwartungen zu machen, um in einen konstruktiven Dialog mit der Ärzt:in oder der Gynäkolog:in treten zu können.
Im Internet finden sich dazu viele Tipps, unter anderem auch der Gesprächs-Check von Bayer. Mit einer guten Vorbereitung lassen sich Bedürfnisse klar formulieren und die entscheidenden Fragen gezielt stellen.
Mehr darüber hier:
- menopause.ch
- meno-pause.ch: Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie, Kontrazeption und Menopause (SGEM)
- menoswiss.ch
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