"Was hat Sie Ihr Herzschmerz gelehrt, Danitsa?"
Die Sängerin über Unabhängigkeit, den perfekten Popstar und Liebeskummer: Teil neun der Interview-Serie über Vorbilder, die Gleichstellung vorantreiben.
Gratulation zu Ihrem eigenen Musiklabel! War die Gründung ein Befreiungsschlag?
Danitsa: Ich wollte nicht mehr von anderen abhängig sein und gleichzeitig etwas an die jüngere Generation und andere Kreative zurückgeben.
In Ihrem neuen Song «Wrong Things» besingen Sie den Druck in der Musikindustrie. Wann haben Sie Ihren Platz darin zu hinterfragen begonnen?
Mit dem ersten Album kam der Erfolg in der Schweiz und in Frankreich, ich wollte mehr. Ich ging deshalb nach Los Angeles, fokussierte mich auf die falschen Dinge und meine Musik verlor ihre DNA.
Man hat Sie in eine Schublade gesteckt …
Die Industrie wollte mich zum perfekten Mainstream-Popstar machen, ich sollte meinen Namen, meinen Stil und meine Art zu singen ändern. Irgendwann hatte ich mich von mir selbst entfernt. Zwei Jahre lang suchte ich nach dem richtigen Label. Ich konnte nicht schlafen, war ängstlich, depressiv. Musik zu schreiben, wurde zu meiner Therapie. In meinen Zwanzigern versuchte ich, makellos zu sein. Heute bin ich einfach Danitsa. Genau darin liegt meine Freiheit.
Danitsa, Sängerin, Songwriterin und Produzentin"Früher versuchte ich, makellos zu sein. Heute bin ich einfach Danitsa. Genau darin liegt meine Freiheit"
Was bedeutet es, als Frau in der Musikindustrie zu arbeiten?
Ich möchte mich gar nicht als «Frau in der Musikindustrie» sehen. Früher war ich manchmal die einzige Künstlerin auf einem Festival. Heute arbeiten immer mehr Frauen auf und hinter der Bühne. Kürzlich war ich an einem Open Air mit weiblichen Tontechnikerinnen. Wir haben unsere Stimme erhoben und eingefordert, was uns zusteht. Jetzt verändert sich etwas.
Ihr neues Album erzählt auch von Liebeskummer und Weiblichkeit. Was hat der Herzschmerz Sie über sich selbst als Frau gelehrt?
Ich wusste nicht, dass Liebe so weh tun kann. Ich weinte nach der Trennung drei Jahre lang. Gleichzeitig entstanden daraus wunderschöne Songs. Ich erkannte, dass ich mich selbst viel zu lange nicht zur Priorität gemacht hatte. Der Herzschmerz zeigte mir, dass ich trotzdem von Liebe umgeben bin – von meiner Familie, meinen Freund:innen und der Musik, meiner grössten Liebe. Schritt für Schritt fand ich zu mir selbst zurück und zu einer neuen Version von mir – als Sängerin und als Frau.
Ist die neue Version eine bessere?
Ich glaube schon. Als ich «Miss Yo», den Song über meinen Ex, zum ersten Mal live sang, war das Publikum so berührt. Ich dachte: Danke, es ging mir so lange so schlecht! Das schönste Geschenk war, andere zu erreichen, aber auch mich selbst endlich geheilt zu sehen.
Als nächstes: Schriftstellerin Meral Kureyshi
Diese Interview-Serie wird unterstützt von PostFinance, einem Unternehmen, das sich für Gleichstellung stark macht. Gemeinsam lassen wir Persönlichkeiten zu Wort kommen, die mutig vorausgehen – und damit Wege für viele eröffnen. Weil Veränderung beginnt, wenn eine:r beginnt.
Created by annabelle Content Studio Bild: Julia Ishac